Markterschließung

Ebook: Amazon verkauft "Kindle" weltweit

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Der Amazon E-Book-Reader "Kindle" wird nun auch in Europa verkauft.

Der Entschluss kündigte sich schon seit einigen Wochen an. Denn als Sony seinen neuen E-Book-Reader präsentierte, dachte der Online-Einzelhändler Amazon.com erstmals laut darüber nach, sein "Kindle"-Lesegerät für elektronische Bücher künftig auch außerhalb den USA anzubieten.

Fast nur englischsprachige Inhalte verfügbar
Und nun steht es fest: "Kindle kann nun in mehr als 100 Ländern in aller Welt gekauft werden", sagte Amazon-Chef Jeff Bezos am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Das E-Book-Angebot von Amazon.com umfasst derzeit jedoch nur englischsprachige Titel und keine elektronischen Bücher auf Deutsch. "Unsere Vision ist es aber, irgendwann jedes Buch in jeder Sprache liefern zu können", betonte Bezos.

Kein Schnäppchen
Der Kindle kann ab sofort online für 279 Dollar im US-Portal von Amazon.com vorbestellt werden. Das Gerät soll dann direkt nach der Frankfurter Buchmesse am 19. Oktober ausgeliefert werden. Also müssen auch österreichische Kunden den "Kindle" auf amazon.com bestellen, bei amazon.at ist das Gerät (noch) nicht verfügbar.

Der einzige deutschsprachige Inhalt, den man derzeit bei Amazon für den Kindle kaufen kann, ist die elektronische Ausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Die digitale "FAZ" wird wie 45 andere Zeitungen aus den USA, Großbritannien und anderen Ländern über Amazon.com vertrieben.

"Wir haben Millionen von Kunden in aller Welt, die englischsprachige Bücher lesen", sagte Bezos. Mit dem Kindle könne man ein Buch in weniger als einer Minute über ein 3G-Mobilfunknetz (UMTS) herunterladen. Mit dem US-Telekomkonzern AT&T wurde dazu eine Generalvereinbarung getroffen. Der Telefonriese kümmert sich dann in den jeweiligen Ländern um die lokalen Roaming-Partner.

Die Übertragung (Download) aus dem Amazon-Online-Shop verursacht also für den Nutzer keine weiteren Kosten. Die Inhalte werden im TXT-, PDF- oder DOC-Format übertragen. Österreichische User können aus einem Fundus von 280.000 entlischsprachigen Büchern zurückgreifen.

Inhalte sind digital günstiger zu haben
Bei Amazon.com kosten die digitalen Bücher der Verlage wie Bloomsbury, Canongate, Hachette, HarperCollins, Lonely Planet, Penguin, Profile Books, Quercus, Simon & Schuster und Wiley zum Teil deutlich weniger als die gedruckten Hardcover-Ausgaben. So sind die Titel auf der Bestseller-Liste der New York Times für 9,99 Dollar zu haben, während das Hardcover in der Regel 20 Dollar oder mehr kostet.

Auf der Buchmesse in Frankfurt dürften der Einstieg von Amazon in den internationalen E-Book-Markt und die Lizenzierung von Titeln in deutscher Sprache ein wichtiges Thema werden. Zwar spielen E-Books selbst in den USA beim Buchabsatz noch eine untergeordnete Rolle. Allerdings verkaufte sich jüngst der Bestseller "The Lost Symbol" (Das verlorene Symbol) von Dan Brown bei Amazon.com als E-Book besser als die fast doppelt so teure Hardcover-Version. "Für Bücher, die wir auf Papier und digital vertreiben, kommt durchschnittlich auf zwei gedruckte Bücher ein E-Book", sagte Bezos.

Konkurrenz schläft nicht
Laut Medienberichten plant Amazon.com, in diesem Jahr insgesamt 800.000 Lesegeräte abzusetzen. Bezos nannte am Mittwoch auch auf Nachfrage keine Absatzzahlen. Amazon konkurriert in Deutschland im noch überschaubaren E-Book-Markt vor allem mit Sony. Der Reader des japanischen Konzerns wird über die Filialen der Buchhandelskette Thalia in Kooperation mit dem Buchhandels-Grossisten Libri vertrieben. Auf der Buchmesse in Frankfurt wird auch das Berliner Startup-Unternehmen txtr seine E-Book-Lösung vorstellen.

Den "Kindle" kann man entweder über den USB-Anschluss, oder über eine erkömmliche Steckdose aufladen. Wählt man Variante zwei muss man sich zusätzlich einen Adapter (von US- auf Österreichstandard) zulegen.

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