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EU will SMS-Roamingkosten senken

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EU will SMS-Roamingkosten senken

EU-Telekom-Kommissarin Viviane Reding hat am Dienstag vorgeschlagen, die Roaminggebühren für SMS ab 1. Juli 2009 mit maximal 0,11 Euro (ohne Mehrwertsteuer) zu deckeln. Derzeit werden im Schnitt in der EU rund 0,29 Euro netto verrechnet. Außerdem will die EU-Kommission künftig sekundengenaue Abrechnung von Telefonaten vorschreiben und die Transparenz bei Daten-Roaming erhöhen.

"Nicht viel teuer als zu Hause"
"Was ich erreichen will ist einfach: Auf Reisen oder im Urlaub Textnachrichten zu schicken bzw. via Mobiltelefon im Netz zu surfen sollte für die Konsumenten nicht sehr viel teurer sein, als zu Hause", sagte Reding bei der Präsentation der Vorschläge in Brüssel. Das sei in einem grenzenlosen Markt wie der EU nur logisch.

Bis zu 24 Prozent zu viel
EU-Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kuneva unterstrich, im Schnitt würden den Mobilfunkkunden für Roaminggespräche bis zu 24 Prozent zu viel verrechnen, weil die Telefonate pro Minute und nicht pro Sekunde abgerechnet werden. Nach dem Entwurf der Kommission müssen Auslandstelefonate künftig sekundengenau abgerechnet werden, die Betreiber dürften aber für den Verbindungsaufbau eine Extra-Gebühr im Ausmaß von nicht mehr als 30 Sekunden Gesprächstarif aufschlagen.

2,5 Mrd. SMS verschickt
In der EU wurden 2007 rund 2,5 Milliarden SMS verschickten und dafür 800 Mio. Euro ausgegeben. Die Kosten für SMS-Roaming übersteigen in einigen Ländern - etwa Belgien - die Inlandstarife allerdings um das Zehnfache. Auch sonst liegen die Tarife deutlich über der von der Brüsseler Behörde angestrebten Obergrenze: Ein französischer Handy-Nutzer, der in diesem Sommer eine SMS-Nachricht aus Italien geschickt hat, musste bis zu 0,30 Euro bezahlen, ein tschechischer Tourist bis zu 0,42 Euro. In Spanien musste ein Schwede bis zu 0,40 Euro für SMS-Roaming zahlen, ein Reisender aus Großbritannien 0,63 Euro und ein Lette sogar 0,70 Euro je SMS. Österreicherer zahlen zwischen 10 und 29 Cent pro Auslands-SMS, hieß es von der EU.

Die geplante Obergrenze von 0,11 Euro wurde laut EU-Kommission gemeinsam mit dem Dachverband der Europäischen Regulierer (ERG) festgelegt. Die Vorleistungsentgelte, die sich die Betreiber untereinander verrechnen, will die EU-Behörde mit 0,04 Euro deckeln. Letztlich sollten aber die Endkunden- und die Großhandelspreise unter diesen Limits liegen.

Infos über Datenroaming
Die EU-Kommission will außerdem, dass Handykunden automatisch über die Entgelte für das Datenroaming im EU-Ausland informiert werden, ähnlich wie dies jetzt schon bei den Gesprächsgebühren funktioniert. Ab Sommer 2010 sollten die Kunden zudem im Voraus festlegen können, ab welcher Rechnungshöhe das Herunterladen von Daten unterbrochen wird - damit sie keine bösen Überraschungen mehr erleben. Darüber hinaus sollen die Großhandelstarife für Datenroaming mit einem Euro pro Megabyte begrenzt werden und so den Wettbewerbs anzukurbeln. Die Tarife für Datenroaming reichen derzeit von 0,25 Cent pro Megabyte bis zu rund 15 Euro pro MByte in Ländern wie Österreich, Belgien, Italien oder Irland. Laut einer Studie des dänischen Telekom-Regulators kostet Datenroaming die Betreiber rund 0,45 Euro pro Megabyte.

Der EU-Kommission sieht auch eine Verlängerung der 2007 in Kraft getretenen Roaming-Verordnung für Handygespräche vor: Bis Juli 2012 sollen die Gebühren für getätigte Anruf auf höchstens 0,34 Euro und für entgegengenommene Gespräche auf 0,10 Euro reduziert werden. Derzeit darf ein aktiver Handy-Anruf in anderen EU-Ländern netto maximal 0,46 Euro und eine passiver höchstens 0,22 Euro kosten.

Die Verordnungs-Vorschläge müssen nun vom Europäischen Parlament und den Mitgliedstaaten beschlossen werden und sind mit Veröffentlichung im Amtsblatt in der ganzen EU gültig. Die Kommission hofft - ähnlich wie bei den Gesprächsgebühren - auf eine rasche Einigung.

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