17. Februar 2010 08:56
Der Suchmaschinengigant Google setzt sich neue Prioritäten. Ab sofort wird
die Weiterentwicklung des mobilen Betriebssystems Android gegenüber dem
Computer-Betriebssystem Chrome
OS wichtiger.
Smartphone-Boom gab Anstoß
Künftig will Google immer
häufiger zuerst für Mobilfunkgeräte - und dann erst für Personal Computer
entwickeln. Das kündigte Google-Chef Eric Schmidt (Bild) am Dienstag auf der Mobilfunkmesse
MWC in Barcelona an. Schmidt begründete diese Strategie mit dem großen
Volumen des Mobilfunkmarktes. Täglich würden allein 60 000 Geräte mit dem
von Google geförderten Handybetriebssystem Android ausgeliefert.
Der Konzernchef trat Befürchtungen entgegen, Google dränge sich immer mehr
in die Wertschöpfungsketten der Mobilfunkprovider und
Telekommunikationsunternehmen. So sei das kürzlich angekündigte Projekt von
Google zur
Erprobung von Hochgeschwindigkeitsnetzen für private Haushalte ein "Feldversuch",
mit dem man bestimmte Geschwindigkeitsgrenzen durchbrechen möchte. "Google
wird nicht in das Geschäft mit Telekommunikations-Infrastruktur einsteigen."
Neue Features für Android
Während des Auftritts von Schmidt
zeigte der aus Aachen stammende Neurobiologe und Google-Mitarbeiter Hartmut
Neven, wie auf einem Smartphone mit Android eine Sprachsuche "Voice
Search" auf Deutsch funktioniert . Außerdem demonstrierte Neven, wie
aus einem Foto einer in deutsch formulierten Speisekarte in wenigen Sekunden
aus dem Netz eine englischsprachige Übersetzung gezogen werden kann. Solche
Dienste seien auf dem Handy möglich, weil im Netz eine unglaublich hohe
Rechenleistung zur Verfügung stehe. Des Weiteren wird mit Hochdruck an der
Implementation von Flash in Android gearbeitet. Bei der Vorführung wurden
Flash-basierte Spiele im Einsatz auf Smartphones gezeigt.
In Amerika häufen sich hingegen die Beschwerden über Google Buzz
Amerikanische
Bürgerrechtler haben eine Beschwerde gegen den neuen Google-Dienst
Buzz eingereicht. Das Zentrum für elektronischen Datenschutz EPIC
(Electronic Privacy Information Center) erklärte am Dienstag (Ortszeit), die
neue Internet-Plattform verstoße gegen das US-Verbraucherschutzrecht. Die
Kartellbehörde FTC müsse Google daran hindern, Nutzer des E-Mail-Dienstes
Gmail automatisch auch bei Buzz zu registrieren, forderten die
Datenschützer.
Google war bereits kurz nach dem Start des neuen Angebots am 9. Februar in
Kritik geraten, weil Einträge bei Buzz automatisch auch an sämtliche
Mail-Kontakte der Nutzer verbreitet wurden. Das Unternehmen hat darauf
bereits reagiert, seit dem Wochenende werden den Buzz-Nutzern ihre
E-Mail-Kontaktpersonen nur noch als Bekanntenkreis vorgeschlagen.
Möglich ist auch, den Buzz-Dienst ganz abzustellen. EPIC forderte indes,
Gmail-Nutzer müssten schon vor ihrer Registrierung um Zustimmung gebeten
werden. Nötig sei eine "Opt-In"-Regelung, also eine aktive
Anmeldung zu dem neuen Dienst, erklärten die Datenschützer.