07. Oktober 2009 10:36
Der Entschluss kündigte sich schon seit einigen Wochen an. Denn als
Sony seinen neuen E-Book-Reader präsentierte, dachte der
Online-Einzelhändler Amazon.com erstmals laut darüber nach, sein "Kindle"-Lesegerät
für elektronische Bücher künftig auch außerhalb den USA anzubieten.
Fast nur englischsprachige Inhalte verfügbar
Und nun steht
es fest: "Kindle
kann nun in mehr als 100 Ländern in aller Welt gekauft werden",
sagte Amazon-Chef Jeff Bezos am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Das
E-Book-Angebot von Amazon.com umfasst derzeit jedoch nur englischsprachige
Titel und keine elektronischen Bücher auf Deutsch. "Unsere Vision
ist es aber, irgendwann jedes Buch in jeder Sprache liefern zu können",
betonte Bezos.
Kein Schnäppchen
Der Kindle kann ab sofort online für 279
Dollar im US-Portal von Amazon.com vorbestellt werden. Das Gerät soll dann
direkt nach der Frankfurter Buchmesse am 19. Oktober ausgeliefert werden.
Also müssen auch österreichische Kunden den "Kindle" auf
amazon.com bestellen, bei amazon.at ist das Gerät (noch) nicht verfügbar.
Der einzige deutschsprachige Inhalt, den man derzeit bei Amazon für den
Kindle kaufen kann, ist die elektronische Ausgabe der "Frankfurter
Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Die digitale "FAZ" wird wie 45
andere Zeitungen aus den USA, Großbritannien und anderen Ländern über
Amazon.com vertrieben.
"Wir haben Millionen von Kunden in aller Welt, die englischsprachige
Bücher lesen", sagte Bezos. Mit dem Kindle könne man ein Buch in
weniger als einer Minute über ein 3G-Mobilfunknetz (UMTS) herunterladen. Mit
dem US-Telekomkonzern AT&T wurde dazu eine Generalvereinbarung
getroffen. Der Telefonriese kümmert sich dann in den jeweiligen Ländern um
die lokalen Roaming-Partner.
Die Übertragung (Download) aus dem Amazon-Online-Shop verursacht also für
den Nutzer keine weiteren Kosten. Die Inhalte werden im TXT-, PDF- oder
DOC-Format übertragen. Österreichische User können aus einem Fundus von
280.000 entlischsprachigen Büchern zurückgreifen.
Inhalte sind digital günstiger zu haben
Bei Amazon.com
kosten die digitalen Bücher der Verlage wie Bloomsbury, Canongate, Hachette,
HarperCollins, Lonely Planet, Penguin, Profile Books, Quercus, Simon &
Schuster und Wiley zum Teil deutlich weniger als die gedruckten
Hardcover-Ausgaben. So sind die Titel auf der Bestseller-Liste der New York
Times für 9,99 Dollar zu haben, während das Hardcover in der Regel 20 Dollar
oder mehr kostet.
Auf der Buchmesse in Frankfurt dürften der Einstieg von Amazon in den
internationalen E-Book-Markt und die Lizenzierung von Titeln in deutscher
Sprache ein wichtiges Thema werden. Zwar spielen E-Books selbst in den USA
beim Buchabsatz noch eine untergeordnete Rolle. Allerdings verkaufte sich
jüngst der Bestseller "The Lost Symbol" (Das verlorene
Symbol) von Dan Brown bei Amazon.com als E-Book besser als die fast doppelt
so teure Hardcover-Version. "Für Bücher, die wir auf Papier und digital
vertreiben, kommt durchschnittlich auf zwei gedruckte Bücher ein E-Book",
sagte Bezos.
Konkurrenz schläft nicht
Laut Medienberichten plant
Amazon.com, in diesem Jahr insgesamt 800.000 Lesegeräte abzusetzen. Bezos
nannte am Mittwoch auch auf Nachfrage keine Absatzzahlen. Amazon konkurriert
in Deutschland im noch überschaubaren E-Book-Markt vor allem mit Sony. Der
Reader des japanischen Konzerns wird über die Filialen der Buchhandelskette
Thalia in Kooperation mit dem Buchhandels-Grossisten Libri vertrieben. Auf
der Buchmesse in Frankfurt wird auch das Berliner Startup-Unternehmen txtr
seine E-Book-Lösung vorstellen.
Den "Kindle" kann man entweder über den USB-Anschluss, oder über
eine erkömmliche Steckdose aufladen. Wählt man Variante zwei muss man sich
zusätzlich einen Adapter (von US- auf Österreichstandard) zulegen.