Kritik internationaler Fans an Pyrotechnikgesetz

 

Kritik internationaler Fans an Pyrotechnikgesetz

Wurbs hätte die Implementierung von Best-Practice-Modellen bevorzugt. Von österreichischen Vertretern wurde dies zurückgewiesen. Der Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit, Herbert Anderl, sagte, dass die wesentlichen Bestimmungen bereits vorher im Gesetz gestanden seien. Neu sei lediglich, dass nun Sportveranstaltungen explizit genannt seien. Günther Marek, ehemals EURO-Koordinator des Innenministeriums, ergänzte, dass damit nur Empfehlungen der EU und des Europarates umgesetzt worden seien und bei größeren Veranstaltungen der Organisator die Erlaubnis für bestimmte Choreographien beantragen könne.

Zu Beginn der Konferenz präsentierte Gunter A. Pilz von der Leibniz University Hanover eine Studie über Ultras. Dabei wies er daraufhin, dass es keine homogene internationale Ultrabewegung geben. Es gebe unterschiedliche Gruppen sogar mit "unterschiedlichen Anschauungen innerhalb der Gruppen selbst". Ultras zeichnen sich Pilz zufolge dadurch aus, dass sie "besonders leidenschaftlich, extrem, intensiv und aktiv" seien, "fasziniert von der südeuropäischen Kultur des Anfeuerns". Auch gebe es kein offizielles flächendeckendes Netzwerk. Weiteres einigendes Element ist auch der Kampf gegen die Verkommerzialisierung des Fußballs.

Ultras sehen sich selbst oft als Elite und Avantgarde unter den Fans, was sich auch in der Kleidung ausdrückt. Sie haben den Anspruch, ihre Kultur an sieben Tagen in der Woche zu leben. Gewalt ist dabei kein sinnstiftendes Element. Aber: "Zu behaupten, die Ultra-Bewegung wäre komplett frei von jeder Gewalt, ist falsch", sagte Pilz. Es sei ein Zuwachs der Qualität von Gewalt zu beobachten. Auch gehe der Trend weg von der Spieltag-Aggression hin zu ganz typischem Gangverhalten, also weg von der Fankultur hin zu einer jugendlichen Gewalt-Event-Kultur.

Das Verhältnis zur Polizei ist äußerst belastet: Diese wird überall als Feind betrachtet. Die Ränge werden als No-Go-Areas für die Exekutive betrachtet. Der Polizei mangelt es in den Augen der Ultras an Verständnis für die Fans und Willen zur Kommunikation mit ihnen. Die Beamten würden sie als Bürger zweiter Klasse betrachten. Auch mangelnde Selbst-Reflexion und Fähigkeit zur Selbst-Kritik werfen sie der Exekutive vor.

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