So gut ist der

Betriebssystem-Test

© Apple

So gut ist der "Snow Leopard" (Mac OS X)

Auf den ersten Blick hat sich nicht viel getan: Die neue Version des Mac-Betriebssystems mit der Bezeichnung Snow Leopard behält die grafische Oberfläche des Vorgängers weitgehend bei. Bemerkenswert sind aber die Verbesserungen in den Tiefen des Systems: Der Snow Leopard ist in der Bedienung spürbar schneller und schlanker als bisher. Mit der Unterstützung für die Mail-Technik Exchange von Microsoft will Apple einen weiteren Anreiz bieten, um Windows den Rücken zu kehren.

Schnelle Installation
Die Installation ist eine Sache von etwa 50 Minuten und einem Neustart. Ein älteres System wird so aktualisiert, dass alle bestehenden Programme und Dokumente erhalten bleiben. Nach dem Update stehen auf einmal zwölf Gigabyte mehr Platz zur Verfügung als vorher - der Snow Leopard gibt sich mit deutlich weniger Platz auf der Festplatte zufrieden.

Mehr Funktionen bei geringeren Hardware-Anforderungen - das könnte die Maxime für den künftigen Trend in der Entwicklung von Betriebssystemen sein. Das Vorbild dafür findet Apple im eigenen Haus: Das Betriebssystem fürs iPhone ist ein aufs Wesentliche reduziertes Mac OS X. Nachdem das iPhone schon seit einem Jahr mit der vor allem in Unternehmen üblichen Exchange-Mail zurechtkommt, bringt jetzt der Snow Leopard diese Möglichkeit auf iMac, MacBooks, Mac Mini und Mac Pro.

Exchange kompatibel, aber mit Einschränkungen
Sofern der Web-Server Exchange 2007 versteht, ist das entsprechende E-Mail-Postfach mit wenigen Mausklicks hinzugefügt. Dazu muss man nur die E-Mail-Adresse und das Passwort angeben, alles Weitere erledigt eine "Autodiscover"-Funktion. Auch Adress- und Kalenderdaten können zwischen dem Outlook im Büro und den entsprechenden Mac-Programmen Adressbuch und iCal daheim abgeglichen werden.

Keine Verbindung gibt es jedoch zu Mail-Servern, die noch auf dem Stand von Exchange 2003 sind - und das ist nach wie vor bei vielen Unternehmen der Fall. Da das iPhone auch mit solchen Servern kommunizieren kann, sollten sich die Mac-Entwickler das mobile System noch mal anschauen und die entsprechende Unterstützung ins nächste Update einbauen.

Auch fehlen bisher noch Exchange-Sonderfunktionen wie das Einrichten einer Abwesenheitsnotiz. Ingesamt aber ist das Mac-Programm Mail allemal flotter als die zähe E-Mail-Anwendung Entourage, die Microsoft bisher für den Mac anbietet. Für die nächste Office-Version auf dem Mac hat Microsoft denn auch unlängst angekündigt, Entourage durch eine Mac-Version von Outlook zu ersetzen.

64-Bit-Version bringt Vorteile
Die zum Betriebssystem gehörende Software läuft jetzt zum größten Teil im 64-Bit-Modus. Davon profitieren alle Mac-Anwender, deren Rechner entweder einen Intel-Prozessor mit mindestens zwei Prozessorkernen oder einen Arbeitsspeicher von mehr als vier Gigabyte hat. Denn 64-Bit-Anwendungen können diesen größeren Arbeitsspeicher sinnvoll nutzen. Und der Prozessor benötigt weniger Schritte, um Arbeitsanweisungen der 64-bit-Programme auszuführen.

Das höhere Tempo ist besonders bei rechenintensiven Programmen spürbar wie dem Media Player Quicktime. Im neuen Betriebssystem hat Quicktime einige Funktionen der bisher kostenpflichtigen Pro-Version dieser Software übernommen und kann jetzt etwa Filme aufzeichnen. Für Schulungszwecke interessant ist die "Bildschirmaufnahme": Damit lassen sich alle Schritte am Computer aufzeichnen und als Film speichern.

Einfaches Back-up
Deutlich verbessert präsentiert sich jetzt auch die Backup-Lösung Time Machine. Die Sicherung der Daten ist nicht nur über eine aufwendige 3D-Animation zu erreichen, sondern wird auch als einfacher Dateiordner auf dem Schreibtisch angezeigt. Behoben wurden die Schwierigkeiten bei der Verbindung mit einer drahtlos angeschlossenen Time Capsule.

Benutzeroberfläche: "Evolution statt Revolution"
Nur kosmetische Verbesserungen gibt es für die grafische Benutzeroberfläche. Das liegt wohl auch daran, dass der Mac-Desktop bisher schon von vielen als bestes Design für diese entscheidende Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine betrachtet wird. Das Expose-Konzept für die übersichtliche Anzeige von geöffneten Fenstern bringt der Snow Leopard jetzt ins Dock, also in die zentrale Steuerungsleiste am unteren Bildschirmrand. Drückt man mit der Maustaste auf das Symbol einer geöffneten Anwendung, erscheinen alle zu diesem Programm geöffneten Fenster.

Verfeinert wurde auch das vom Vorgänger Leopard eingeführte Stapel-Konzept: Mit dieser Alternative zum Datei-Manager des Finders kann man nun auch durch mehrere Verzeichnisebenen navigieren. Der Mausklick auf eine Datei öffnet diese in der Standardanwendung - oft ist dies das schnelle Allround-Programm Vorschau, das jetzt vor allem im Umgang mit PDF-Dokumenten dazugelernt hat.

Die meisten anderen Anwendungen, die bisher unter Leopard liefen, kommen auch mit der neuen Version zurecht. Einige Programme, die für die alte PowerPC-Plattform konzipiert wurden, erfordern allerdings das Hilfsmittel "Rosetta". Dazu gehört etwa die Homebanking-Software MacGiro. Ansonsten gab es im Test kleinere Probleme etwa im Workflow mit Aperture, der Bildverwaltungssoftware von Apple. Dies sollte mit einem der nächsten Updates zu beheben sein. Keinen Empfang mehr gibt es für das DVB-T-Fernsehen mit dem Programm EyeTV in der Version 2.5 - kompatibel mit dem Snow Leopard ist erst die aktuelle Version 3.1.

Günstige Preise
Von solchen Anlaufschwierigkeiten abgesehen ist der Umstieg durchaus empfehlenswert. Für Mac-User, die bisher den Leopard einsetzen, kostet das Update 29 Euro; eine Familienlizenz für bis zu fünf Rechner gibt es für 49 Euro. Wer noch ein älteres System als Leopard hat, muss den vollen Preis von 169 Euro für ein Paket zahlen, das die aktuellen Versionen der Anwendungsprogramme iLife und iWork mit einschließt. Dabei ist aber zu beachten, dass sich der Snow Leopard nur auf Macs mit Intel-Prozessoren niederlässt; ältere Macs werden nicht mehr unterstützt.

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