13. Juli 2009 08:58
Angefangen hat dieser Trend in Schweden. Dort wurde bereits vor mehr als
drei Jahren eine "Piratenpartei", die sich für den kostenlosen
Download von Musik und Videos aus dem Internet einsetzt, gegründet. Diese
Partei erreichte bei den Europawahlen vor wenigen Wochen mit 7,1 Prozent der
Stimmen (1 Mandat) einen beachtlichen Erfolg. In Deutschland gibt es
ebenfalls bereits eine Piratenpartei, diese wurde aber erst vor wenigen
Monaten gegründet und erreichte bei den Wahlen zum europäischen Parlament
nicht einmal ein Prozent (0,9) der Stimmen.
Schweiz als weiteres europäisches Land
In Zürich ist am
Sonntag die Piratenpartei Schweiz (PPS) gegründet worden - nach dem Vorbild
solcher Parteien in Schweden und Deutschland. An der Gründungsversammlung
nahmen 124 Personen teil. Der Aufbau der Partei erfolgte vor allem übers
Internet, "absolut transparent in einem öffentlich zugänglichen
Internetforum", wie die PPS in einer Mitteilung schreibt. Zum
Präsidenten wählten die "Piraten" den 24-jährigen
Informatikstudenten Denis Simonet.
Programm
Zu den Zielen der Partei gehören die Verteidigung des
Rechts auf Privatsphäre, die Reform des Urheberrechts und die Einschränkung
von "schädlichen Monopolen". Gefördert werden müsse der freie
Zugang zu Wissen, Kultur und Medien. Der Staat müsse transparenter werden,
und die Menschenrechte müssten ebenfalls gestärkt werden. Die Partei sieht
sich als Vertreterin der "Digitalen Generation", wie es in der
Mitteilung heißt.
Viele Politiker, die heute die politische Landschaft prägten, seien nicht
mit Computer und Internet aufgewachsen. Ihre Entscheidungen zu
Internet-Fragen basierten deshalb auf Aussagen von Gremien. Mangels Wissen
und Nähe zum Medium könnten sie diese nicht einschätzen und überprüfen. Die
Piraten wollen deshalb "neue, bessere Lösungen erarbeiten und diese in
die Politik einbringen".
Die Piratenpartei wehrt gegen einen "Überwachungs- und Zensurstaat",
der Schritt für Schritt aufgebaut werde. Als Beispiele erwähnt sie die in
zentralen Datenbanken gespeicherten biometrischen Daten sowie die
Telekommunikationsdaten, die vorsorglich und ohne Strafverdacht gesammelt
würden, damit Polizei und Nachrichtendienste jederzeit darauf zugreifen
könnten.
Reform des Urheberrechts
Überarbeitet werden müsse das
Urheberrecht, findet die PPS weiter. Es basiere auf Annahmen, die mit der
aktuellen digitalen Realität nicht vereinbar seien. Das heutige Urheberrecht
schütze die berechtigten Interessen der Kunstschaffenden nur lückenhaft und
sei eher ein "Verwertungsrecht für Verlage, Musik- und Filmvertreter".
Laut Präsident Denis Simonet will die PPS an einer ersten "Piratenversammlung"
nach den Sommerferien über die weiteren Aktivitäten entscheiden. Die Partei
sollte seiner Ansicht nach möglichst bald schon an einer kantonalen
Parlamentswahl teilnehmen.