21. Juli 2009 14:54
Eines vorweg: Im N97 gibt es nichts was es nicht gibt. Die finnischen
Ingenieure haben sich bei der Entwicklung dieses Business-Handys viele
Gedanken gemacht und das Ergebnis ist beeindruckend. Dass ein so kompaktes
Gerät über eine solch umfangreiche technische Ausstattung verfügen kann, war
vor wenigen Jahren noch unvorstellbar. Und auch heute ist man von einigen
der gebotenen Features noch schwer beeindruckt. Wer alle technischen
Möglichkeiten des Handys herausfinden will, muss sich mit dem Gerät
mindestens zwei Wochen intensiv auseinander setzen.
Display
Eigentlich ist es schon überraschend, dass das N97 erst
das zweite Touchscreen-Handy ist, welches der weltgrößte Handy-Hersteller
und Marktführer auf den Markt bringt. In diesem boomenden Sektor ist die
Konkurrenz eindeutig besser aufgestellt. Doch sobald Nokia ein neues Modell
auf den Markt bringt, werden normalerweise neue Klassenstandards gesetzt.
Von der Größe (8,9 cm Diagonale) und der gebotenen Auflösung (640 X 360)
kann das Display voll überzeugen, auch nervende Spiegelungen an heißen
Sommertagen konnten die Entwickler weitgehend vermeiden. Den
Standard-Bildschirm kann sich der Eigner ganz nach seinem Geschmack
gestalten. Widgets erscheinen nur dann wenn man sie vorher festlegt und
genau dort wo man sie am Display haben will. Fotos und Videos werden sehr
scharf und realitätsnah wiedergegeben - den 16 Millionen Farben sei Dank.
Bedienung (Touchscreen/Zusatztastatur)
Touchscreen:
Die
Befehle werden wie beim Konkurrenten von Apple ohne jede Verzögerung
ausgeführt. Man klickt auf ein Widget und das dahinterliegende Programm
erscheint blitzartig. Auch der Bewegungssensor arbeitet äußerst präzise und
sehr schnell. Sobald man das N97 in die Seitenlage befördert, hat auch schon
das Display auf Querformat umgestellt. Die Quertztastatur ist ebenfalls gut
zu bedienen, dennoch kommt sie an den Komfort der ausschiebbaren
Zusatztastatur nicht heran. Nur das Feedback nach einer Befehlsausführung
hätten wir uns etwas stärker gewünscht. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber
auch an dieses kleine Manko.
Zusatztastatur und Tasten:
Die herkömmlichen Anruftasten
erfüllen die gängigen Standards - mit ihnen hebt sich das N97 nicht von den
Konkurrenten ab. Den Unterschied macht die ausschiebbare Tastatur mit den
mechanischen Tasten und der Vier-Wege-Taste. Diese Zusatzausstattung erhöht
den Bedienkomfort beim SMS-Tippen oder beim Internet-Surfen enorm (scrollen
wird zum Kinderspiel). Die Displaygröße bleibt im vollen Umfang erhalten und
Eingabefehler bleiben die Seltenheit. Insgesamt erweist sich die Tastatur
als großer Vorteil und wirkt sich eigentlich nur in einem Bereich etwas
negativ aus: bei der allgemeinen Größe des Geräts. Einige Kollegen
attestierten dem N97 nicht einmal Hosentaschenformat, aber so unhandlich ist
das Handy auch wieder nicht. Die Konkurrenten bauen aber durchwegs
kompakter. Für die Beleuchtung der Tasten gibt es auch bessere Lösungen.
Beim N97 ist nämlich nicht nur die Beschriftung sondern die gesamte Tastatur
durchgängig beleuchtet. Durch diesen Umstand sind einige Tasten bei
Dunkelheit kaum zu unterscheiden. Sobald man jedoch weiß wo sich welche
Tasten befinden, ist das Problem beseitigt.
Die Menüs sind sehr übersichtlich und selbsterklärend aufgebaut. Auch
Nokia-Neulinge finden sich in den Untermenüs schnell zurecht. Für
Traditionalisten bietet Nokia noch ein spezielles Feature. So reicht ein
Druck auf die Menütaste links unten und man erhält die Benutzeroberfläche
des S60-Menüs.
Fotos/Videos
Vom Papier her ist die Kamera mit 5-MP nicht mehr
ganz auf der Höhe der Zeit. Zahlreiche Konkurrenten bieten schon 8-MP oder
sogar 12-MP Handycams an. Doch die gelieferten Ergebnisse zeigen, dass die
Anzahl der Megapixel nicht immer für die wahren Qualitäten einer Kamera
stehen. Aufgrund der gut funktionierenden Autofokus-Funktion und des
integrierten Carl-Zeiss-Objektivs können beeindruckende Aufnahmen entstehen.
Vor allem bei guten Lichtverhältnissen kann es das N97 sogar mit richtigen
Digicams aufnehmen, bei Dunkelheit muss man jedoch Abstriche machen.
Wiedergegebene
Videos wirken sehr realistisch und aufgrund des großen Displays brauch man
auch keine Lupe für deren Betrachtung. Sogar Details sind erstaunlich gut zu
erkennen. Wäre eine DVB-T-Antenne integriert könnte man sich ab und zu sogar
die Rezeption eines Fernsehprogramms vorstellen. Aber das ermöglichen ja
auch schon Datenverträge der Mobilfunkanbieter.
Multimedia
Beim Musikplayer konnte Nokia ganz ungeniert ins
Konzernregal greifen, denn da haben sie ja mit dem 5800 XpressMusic den
König unter den Musikhandys im Angebot. Und deshalb kann man die
Entscheidung nur begrüßen, dass die Ingenieure dieselbe bewährt Technik ins
N97 packen. Der Klang ist über jeden Zweifel erhaben und aufgrund des 3,5"-Klinkensteckers
kann man sich die Musik auch mit den eigenen Lieblings-Headset anhören. Und
wer nicht ganz zu große Ansprüche hat wird auch mit den Sound aus den
integrierten Boxen ganz gut leben können. Eine Soundanlage kann das Handy
aber natürlich nicht ersetzen.
Akku
Trotz der gebotenen Leistung, dem großen Display und der
ständigen Sehnsucht irgendetwas mit dem Handy zu machen zeigt der Akku wahre
Steherqualitäten. Würde man das N97 nur zum Telefonieren verwenden, könnte
man den Eindruck gewinnen, dass der Akku ein Leben lang reicht. Im Test
bewegte sich der Anzeigebalken während den Telefonaten so gut wie gar nicht.
Nutzt man alle Anwendungen voll aus, reicht eine Ladung noch immer über fünf
Stunden. Das schaffen nicht einmal Netbooks mit deutlich stärkeren Akkus und
auch keiner viel besseren Leistung. Dieser Vergleich hinkt natürlich ein
wenig, aber mit den ein oder anderem Mini-Notebook kann es das N97
aufnehmen.
Verbindungen und Speicher
Bei den Standards zur
Datenübertragung bietet das Business-Handy alles was derzeit verfügbar ist.
Highspeed USB-Anschluss für das schnelle Übertragen von PC-Dateien ist
ebenso dabei wie Bluetooth das sogar Stereo-Signale überträgt, HSDPA (Phase
II) und WLAN (802.11g). Der mitgelieferte Internet-Browser arbeitet äußerst
fix und kapituliert auch vor Flash-Dateien nicht - so steht dem Surfgenuss
gar nichts im Wege.
Und auch bei der Speicherkapazität zeigt sich Nokia
wirklich generös. Jedes N97 verfügt ab Werk über 32 (!) GB integrierten
Speicher, der sich via microSD-Card sogar auf 48 GB erweitern lässt. So
ausgestattet dürfte das Handy wirklich allen Ansprüchen gerecht werden.
Anwendungen (Internet/Navigation/Office)
Wie bereits erwähnt
wurde, verfügt das N97 über einen schnellen Browser und eine hervorragende
Bedienung. Diese beiden Eigenschaften machen das Handy zum unumstrittenen
Internet-König. Für den Aufbau einer "vollgestopften"
Seite braucht das N97 keine 20 Sekunden und die Eingaben oder Befehle werden
sofort ausgeführt. Das Zusammenspiel von manueller Tastatur und
Touchscreen-Display erhöhen den Surf-Komfort immens. Da sich das Display in
einem erhöhten Winkel zum Keyboard aufschiebt, hat man eine tolle Übersicht
und bekommt schon fast ein Netbook-Feeling. Ein "Doppel-Klick" auf
das Display genügt und die Ansicht wird vergrößert, scrollen kann man über
die Vier-Wege-Taste und URLs gibt man ganz bequem über die Tastatur ein.
Selten hat surfen mit einem Handy so viel Spaß gemacht.
Durch den integrierten GPS-Empfänger und der angebotenen Software kann man
das N97 auch als Navigationssystem verwenden. Für die ersten drei Monate
steht die D-A-CH Navisoftware-Lizenz jedem Käufer sogar kostenlos zur
Verfügung. Will man die Funktion aber nutzen, entstehen wie bei allen
Mobilfunkanbietern unterschiedlich hohe Kosten.
Als tolles Feature liefert Nokia bei jedem N97 das mobile Office
(Quickoffice) mit. Dadurch kann man am Computer erstellte Dokumente,
Tabellen oder Präsentationen direkt am Handy betrachten. Das gesamte Arsenal
- also das Paket mit dem man diese Dateien auch erstellen oder bearbeiten
kann - gibt es jedoch nur gegen Aufpreis. Für Geschäftsleute lohnt sich
diese Investition mit Sicherheit.
Technische Daten
Symbian S60 5.0 Betriebssystem
Netzstandard:
Quadband-GSM
3G-Standard: UMTS, HSDPA
Gewicht: 149g
Größe
(H/B/T): 117/55/18 mm
Prozessor: ARM 11; 434 MHz Taktfrequenz
Standby
GSM: 18 Tage laut Hersteller
Sprechzeit GSM 9,5 Stunden laut Hersteller
Sprechzeit
UMTS/HSDPA: 06:00 Stunden laut Hersteller
Display-Größe: 77 x 43 mm
Display-Auflösung:
360 x 640 Pixel
Integrierter Speicher: 32 GB (erweiterbar via
microSD-Card)
5 Megapixel-Kamera
Video-Kamera: 640 x 480 Pixel:
Kamera für Videotelefonie
Schnittstellen: Bluetooth, USB, WLAN
A-GPS
Empfänger
Eingabe via Touchscreen und manueller QWERTZ-Tastatur
Musik
Player: AAC, AAC+, AMR-NB, AMR-WB, AU, AWB, eAAC+, M4A, MIDI Tones (poly
64), Mobile XMF, MP3, MP4, RealAudio 7, 8, 10, RMF, SND, SP-MIDI, True
tones, WAV, WMA, WVE
Fazit
Das Nokia N97 konnte im Test in nahezu allen Disziplinen
voll überzeugen. Wirkliche Kritikpunkte gab es nicht oder sie lösten sich im
Laufe des Tests auf. Mit dem N97 hat Nokia die Latte für die Konkurrenten
ein ordentliches Stück höher gelegt. Egal ob Multimedia, Internet,
Foto/Video - dieses Handy kann es mit jedem Konkurrenten aufnehmen und
stellt die meisten sogar in den Schatten. Der größte Vorteil liegt im
Zusammenspiel von manueller Tastatur und dem Tochscreen-Display. Hat man
sich an diese spezielle Bedienung erst einmal gewohnt will man sie nicht
mehr missen. Auch wenn das G1 diese Kombination schon länger anbietet kommt
es an die hier zelebrierte Perfektion in keiner Weise ran. Unserer Meinung
nach hat Nokia mit dem N97 das erste hosentaschentaugliche Netbook
entwickelt und auf dem Markt gebracht.
Und mittlerweile schrecken auch die Kosten nicht mehr so ab (UVP: 699 Euro).
Im Internet erhält man vertragsfreie Geräte mittlerweile schon für rund 550
Euro - für die gebotene Leistung ein wirklich fairer Preis.