Tim Cook - Manager statt Visionär

Porträt

Tim Cook - Manager statt Visionär

Stärker könnte der Kontrast wohl nicht sein: Auf den von seinen Anhängern geradezu messianisch verehrten Apple-Chef Steve Jobs folgt mit dem Tim Cook eine graue Maus. Dem 50-Jährigen fehlt nicht nur das Charisma des Firmengründers, viele Beobachter befürchten auch, dass Apple unter Cooks Führung seine Innovationskraft verlieren wird. Doch was dem Südstaatler zum Visionär fehlt, macht er durch beinharte Arbeit wett.

Seit 1998 bei Apple
Tatsächlich gilt der Sohn eines Werftarbeiters aus Alabama als einer der Hauptverantwortlichen für den beispiellosen wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens in den vergangenen 14 Jahren. Steve Jobs hatte den Compaq-Manager im Jahr 1998 zu Apple geholt, um den bankrottgefährdeten Computerhersteller aus der Krise zu führen.

Während sich Jobs der Entwicklung bahnbrechender technologischer Innovationen wie des Musikabspielers iPod verschrieb, krempelte Cook die Produktion und das Geschäftsmodell tiefgreifend um. Er schloss die firmeneigenen Betriebsstätten und lagerte die Produktion aus, wodurch die Gewinnspannen massiv gesteigert werden konnten. Im Jahr 2007 wurde er zum für das operative Geschäft zuständigen Manager (COO) befördert und musste sich bald schon als interimistischer Apple-Chef beweisen. Jobs vertraute Cook nämlich während seiner langen krankheitsbedingten Absenzen das Tagesgeschäft an.

Sportfanatiker und Frühaufsteher
Auch dabei bewährte sich der Sportfanatiker und Frühaufsteher, der auch die Sonntagsarbeit nicht scheut. So legten die Apple-Aktien unter seiner kommissarischen Leitung von Jänner bis Juni 2009 um etwa 70 Prozent zu. Im Jänner übernahm er abermals interimistisch die Unternehmensführung und konnte im Juli die besten Quartalsergebnisse der Firmengeschichte präsentieren, darunter einen Gewinn von 7,3 Milliarden Dollar (plus 125 Prozent). Im August konnte das Hightech-Unternehmen sogar den Ölkonzern Exxon vom Thron des wertvollsten Unternehmens der Welt stoßen. Diese positive Entwicklung könnte Jobs dazu bewogen haben, den Wechsel an der Unternehmensspitze jetzt zu vollziehen.

Arbeitstier
Cook wird als Arbeitstier beschrieben, "der in der Früh als erster im Büro ist und es am Abend als letzter verlässt" und strenge Maßstäbe an seine Mitarbeiter anlege. "Er stellt dir Fragen, von denen du weißt, dass du sie nicht beantworten kannst und macht immer so weiter", berichtete ein früherer Mitarbeiter im Wirtschaftsmagazin "Fortune". "Sein Humor sei eher "von der trockenen Sorte", heißt es in dem "Fortune"-Artikel. Gefürchtet seien die "langen, unangenehmen Pausen" während Sitzungen, "wenn man nichts anderes hört als das Auswickeln der Müsliriegel, die er ständig isst".

Karriere bei IBM gestartet
Der am 1. November 1960 in Robertsdale geborene Cook hat Universitätsabschlüsse im Ingenieurswesen und Betriebswirtschaft und startete seine Managerkarriere beim Computerkonzern IBM, für den er zwölf Jahre lang im Verkauf tätig war. 1998 wechselte er zum Computerhersteller Compaq, ließ sich aber schon nach wenigen Monaten von Steve Jobs abwerben. Eine Bauchentscheidung, die wegen der damaligen finanziellen Schieflage von Apple durchaus mit Risiken verbunden war. "Für Apple zu arbeiten war nie Teil meiner Lebensplanung, aber es war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe", sagte Cook laut Reuters im Vorjahr in einer Ansprache vor Studenten seiner Alma Mater in Auburn.

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