04. März 2010 10:14
Geht es nach Automobilindustrie und IT-Branche, steht das Internet auf vier
Rädern vor dem Durchbruch. Das Auto sei der "letzte weiße Flecken" des
Internets, sagte Conti-Manager Ralf Lenninger. Um den zu schließen, arbeitet
Conti mit der Deutschen Telekom am System "AutoLinQ", das auf der IT-Messe
CeBIT in Hannover präsentiert wurde. Das Ziel: Das Internet und
spezielle Anwendungen für Autofahrer sollen als Serienausstattung in alle
Fahrzeugklassen gebracht werden, bisher gebe es Infotainment-Dienste
ausschließlich in Oberklassewagen.
Spezielle Apps für Autos
Für die Miniprogramme - im
Branchenjargon "Apps" - wurde ein "Cockpit-Computer" entwickelt, der das
Google-Betriebssystem Android nutzt. So gibt es Apps für Musiksuche und
Nachrichten, die dem Fahrer unterwegs vorgelesen werden, wie auch neu
angekommene E-Mails. Diese könne der Autofahrer per Sprachaufnahme auch
gleich beantworten - ohne dafür die Hände vom Steuer und den Blick von der
Straße nehmen zu müssen.
Der Netzwerkausrüster Alcatel-Lucent zeigte auf der CeBIT eine Konzeptstudie
- das "Smartphone auf Rädern" soll über den neuen Mobilfunkstandard LTE
unterwegs mit dem Internet verbunden werden. "Zukünftig wird das Automobil
selbstverständlicher Bestandteil der vernetzten Welt sein", sagte der
Deutschlandchef von Alcatel-Lucent, Alf Henryk Wulf.
Entwicklung hat erst begonnen
Doch Branchenexperten sehen die
Entwicklung erst am Anfang. "Die Idee des fahrenden Büros hat sich bisher
nicht durchgesetzt", sagte Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive
an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach.
Es komme darauf an, dem Autofahrer zielgerichtete Angebote zu machen, die
einen echten Nutzwert hätten, sagte ADAC-Verkehrsexperte Johann Nowicki.
Denn: "Internet im Auto ist nicht umsonst." Und Ulrich Chiellino,
Verkehrspsychologe des ADAC, sagt: "Der Autofahrer könnte unterschätzen,
dass er die volle Aufmerksamkeit für das Autofahren braucht." Internet an
Bord könnte zu Ablenkungen führen, die Unfallgefahr könnte dadurch steigen.
Grundsätzlich sei zu fragen, welche zusätzlichen Anwendungen der Autofahrer
wirklich brauche: Sind dies auch die aktuellen Börsendaten?
Nach dem Willen der Industrie aber sollen im "IT-Auto" der Zukunft iPhone,
Apps und Konsorten zum Standard gehören. Besonders weit ist Ford. Der
US-Autobauer hat bereits die zweite Generation seines Sync-Systems am Start.
Dieses bindet Handys, Notebooks und MP3-Spieler in die Bordelektronik ein.
Microsoft ist mit dabei
Die IT-Giganten treiben die Entwicklung
voran. Der weltgrößte Software-Konzern Microsoft ist dabei besonders
umtriebig. So verhalf er jüngst dem südkoreanischen Autobauer Kia zu dessen
Kommunikationssystem UVO, das Ende des Jahres in die ersten Modelle
eingebaut werden soll. Auch Fords Sync basiert auf Microsoft-Technologie.
Weitere Partner sind Fiat und Conti.
Bei Europas größtem Autobauer Volkswagen arbeiten die Ingenieure derzeit
unter anderem daran, verschiedene Multimedia-Handys mit der
VW-Bordelektronik auf eine Wellenlänge zu bringen - ab Sommer zum Beispiel
auch das iPhone von Apple. Das können die Fahrer dann steuern, ohne die
Hände vom Lenkrad zu nehmen. Die Software bezieht der Autobauer dabei von
den Handy-Herstellern - die Einbindung übernimmt er selbst. "Wir machen das
selbst", sagte ein Sprecher. Ein Grund seien die unterschiedlichen
Produktzyklen. Ein Handy halte sich ein halbes Jahr auf dem Markt - ein
Automodell aber sechs Jahre.