27. August 2010 09:07
© TZ ÖSTERREICH/Kernmayer
Das beliebtestete Videoportal der Welt fördert nach einer Medizinstudie das
Rauchen bei jungen Leuten. Nach ihrer Verbannung aus Fernsehen, Kino und von
den Plakatwänden vermittelten vor allem Werbeklassiker wie der
Marlboro-Cowboy über diese Hintertür ein positives Bild vom Rauchen, warnen
neuseeländische Wissenschafter in ihrer am Donnerstag (Ortszeit)
veröffentlichten Studie. Sie forderten YouTube
auf, gegen die Verbreitung dieser Bilder vorzugehen.
Verbote greifen nicht
Für ihre in der britischen Zeitung "Tobacco
Control" veröffentlichte Studie untersuchten die Forscher der
University of Otago in Wellington Video-Clips,
in denen fünf der bekanntesten Zigarettenmarken auftauchten. Neben
inzwischen in vielen Ländern längst verbotener Werbung entdeckten sie
Unmengen alter Filmszenen mit rauchenden Stars oder Ausschnitte von
Sportereignissen, die von der Tabakindustrie gesponsert wurden.
Mit Hilfe der Kategorie "Most Viewed" wählten sie dann 169 Clips
aus und analysierten sie: 71 Prozent vermittelten demnach ein positives Bild
vom Rauchen und vier Prozent ein negatives Bild - die restlichen 25 Prozent
waren eher neutral. Die Wissenschafter kommen zu dem Ergebnis, dass die
Tabakindustrie von dem "Marketing-Potenzial des Web 2.0" besonders
profitiert - ohne "Gefahr zu laufen, Gesetze oder Werbe-Richtlinien"
zu brechen.
Löschung der Clips gefordert
Die Forscherin Lucy Elkin rief
die Betreiber des Video-Portals dazu auf, Rauchen in die Liste von Merkmalen
aufzunehmen, bei denen Clips gelöscht werden können, die Nutzer als "unangemessen"
melden. Die Tabakunternehmen selbst hätten entweder keine Kenntnis von den
raucherfreundlichen Videos "oder es kümmert sie nicht", sagte
Elkin. Zumindest in den Fällen, in denen es sich eindeutig um "ihre
Eigentum handelt", sollten sie jedoch von YouTube verlangen, die Clips
wegen Verletzung des Urheberschutzes zu löschen, riet sie.
Konzerne wehren sich
Sprecher der betroffenen Konzerne
versicherten, keine Werbung über YouTube oder andere soziale
Internet-Netzwerke zu betreiben. YouTube selbst reagierte zunächst nicht auf
die Studie.