Moratti gerät bei Manipulationsskandal unter Druck

Die Rechtsanwälte des angeklagten Moggi, der als Drahtzieher der Affäre gilt, legte den Richtern Mitschnitte abgehörter Telefongespräche zwischen Moratti und dem Ex-Schiedsrichterkoordinator Paolo Bergamo aus dem Jahr 2005 vor. In den Telefongesprächen verspricht Bergamo dem Inter-Chef für ein entscheidendes Meisterschaftsmatch den Einsatz eines "guten" Schiedsrichters, der sich gegenüber der Mailänder Mannschaft mild verhalten solle.

Mit diesen Ton-Aufzeichnungen der Telefongespräche zwischen Moratti und Bergamo will Moggis Verteidigung beweisen, dass Kontakte zwischen Clubpräsidenten und Schiedsrichterkoordinatoren im italienischen Fußball normal waren. "Entweder sind alle unschuldig oder alle schuldig. Meiner Ansicht nach sind alle schuldig", erklärte Moggi nach Angaben der italienischen Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport".

Den 37 Angeklagten wird Sportbetrug vorgeworfen. 17 von ihnen wird auch die Bildung einer kriminellen Vereinigung mit dem Ziel vorgeworfen, Einfluss auf Italiens Fußball-System zu nehmen. Mit dem Zivilprozess findet der größte Manipulationsskandal im italienischen Fußball seinen Abschluss. Vor dem Sportgericht des Fußballverbands waren Moggi und seine Komplizen bereits im Sommer 2006 zu langen Berufsverboten und Geldstrafen verurteilt worden.

Der 71-jährige Moggi wird beschuldigt, mit Hilfe korrupter Schiedsrichter mehrere Spiele der Meisterschaft 2004/05 und 2005/06 zugunsten seines Turiner Vereins manipuliert zu haben. Wegen Moggis Verwicklung im Manipulationsskandal hatte der italienische Fußballverband Juventus Turin die Meistertitel der Saisonen 2004/05 und 2005/06 aberkannt. Der Rekordmeister könnte die Widerrufung dieses Beschlusses verlangen, sollte Moggi freigesprochen oder wieder zu einer milden Strafe verurteilt werden. Juve-Kapitän Alessandro Del Piero behauptete, dass wegen des Verdachts gegen Inters Chef Moratti, Juventus Recht habe, den Meistertitel 2005/06 zurückzuerhalten.

Moggi war im Jänner 2009 von einem Gericht in Rom zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt worden, sein Sohn Alessandro zu 14 Monaten Haft. Moggi Senior war wegen seiner Verwicklung in den Manipulationsskandal, der Italiens Fußball im Sommer 2006 erschüttert hatte, außerdem noch zu einer fünfjährigen Berufssperre verurteilt worden.

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