Air-Berlin-Pleite: So gehts mit Niki weiter

Dramatisches Wochenende

Air-Berlin-Pleite: So gehts mit Niki weiter

Für Air Berlin und damit für ihren österreichischen Ableger Niki werden Szenarien verhandelt, was nach der Pleite der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft passiert. Deutsche Medien erwarten eine Totalzerschlagung und das Aus der Marke Air Berlin. Niki könnte Teil von Eurowings werden, sagte der österreichische Luftfahrtexperte Kurt Hoffmann am Mittwoch im ORF-Morgenjournal.
 
Gespräche über eine solche Lösung würden nach dem Informationstand von Dienstagnachmittag geführt, sagte Hoffmann. Niki beschäftigt rund 850 Leute.
 
Auch der zum Reisekonzern Thomas Cook (Neckermann Reisen) gehörende Ferienflieger Condor soll laut dpa-AFX Interesse an der Teilnahme an Auffanglösungen bekundet haben - zumal ein Teil der Thomas Cook-Reiseveranstalter-Gäste mit Air Berlin und ihrer Tochter Niki in den Urlaub geflogen wird.

TUI-Gefahr

 
Der weltgrößte Reisekonzern TUI sei ebenfalls involviert: 14 Flugzeuge seines Ferienfliegers TUIfly seien samt Personal bei Niki im Einsatz, der für TUI lukrative Deal sei jetzt in Gefahr. Ein seit vorigem Jahr geplantes Ferienflieger-Bündnis aus TUIfly und Niki war Anfang Juni geplatzt.
 
Der arabische Air-Berlin-Großaktionär Etihad hat sich bisher nicht geäußert. Nach Informationen des "Handelsblatts" ist sich die Herrscherfamilie in Abu Dhabi auch nicht einig, wie es mit Etihad weitergeht. Die Strategie, vor allem mit europäischen Partnern zu wachsen, ist gescheitert, auch Alitalia, die zweite große Beteiligung, ist mittlerweile pleite. Allerdings dürfte auch die aktuelle Situation bei Air Berlin zu der Entscheidung beigetragen haben. "Die finanziellen Zusagen waren an Ziele gekoppelt, die aber mittlerweile Makulatur sind nach den immer neuen Problemen", werden informierte Quellen aus Abu Dhabi zitiert.
 

Langes Zittern

Von der Pleite bedroht war Air Berlin schon seit Längerem. Endgültig in Richtung Insolvenz lief es bei der mit 1,2 Mrd. Euro verschuldeten Air Berlin, als Etihad Mitte voriger Woche eine vereinbarte Kredittranche in Höhe von 50 Mio. Euro nicht überwies.
 
"Handelsblatt" und "Bild"-Zeitung beschreiben, wie brisant die Lage war: Vorigen Mittwoch habe die Air-Berlin-Spitze aus Abu Dhabi die Nachricht bekommen, dass Etihad Aviation, mit knapp 30 Prozent der Großaktionär von Air Berlin, nicht mehr bereit sei, weiter für deren finanzielle Verpflichtungen geradezustehen. Eigentlich hatte Etihad im Frühjahr genau das noch zugesagt, es war die Bedingung dafür, dass die Wirtschaftsprüfer dem Abschluss 2016 überhaupt ein Testat erteilten.
 
Damit hatte Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann keine Wahl mehr. "Angesichts der heiklen Situation war natürlich die große Sorge, dass er sich ab einem gewissen Zeitpunkt der Insolvenzverschleppung schuldig macht", berichten Führungskräfte.
 
Am Freitag wurde die deutsche Politik informiert. Kurz nach 21 Uhr habe Winkelmann Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) angerufen und den Minister informiert, dass der Hauptaktionär Etihad aus Abu Dhabi den Geldhahn zudrehe. Dobrindt habe Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) informiert. Sie wollten über das Wochenende eine Lösung aufstellen. Den ganzen Samstag lang liefen die Telefone heiß: Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) schalteten sich ein, Wirtschafts-Staatssekretär Machnig übernahm die Koordinierung. Gabriel habe noch versucht, Abu Dhabi zum Nachgeben zu überreden, wie die "Bild"-Zeitung schrieb, aber umsonst.

Verhandlungen

Am Sonntag sei auch mit der Lufthansa verhandelt worden. Demnach wäre die AUA-Mutter bereit, große Teile von Air Berlin zu übernehmen. Damit das Kartellamt dem Deal zustimmen könne, könnte Easyjet den Rest übernehmen, heißt es. Um den Flugbetrieb von Air Berlin vorerst aufrechtzuerhalten, entschied man sich für einen Überbrückungskredit in Höhe von 150 Mio. Euro, abgesichert durch eine Staatsbürgschaft. Am Dienstag wurde der Insolvenzantrag bekannt gegeben.
 
Nach einer Insolvenz kommen üblicherweise die Verkehrsrechte (Slots) an den Flughäfen auf den Markt. Sie wären umgehend von Konkurrenten wie Ryanair aufgekauft worden, mit ziemlicher Sicherheit ohne Air-Berlin-Mitarbeiter zu übernehmen, heißt es im Handelsblatt.
 
Eine Einstellung der Flüge hätte bedeutet, dass die Start- und Landerechte als praktisch einziger verbleibender Vermögenswert von Air Berlin ihren Wert verlieren würden. Nun sollen die Slots verkauft werden, wobei der Erlös zur Finanzierung des Übergangskredits beitragen soll. Die Start- und Landerechte gehen nach Angaben des deutschen Verkehrsministeriums in die Insolvenzmasse ein, so die "Welt". Die Forderungen des deutschen Bundes aus dem Bürgschaftskredit sollen Vorrang bei der Befriedigung der Gläubiger erhalten.

 

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