Sonderthema:
So leicht kann jeder Ihr Handy abhören

ÖSTERREICH-Test

So leicht kann jeder Ihr Handy abhören

Die Spähaffäre um den US-Geheimdienst schlägt Wellen. Auch Kanzler Werner Faymann kann eine Abhörattacke nicht ausschließen. Wie schwierig ist es, ein Mobiltelefon abzuhören? ÖSTERREICH hat den Test gemacht und traf sich mit Datenschützer Georg Markus Kainz vom Verein Quintessenz. „Jeder kann Handys abhören – kinderleicht.“ ÖSTERREICH dokumentiert 2 Möglichkeiten der Spionage.

  • Versuch 1: Abhören für Amateure: Man braucht einen Computer und das Handy, das man belauschen möchte. Der Datenschützer lädt innerhalb von 10 Sekunden eine gratis Abhör-App (leicht über Google zu finden) auf dem Handy herunter.
  • Die App fragt nach, an welche E-Mail-Adresse die Daten geschickt werden sollen. Das war’s schon: Jetzt wird der IT-Experte per Mail benachrichtigt, mit wem das Handy telefoniert oder SMS schreibt. Kainz kann sich sogar ganze Inhalte schicken lassen.

Spionage-Ausrüstung 
um nur 25 Euro

  • Versuch : Spionage für Profis. Werkzeug: Computer, Kabel und zwei alte Handys (Motorola-Handy um je 25 Euro).
  • Markus Kainz verbindet die Telefone mit dem Laptop. Mit einer Software manipuliert der Datenschützer ein Handy zum Empfangsgerät um.
  • Jetzt kann er auf sämtliche Mobiltelefone in der Nähe zugreifen und einzelne Telefonate mithören. Der Computer speichert alles. Achtung: Die unbefugte Nutzung ist illegal.
  • Wenn es so einfach ist, kann man dann überhaupt abhörsicher telefonieren? Der Experte meint: „100 % sicher ist ein Handy nie.“ Aber: man kann eine Verschlüsselungskarte benutzen (Kosten: 2.500 Euro). Anrufe werden verschlüsselt gesendet. Problem: Auch der Gesprächspartner braucht dieses System.

(abs)

Kanzler verweigert sicheres Telefon

Trotz weltweiter Spionage-­Affäre nutzt Werner Faymann weiterhin sein Privat-Handy.

Während rund um den Globus die Wogen wegen der Abhöraffäre hochgehen, bleibt es in Österreich weitgehend ruhig. Der Grund: „Bisher haben wir keine Hinweise darüber, dass einer ­unserer Politiker abgehört wurde“, heißt es auf ÖSTERREICH-Anfrage aus dem Verteidigungsministerium. Und dabei wäre das offensichtlich gar nicht so schwer.

Krypto-Handys: Langsam und miese Sprachqualität
Denn auch wenn im Bundeskanzleramt abhörsichere Krypto-Handys zur Verfügung stehen, nutzt Regierungschef Werner Faymann (SPÖ) diese nur selten. „Die Nutzung der Krypto-Handys ist komplizierter, der Kanzler nimmt meist lieber eines seiner anderen Telefone“, so Sektionschef Manfred Matzka.

Hintergrund: Die Sprachqualität ist bei den Krypto-Handys durch die Verschlüsselung sehr schlecht, es gibt Verzögerungen bei der Übertragung, und: Auch derjenige, den man anruft oder dem man eine SMS schreibt, braucht ein Krypto-Handy. Für viele Politiker (neben Werner Faymann auch Angela Merkel) ist das viel zu umständlich.
Zwar gibt das heimische Innenministerium Tipps zur Handywahl. Aber: Letztendlich kann jeder Politiker selbst wählen.

D. Müllejans

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