Krise bei Twitter verschärft sich

Anschluss verloren

Krise bei Twitter verschärft sich

Twitter verliert den Anschluss an die Internet-Platzhirsche Google und Facebook. Werbekunden machen deswegen einen Bogen um den Kurznachrichtendienst. Vor den Olympischen Spielen und der Fußball-Europameisterschaft hielten sie sich in den ersten drei Monaten insbesondere in Europa zurück, erklärte Twitter. Zudem gibt das Unternehmen selbst die Hoffnung auf, dass sich das Blatt bald wendet.

Im Frühjahr dürfte der Umsatz mit 590 bis 610 Mio. Dollar in etwa auf dem Niveau der ersten drei Monate stagnieren, sagte die Firma aus dem Silicon Valley in der Nacht zum Mittwoch voraus. Experten hatten mit weitaus mehr gerechnet. Bei den Investoren kam das schlecht an: Der Kurs der Aktie brach im nachbörslichen US-Handel um rund 14 Prozent ein.

Krise ist offensichtlich
"Es ist offensichtlich, dass Twitter in Schwierigkeiten steckt", sagte Avind Bhatia vom Wertpapierhändler CRT Capital. "Das Unternehmen entwickelt sich überhaupt nicht so, wie es erwartet wird." Banken senkten reihenweise ihre Kursziele für die Aktien.

Um mehr Menschen für die Angebote des Unternehmens zu gewinnen, bietet Twitter verstärkt Videodienste an. Damit konnten die Kalifornier zuletzt auch neue Nutzer gewinnen - monatlich waren 310 Millionen Menschen aktiv, fünf Millionen mehr als im Schlussquartal 2015. Doch die Werbekunden seien in diesen neuen Angeboten kaum vertreten, räumte der Konzern ein. Langfristig strebt Finanzchef Anthony Noto an, "wie unsere Wettbewerber Millionen von Werbekunden zu haben". Auf Facebook schalten mehr als drei Millionen Firmen Anzeigen, der Konzern erwirtschaftet fast neun Mal so viel Umsatz wie Twitter und hat rund 1,6 Milliarden User.

Im abgelaufenen Quartal legte der Twitter-Umsatz verglichen mit dem Vorjahr um gut ein Drittel auf 594,5 Mio. Dollar zu. Das Unternehmen erzielt den mit Abstand größten Teil seiner Erlöse mit Anzeigen. Unter dem Strich fiel ein Verlust von 79,7 Mio. Dollar an, nach minus 162,4 Mio. im Vorjahr. Vor allem hohe Marketing- und Vertriebsausgaben machen dem Unternehmen zu schaffen, dazu kommen Kosten, um den Datenverkehr zu erhöhen.

Videodienste
Twitter-Gründer Jack Dorsey hatte im Oktober das Zepter wieder dauerhaft in die Hand genommen, um das Unternehmen auf Vordermann zu bringen. Er setzt auf die neuen Videodienste und will Anzeigenkunden noch gezielter ansprechen. Unter anderem sollen Football-Spiele über Twitter übertragen werden. Doch auch Facebook, Snapchat und Youtube sind auf diesem Gebiet aktiv.

Facebook legt seine aktuelle Quartalsbilanz am Mittwochabend nach US-Börsenschluss vor. Fachleute gehen davon aus, dass der Umsatz weiter kräftig steigt.

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