Dominant und triumphal:

 

Dominant und triumphal: "Louis I."

Arrogant, dominant, allwissend - Van Gaal präsentierte sich vom ersten Tag an in München wie "König Louis I" von Bayern. Er verfolgte konsequent seinen "ganzheitlichen" Weg bei der Bildung eines Teams, das sich am besten Fußball-Ensemble der Welt orientieren sollte. "Ich habe meinen Spielern immer den FC Barcelona zum Beispiel gegeben."

Nach dem schlechtesten Bundesligastart seit 43 Jahren und bis zu acht Punkten Rückstand auf Platz eins geriet der selbst ernannte "Prozess-Trainer" rasch in die Kritik. Auch Van Gaal, der Ungeduld als eigene Schwäche bezeichnet, ging alles zu langsam voran, an seinen Fähigkeiten, seinem Kurs zweifelte er freilich selbst nie.

Van Gaal legte sich mit Franck Ribery an, verscheuchte die Diva Luca Toni, handelte ohne Rücksicht auf große Namen. Er setzte von Anfang an mutig auf namenlose Jungprofis wie Thomas Müller und Holger Badstuber, die nun sogar im erweiterten deutschen WM-Kader stehen. Und er versetzte Bastian Schweinsteiger ins Zentrum des Mittelfelds, einer seiner besten Schachzüge. "Ich bin nur ein Hilfsmittel", sagte Van Gaal jüngst in einem Moment der eher seltenen Bescheidenheit. "Ich gebe eine Richtung an, aber die Spieler müssen auf dem Platz entscheiden."

Anfangs nervte er das Münchner Theater-Publikum mit langweilig anmutendem Ballgeschiebe - inzwischen steht dieser Ballbesitz für Dominanz. Sein 24 Millionen Euro teurer Landsmann Arjen Robben, den er von Real Madrid nach München lockte, war der Königs-Transfer. Und seit der Trendwende von Turin, dem 4:1 Anfang Dezember 2009 gegen Juventus in der Champions League, "sind wir stabil in einer erfolgreichen Kurve", so Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge.

In drei Ländern - den Niederlanden, Spanien und Deutschland - ist Louis van Gaal nun insgesamt siebenmal Meister geworden. "Vielleicht ist das auch eine Herausforderung, noch ein anderes Land zu suchen", hat er gesagt. Seit Wochen kokettiert er damit, im Falle des Titel-Triples aufzuhören, weil er dann alles erreicht und seine Mission in München nach nur einem Jahr erfüllt habe. Eine Nationalmannschaft würde ihn noch einmal reizen, verriet er. Als niederländischer Bondscoach verpasste er 2002 die WM-Teilnahme. Die Bayern-Bosse haben andere Pläne: Sie träumen von einer "erfolgreichen Ära" unter dem heute 58-Jährigen.

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