Alltag vieler Österreicher kein

Medieninsider

Alltag vieler Österreicher kein "Sozial-Porno"

Sommerzeit ist Flirtzeit. Zumindest gilt das für das Montagabend-Programm von ORF 2. Wie alle Jahre laufen im Hauptabend (20.15 Uhr) Elizabeth T. Spiras „Liebesg'schichten und Heiratssachen“. Ein Quoten-Schlager. Regelmäßig verzeichnet der Dauerläufer zwischen 800.000 und einer Million Zuschauer.

„Sozial-Porno“ – dieser Schmähruf wurde nach der Präsentation der neuen Staffel - es ist mittlerweile die 21. – laut. Das ist Humbug.

Zum einen tun die Kritiker damit Sendungsmacherin Spira Unrecht, die natürlich Menschen von sich und ihrem Leben erzählen lässt, diese aber keineswegs vorführt. Doch genau das machen TV-Formate, die mit dem Begriff „Sozial-Porno“ abgestempelt werden. Sie stellen Menschen und Teile ihres Privatlebens zur Schau.

Zum anderen kommen in Spiras Sendung keine jungen Menschen vor, deren Intelligenzquotient ihr jeweiliges Alter nur marginal überschreitet und die alles tun würden, um nur ja ins Fernsehen zu kommen.

Wer die „Liebesg'schichten und Heiratssachen“ als „Sozial-Porno“ brandmarkt, zeigt, dass er selbst eine gewisse Bodenhaftung und damit den Kontakt zu manchen sozialen Schichten verloren hat. Ein solches Urteil ist selbstgefällige Besserwisserei, intellektuelle Ignoranz und soziale Abgehobenheit.

Statt „Sozial-Porno“ bieten die „Liebesg'schichten und Heiratssachen“ vielmehr eine Sozial-Studie zum Leben und Alltag vieler Österreicher, einen Einblick in das Leben von Menschen, die unsere Nachbarn und eben auch Teil dieses Landes, unserer Gesellschaft sind. Da sind Menschen mit ihren Ängsten und Sorgen, mit ihren Streben nach Glück und Harmonie. Oft einsam. Menschen, die in ihrem überschaubaren Minikosmos, mitunter auch mit einem beengten Horizont leben – auch weil ihnen das Leben und seine Umstände einfach nicht ermöglichten, den eigenen Blickwinkel zu erweitern.

Viele Gruppen wären gut beraten, sich die Sendung genau anzusehen, nachzudenken, Erfahrungen zu sammeln und Schlüsse zu ziehen, generell Interesse an Menschen zu zeigen. Aber nicht, voreilig „Sozial-Porno!“ zu rufen.

Albert Sachs

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