10 Fragen zum geplanten Polizei-Trojaner

Online-Überwachung

 

10 Fragen zum geplanten Polizei-Trojaner

Gegen wen soll der Polizei-Trojaner eingesetzt werden?

Überwacht werden dürfen dabei nur Personen, die unter dringendem Verdacht stehen, Straftaten zu begehen, die mit mehr als 10 Jahren Gefängnis bestraft werden könnten. Kleinkriminelle sollen demnach nicht mittels Trojaner online überwacht werden. Ein endgültiger Beschluss für einen großflächigen Einsatz könnte bereits im Sommer 2008 fallen.

Was wird ausspioniert?

Der polizeiliche Trojaner dient als Keylogger (zeichnet also alle Tasteneingaben auf) und kann die Festplatte untersuchen. Weitere Funktionen ließen sich bei Bedarf auf einem infizierten Rechner sogar nachinstallieren.

Benötigen die Behörden für die Online-Durchsuchung einen Durchsuchungsbefehl?

Ja, nach Angaben des Innenministeriums soll der Trojaner nur auf richterlichen Beschluss hin zum Einsatz kommen.

Wie gelangt der Polizei-Trojaner auf den PC?

Im Prinzip unterscheidet sich der staatlich sanktionierte Trojaner kaum von seinen Hacker-Alter-Egos. Über manipulierte Dateien, gefälschte Emails, oder direkt durch Einspielen vor Ort soll der PC mit dem "Ermittlungsvirus" infiziert werden.

Werden in Betriebssysteme und Anti-Virus-Tools Hintertüren eingebaut, die es dem Polizei-Trojaner ermöglichen seine Arbeit zu verrichten?

Microsoft und die meisten Hersteller von Anti-Virus-Tools haben bereits vermeldet, ihre Programme auf keinen Fall mit Hintertüren für Ermittler ausstatten zu wollen. Vor allem der renommierte Security-Hersteller Kaspersky findet klare Worte: "Es würde sich hierbei um einen massiven Eingriff in die gesamte IT-Sicherheitsindustrie handeln, der aus unserer Sicht nicht vorstell- und durchführbar wäre", so Andreas Lamm, Geschäftsführer Kaspersky Labs GmbH.
Auch Microsoft will sich weigern, mit den Überwachungsplänen der Regierung zu kooperieren: "Wir haben keine Backdoors in unseren Programmen und werden auch niemals welche haben", betont Thomas Lutz, Unternehmenssprecher von Microsoft Österreich. "Wir unterscheiden auch nicht zwischen 'guten' und 'bösen' Trojanern".

Können Anti-Viren-Programme vor dem Polizei-Trojaner schützen?

Ja. Da sich der digitale Bundesspion nicht anders verhält, als jeder andere PC-Schädling, kann er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch von Anti-Virus-Programmen erkannt und gelöscht werden.

Können Terroristen und kriminelle Organisationen den Trojaner aushebeln?

Ja. Nach Einschätzung von Security-Experten dürften technisch versierte PC-User keinerlei Problem haben, den Polizei-Trojaner zu umgehen. Die technischen Methoden sind dabei überraschend einfach - auch Laien ist es problemlos möglich, alle nur erdenklichen Angriffe durch einen Polizei-Trojaner effektiv abzuwehren.

Hilft die Online-Durchsuchung bei der Verhinderung von Terroranschlägen?

Nach der Meinung der meisten Internet-Experten sind die Erfolgschancen bei der Verwendung eines Trojaners zum Ausspähen geheimer Terrorpläne denkbar gering. Allzuleicht können sich organisierte Kriminelle und Terroristen vor diesen Überwachungsmethoden schützen.

Wieviel kostet die Entwicklung des Polizei-Trojaners?

Die Kosten für die Entwicklung eines Polizei-Trojaners könnten im ersten Jahr rund 200.000 Euro betragen - die Software müsste aber kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Wie kann man sich als Privatperson davor schützen, ins Visier eines Polizei-Trojaners zu geraten?

Aktuelle Virenscanner, eine Firewall oder - absolut sicher - eine virtuelle PC-Umgebung, die ausschließlich für den Zugang zum Internet dient, bieten einen fast 100-Prozentigen Schutz vor jedem Trojaner - egal ob polizeilich im Einsatz oder nicht.

Wurde die Funktionsweise des Polizei-Trojaners bereits erfolgreich getestet?

Nach Angaben der US-Zeitung Herald Tribune und der Technik-Newsseite The Inquirer gibt es bis dato keinen einzigen Fall, in dem Daten aus einer Online-Durchsuchung bei der Verhinderung oder Aufklärung einer Straftat geholfen hätten. Herkömmliche Überwachungs- und Ermittlungsmethoden hätten sich hier eindeutig als die bessere kriminalistische Herangehensweise hervorgetan.

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