01. März 2010 09:02
Mit der Hoffnung auf einen Aufwärtstrend in der Hightech-Branche startet am
Montag die weltgrößte
IT-Messe CeBIT in Hannover. Sie wird am Abend von der deutschen
Kanzlerin Angela Merkel und dem spanischen Ministerpräsidenten José Luis
Rodríguez Zapatero offiziell eröffnet. Spanien ist Partnerland der
diesjährigen CeBIT.
Zahl der Aussteller sinkt
Bis Samstag stellen rund 4.150
Unternehmen aus 68 Ländern ihre Produkte und Neuheiten aus. Damit verlor die
CeBIT nach einem kräftigen Einbruch im Wirtschaftskrisenjahr 2009 weitere
Aussteller. Im vergangenen Jahr war die Ausstellerzahl auf rund 4.300
gefallen - von mehr als 5.800 Unternehmen im Jahr 2008.
Für das Publikum öffnet die Messe am Dienstag. Der Schwerpunkt der CeBIT
2010 heißt "Connected Worlds" - mit Hilfe des Internet
vernetzte Welten. Zu weiteren große Themen zählen das schnelle mobile
Internet, IT-Sicherheit, Verkehrstelematik und umweltfreundlichere
Informationstechnik. Daneben gibt es zahlreiche Kongresse und Sonderschauen.
Mit der CeBIT Sounds! wird diesmal eine eigene Musikmesse veranstaltet, die
Unternehmen aus dem Musikgeschäft und der Technologiebranche zusammenführen
soll.
Kanzlernin unterstreicht die Wichtikgkeit der Messe
Merkel
unterstrich in ihrem Internet-Podcast am Wochenende die Bedeutung der CeBIT.
Die Messe sei wichtig, weil sie auf der einen Seite die neuen technischen
Möglichkeiten der weltweiten Kommunikation beleuchte, auf der anderen Seite
seien die Computertechnologie und die Informations- und
Kommunikationstechnologie ein Wachstumsmarkt erster Größenordnung.
Die CeBIT verliert jedoch schon seit Jahren Aussteller. Unter anderem hat
das mit dem Aufstieg spezialisierter Messen zu tun. So gehen Unternehmen der
Unterhaltungselektronik bevorzugt zur Funkausstellung IFA in Berlin oder der
Consumer Electronics Show in Las Vegas. Als wichtigster Treff der
Telekommunikationsbranche hat sich fest der Mobile World Congress in
Barcelona etabliert.
Im vergangenen Jahr schrumpfte die Ausstellungsfläche um ein Fünftel auf
etwa 200.000 Quadratmeter. Die Zahl der CeBIT-Besucher brach um ebenfalls
knapp 20 Prozent auf etwa 400.000 ein.
Neuausrichtung war erfolgreich
Die Deutsche Messe AG als
CeBIT-Veranstalterin hatte auf sinkende Ausstellerzahlen und die wachsende
Bedeutung konkurrierender Veranstaltungen bereits vor zwei Jahren reagiert
und die IT-Messe grundlegend umgebaut. Die CeBIT wurde mehr als "Profimesse"
für Fachbesucher ausgerichtet. Die Messekosten für die Aussteller wurden
gesenkt, die Dauer der CeBIT verkürzt. In diesem Jahr dauert sie nur noch
fünf Tage, der CeBIT-Sonntag fällt weg.
Die Messe betont, dass etwa 300 Aussteller zum ersten Mal in Hannover
vertreten seien, darunter Schwergewichte wie der Internet-Konzern Google und
der weltgrößte Online-Einzelhändler Amazon. Google buchte eine Aktionsfläche
und will dort über den derzeit heftig umstrittenen Straßenbild-Dienst
"Street View" informieren. Der Suchmaschinen-Spezialist will demnächst im
Detail aufgenommene Straßenzüge auch deutscher Städte online zeigen.
"Diejenigen, die finden, dass dies ein Eingriff in ihre private Sphäre ist,
können von ihrem Widerspruchsrecht Gebrauch machen", sagte Merkel dazu in
ihrem Podcast. Das Verbraucherschutzministerium habe dafür auf seiner
Internetseite einen Musterbrief vorbereitet.
Die deutsche Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hatte Google in
den vergangenen Wochen unter anderem wegen "Street View" wiederholt in
scharfen Worten vorgeworfen, die Privatsphäre der Bürger zu verletzen. Sie
forderte engere gesetzliche Grenzen für den Straßenbilder-Dienst, zum
Beispiel strengere Regeln für die Verfremdung der Bilder, gegen die
Widerspruch eingelegt wird.
Der Präsident des IT-Verbands Bitkom, August-Wilhelm Scheer, kritisierte in
diesem Zusammenhang die Internetpolitik der deutschen Regierung. Auf der
einen Seite durchlöchre der Staat mit Vorratsdatenspeicherung und
Online-Durchsuchungen die Privatsphäre der Bürger. "Gleichzeitig drischt die
Verbraucherschutzministerin auf Google ein, weil es angeblich die
Privatsphäre verletzt. Das passt nicht zusammen", monierte Scheer im
Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Aigner agiere als "Scharfmacherin gegen
das Internet". Deutschland bekomme dadurch "das Image des bürokratischen
Spielverderbers und ständigen Blockierers".