22. März 2010 13:01
China hat Google mit ernsten Konsequenzen für seine Geschäftsinteressen
gedroht, sollte der Internetgigant tatsächlich seine chinesische Suchmaschine
abstellen.
Vorwürfe gegen Google
Die in englischer Sprache
erscheinende Pekinger Tageszeitung "China Daily" warf Google am
Montag vor, seinen Streit mit der chinesischen Regierung wegen
Einschränkungen bei der Berichterstattung über Menschenrechte zu "politisieren".
Eine Entscheidung des Unternehmens, die unter anderem mit Hackerangriffen
auf Google aus China zusammenhängt, wird möglicherweise noch in dieser
Woche erwartet. Wie berichtet soll der Internetriese einen Rückzug aus dem
chinesischen Markt für Mitte April planen.
Google habe vier Jahre lang die Regeln eingehalten, schrieb "China Daily".
Jetzt glaube das Unternehmen, "mit den Vereinigten Staaten im Rücken
und unter dem Vorwand der Internetfreiheit" die chinesische Regierung
dazu zwingen zu können, alle geltenden Beschränkungen für seine Suchmaschine
aufzuheben. "Geschäft ist Geschäft. Aber wenn dabei politische Tricks
angewandt werden, ist das Geschäft schnell zu Ende".
"Je mehr Google die Angelegenheit politisiert, desto weniger Spielraum
gibt es für Verhandlungen", hieß es. Unklar ist, ob Google derzeit
Gespräche mit der Regierung in Peking führt, wie vom Internetdienst der
Zeitung "Wall Street Journal" berichtet wurde. Die chinesische
Seite hat das bisher bestritten. Bereits Anfang des Monats hatte die
Regierung in Peking Google davor gewarnt, die Zensur von Suchergebnissen zu
stoppen. Der US-Konzern verstoße gegen chinesische Gesetze, falls er die
Ergebnisse seiner chinesischen Suchmaschine nicht mehr selbst zensiere, hieß
es. Die chinesischen Behörden verlangen, dass aus ihrer Sicht politisch
heikle Suchergebnisse - zum Beispiel zu Tibet oder zur blutigen
Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 - herausgefiltert werden.
IT-Riese beugt sich Zensur nicht mehr
Google hatte seine Haltung
zu der von Peking verordneten Zensur nach dem massiven Hackerangriff
auf sein E-mail-System Gmail Ende vergangenen Jahres überdacht. Das
Unternehmen beharrt nun auf seinem neuen Kurs, weltweit entschiedener gegen
Zensur vorgehen zu wollen. Aber auch wenn die chinesische Suchmaschine
google.cn geschlossen werden sollte, will der Internetriese offenbar seine
anderen Geschäfte in China weiter verfolgen. Ein kompletter Rückzug aus
China sei nicht geplant, berichtete das "Wall Street Journal"
kürzlich.
Die chinesischen Staatsmedien haben eine stark nationalistisch gefärbte
Kampagne gegen den US-Internetriesen Google in Gang gesetzt und ihn
beschuldigt, im Dienste amerikanischer Geheimdienste zu stehen. Google sei
ein "politisches Instrument der USA" und deren Geheimdienste, hieß
es in einem Kommentar der zentralen Nachrichtenagentur Xinhua, der von
sämtlichen offiziellen Medien des Landes verbreitet wurde. "China
empfängt weder ein politisches Google noch akzeptiert es die Politik des
Google", hieß es in dem Artikel. Zu der Erklärung des Internetkonzerns,
sich nicht länger der chinesischen Zensur beugen zu wollen, schrieb "China
Daily", die Chinesen erfreuten sich der größten Freiheit in ihrer
5000-jährigen Geschichte. Den chinesischen Staat der Internetzensur zu
beschuldigen, sei eine "bösartige Lüge". Google werde
davon nicht profitieren. angeboten.