Smartphone-Zulieferer im Erfolgsrausch

Einziger Lichtblick

Smartphone-Zulieferer im Erfolgsrausch

Die Chipindustrie schaut mit Neid auf die Smartphone-Zulieferer in den eigenen Reihen. Während nun auch die Branchengrößen Texas Instruments (TI) und STMicroelectronics den weltweiten Wirtschaftsabschwung zu spüren bekommen, schwimmen die Chipentwickler ARM und Dialog Semiconductor auf der Erfolgswelle einer Sonderkonjunktur. Der Boom von handlichen mobilen Kommunikationsgeräten beschert dem britischen Konzern und der schwäbischen Firma weiter günstige Aussichten.

Smartphones und Tablets immer beliebter
"Weltweit setzt sich der Trend zu Smartphones und Tablet-PCs in einem unverminderten Tempo fort", erklärte Dialog am Dienstag. "Der Markt bietet für uns die Chancen auf weiteres Wachstum", sagte Vorstandschef Jalil Bagherli im Reuters-Interview. Das Unternehmen aus Kirchheim/Teck entwickelt Halbleiter, die unter anderem in Apples Verkaufsschlager iPhone eingesetzt werden.

Bei ARM boomt das Geschäft
Dasselbe gilt für ARM. Wie Dialog gaben die Briten kräftige Umsatz- und Gewinnsteigerungen für das abgelaufene Quartal bekannt. Doch die allgemeine Branchenabschwächung geht an beiden nicht spurlos vorüber. Dialog-Chef Bagherli verwies auf den anhaltenden Preisdruck, der die Renditen unter Druck setze. ARM-Finanzchef Tim Score sagte: "Das niedrige saisonale Wachstum in der Halbleiterindustrie im dritten Quartal könnte auch die Lizenzgebühren von ARM im vierten Quartal beeinträchtigen. Aber wir haben einen hohen Auftragsbestand und eine weiter starke Nachfrage im Lizenzgeschäft."

Auf ein solches Polster können die Chiphersteller TI und STMicro - beides Fertigungspartner von ARM - nicht setzen. Bei ihnen ist der weltweite Konjunkturabkühlung bereits angekommen: Im dritten Quartal gingen die Erlöse spürbar zurück, die Gewinne brachen ein. Den Absatz von Smartphone-Chips bezeichnete TI zwar als solide. Die Nachfrage aus Auto-, Computer- und Konsumelektronikindustrie sei hingegen schwächer als erwartet. Vor nachlassenden Bestellungen hatten bereits Halbleitergrößen wie der deutsche Infineon-Konzern, US-Konkurrent Fairchild Semiconductor und der niederländische Chipausrüster ASML gewarnt.

Kunden sind zurückhaltend
Verunsichert von der europäischen Schuldenkrise und der hohen Arbeitslosigkeit in den USA halten sich viele Kunden derzeit mit Orders zurück. Dies trifft auch den bayerischen Kleincomputerhersteller Kontron , der nun in die Moll-Töne einstimmte. Die Produkte der Firma werden in Fahrkartenautomaten, Rüstungstechnik und der Bahnsteuerung benötigt. Dort setzen Kontron mittlerweile Verschiebungen oder Stornierungen finanzschwacher öffentlicher Auftraggeber zu.

Die Technologiebranche hofft daher besonders auf den Konsum. Doch ob die von den jüngsten Krisen verschreckten Verbraucher im Weihnachtsgeschäft das große Geld ausgeben, ist offen.

Gegen den Branchentrend stach zuletzt Chip-Primus Intel mit einem optimistischen Ausblick hervor. Der Konzern kann zwar von der Goldgräberstimmung im Smartphone-Geschäft bisher nicht profitieren, sich aber auf seine breite Präsenz auf dem Weltmarkt verlassen. Florierende Umsätze in Schwellenländern wie China und Südamerika wetzen so manche Scharte andernorts aus.

Einen Hoffnungsschimmer verbreitet nun auch der Texas-Instruments-Konzern, der im September den heimischen Rivalen National Semiconductor für 6,5 Mrd. Dollar übernommen hatte. TI-Finanzchef Kevin March sagte, der Nachfragerückgang beginne sich abzuschwächen und den Boden zu erreichen. Analysten sind jedoch skeptisch. "Wie alle Halbleiterunternehmen haben auch sie eine sehr geringe Sichtweite", sagte Edward Snyder von Charter Equity Research. Sein Ausblick für die Branche lautet: "Die Zukunft sieht nicht so toll aus."

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