27. Juli 2010 10:11
Besitzer des Apple iPhone in den Vereinigten Staaten dürfen ihre Handys ohne
schlechtes Gewissen knacken, um fremde Software zu installieren. Der
zuständige Leiter der Bibliothek des US-Kongresses hat das sogenannte
"Jailbreaking" am Montag erlaubt. Für Apple ist das eine Schlappe, verliert
der Konzern dadurch doch die volle Kontrolle über die kleinen
Zusatzprogramme, die einen guten Teil des iPhone-Erfolgs ausmachen.
Der Kongressbibliothekar überwacht, ob die scharfen Urheberrechtsgesetze in
den USA nicht einen Schritt zu weit gehen. Sollte das im Einzelfall
passieren, kann er eine Ausnahme machen - wie jetzt namentlich beim iPhone
und anderen Smartphones. Damit können Nutzer, die ihr Handy geknackt haben,
nicht mehr vom Unternehmen belangt werden. Wohl aber laufen sie weiterhin
Gefahr, ihre Garantie zu verlieren.
Schutz oder Wettbewerbsbehinderung?
Apple hat die Hand auf den
Zusatzprogrammen, den sogenannten Apps. Die Nutzer dürfen nur solche Apps
auf ihr Handy laden, die der Konzern vorher genehmigt hat und in seinem
App-Store anbietet. Apple begründet seine Haltung damit, die Nutzer vor
schadhafter Software oder Betrug schützen zu wollen. Verbraucherschützer
sehen in der Praxis eine Wettbewerbsbehinderung und Gängelung der Kunden.
Dass Apples Vorgehen keinen absoluten Schutz bietet, hatten mehrere
Vorkommnisse in der jüngeren Vergangenheit gezeigt: Erst am Montag wurde
öffentlich, dass die Citigroup ihre iPhone-App wegen eines Sicherheitslecks
aus dem Verkehr ziehen muss. Das Programm speichert persönliche Daten wie
die Kontonummer oder Passwörter auf dem Handy. Zu einem Missbrauch ist es
nach Angaben der Bank aber nicht gekommen.