17. Oktober 2007 14:46
Gegen wen soll der Polizei-Trojaner eingesetzt werden?
Überwacht werden dürfen dabei nur Personen, die unter dringendem Verdacht
stehen, Straftaten zu begehen, die mit mehr als 10 Jahren Gefängnis bestraft
werden könnten. Kleinkriminelle sollen demnach nicht mittels Trojaner online
überwacht werden. Ein endgültiger Beschluss für einen großflächigen Einsatz
könnte bereits im Sommer 2008 fallen.
Was wird ausspioniert?
Der polizeiliche Trojaner dient als Keylogger (zeichnet also alle
Tasteneingaben auf) und kann die Festplatte untersuchen. Weitere Funktionen
ließen sich bei Bedarf auf einem infizierten Rechner sogar nachinstallieren.
Benötigen die Behörden für die Online-Durchsuchung einen
Durchsuchungsbefehl?
Ja, nach Angaben des Innenministeriums soll der Trojaner nur auf
richterlichen Beschluss hin zum Einsatz kommen.
Wie gelangt der Polizei-Trojaner auf den PC?
Im Prinzip unterscheidet sich der staatlich sanktionierte Trojaner kaum von
seinen Hacker-Alter-Egos. Über manipulierte Dateien, gefälschte Emails, oder
direkt durch Einspielen vor Ort soll der PC mit dem "Ermittlungsvirus"
infiziert werden.
Werden in Betriebssysteme und Anti-Virus-Tools Hintertüren eingebaut,
die es dem Polizei-Trojaner ermöglichen seine Arbeit zu verrichten?
Microsoft und die meisten Hersteller von Anti-Virus-Tools haben bereits
vermeldet, ihre Programme auf keinen Fall mit Hintertüren für Ermittler
ausstatten zu wollen. Vor allem der renommierte Security-Hersteller
Kaspersky findet klare Worte: "Es würde sich hierbei um einen massiven
Eingriff in die gesamte IT-Sicherheitsindustrie handeln, der aus unserer
Sicht nicht vorstell- und durchführbar wäre", so Andreas
Lamm, Geschäftsführer Kaspersky Labs GmbH.
Auch Microsoft
will sich weigern, mit den Überwachungsplänen der Regierung zu kooperieren: "Wir
haben keine Backdoors in unseren Programmen und werden auch niemals welche
haben", betont Thomas Lutz, Unternehmenssprecher von Microsoft
Österreich. "Wir unterscheiden auch nicht zwischen 'guten' und
'bösen' Trojanern".
Können Anti-Viren-Programme vor dem Polizei-Trojaner schützen?
Ja. Da sich der digitale Bundesspion nicht anders verhält, als jeder andere
PC-Schädling, kann er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch von
Anti-Virus-Programmen erkannt und gelöscht werden.
Können Terroristen und kriminelle Organisationen den Trojaner aushebeln?
Ja. Nach Einschätzung von Security-Experten dürften technisch versierte
PC-User keinerlei Problem haben, den Polizei-Trojaner zu umgehen. Die
technischen Methoden sind dabei überraschend einfach - auch Laien ist es
problemlos möglich, alle nur erdenklichen Angriffe durch einen
Polizei-Trojaner effektiv abzuwehren.
Hilft die Online-Durchsuchung bei der Verhinderung von Terroranschlägen?
Nach der Meinung der meisten Internet-Experten sind die Erfolgschancen bei
der Verwendung eines Trojaners zum Ausspähen geheimer Terrorpläne denkbar
gering. Allzuleicht können sich organisierte Kriminelle und Terroristen vor
diesen Überwachungsmethoden schützen.
Wieviel kostet die Entwicklung des Polizei-Trojaners?
Die Kosten für die Entwicklung eines Polizei-Trojaners könnten im ersten
Jahr rund 200.000 Euro betragen - die Software müsste aber kontinuierlich
weiterentwickelt werden.
Wie kann man sich als Privatperson davor schützen, ins Visier eines
Polizei-Trojaners zu geraten?
Aktuelle Virenscanner, eine Firewall oder - absolut sicher - eine virtuelle
PC-Umgebung, die ausschließlich für den Zugang zum Internet dient, bieten
einen fast 100-Prozentigen Schutz vor jedem Trojaner - egal ob polizeilich
im Einsatz oder nicht.
Wurde die Funktionsweise des Polizei-Trojaners bereits erfolgreich
getestet?
Nach Angaben der US-Zeitung Herald Tribune und der Technik-Newsseite The
Inquirer gibt es bis dato keinen einzigen Fall, in dem Daten aus einer
Online-Durchsuchung bei der Verhinderung oder Aufklärung einer Straftat
geholfen hätten. Herkömmliche Überwachungs- und Ermittlungsmethoden hätten
sich hier eindeutig als die bessere kriminalistische Herangehensweise
hervorgetan.