Handy und Internet in EU ab sofort billiger

Deutliche Absenkung

Handy und Internet in EU ab sofort billiger

Wie an dieser Stelle angekündigt, hat die EU-Kommission pünktlich zum 1. Juli 2014 und somit zum Start der Urlaubssaison eine weitere Absenkung der Auslandstarife für mobiles Telefonieren und Datenabfrage angeordnet. Das ist der achte Preisschritt nach unten, wie das Vergleichsportal Verivox ausgerechnet hat. Die Tarife für abgehende Telefonate von einem EU-Land ins andere fallen auf 19 Cent, plus Mehrwertsteuer. Ankommende Gespräche kosten nur noch 6 Cent (siehe Tabelle).

Deutliche Reduzierung
Die Textnachrichten SMS verbilligen sich auf ebenfalls 6 Cent und die Preise im mobilen Datenverkehr gehen fast in den freien Fall über: Für ein Megabyte - das ist etwa ein Skype-Anrufe von einer Minute ins Festnetz - halbiert sich der Preis auf 20 Cent plus Mehrwertsteuer. Und die Kosten für das Roaming, das Herumwandern durch andere Netze im Ausland, werden weiter sinken und Telefonieren, Surfen und Datenversand verbilligen.

Neue Preise im Vergleich

Gespräche und Daten                1. Juli 2013  1. Juli 2014
Eigene Anruf pro Minute              0,24 Euro            

0,19 Euro

Angenommene Anrufe pro Minute        0,07 Euro             

0,05 Euro

Datendienste pro/MB                  0,45 Euro              0,20 Euro
SMS ausgehend                        0,08 Euro            

0,06 Euro

SMS eingehend                        kostenlos kostenlos

(Die angegebenen Preise sind Obergrenzen und Nettogrößen (ohne Mehrwertsteuer). Die Anbieter können davon nach unten abweichen. Quelle: Europäisches Verbraucherzentrum Deutschland)

Fragen zu den niedrigeren Roaminggebühren 1/6
Was ist "Roaming" überhaupt? Das Wort stammt aus dem Englischen und bedeutet "umherwandern": Wenn ein Verbraucher im EU-Ausland telefoniert, wandert er in ausländischen Mobilfunknetzen umher. Für die Weiterleitung von Gesprächen und Daten verlangen die Anbieter daher Roaming-Gebühren. Noch 2012 machten sie damit 5 Mrd. Euro Umsatz.
Was ändert sich ab 1. Juli? Ab diesem Stichtag gelten neue gesetzliche Obergrenzen - zum achten Mal seit 2007. Ein Anruf aus dem europäischen Ausland kostet dann maximal 19 statt 24 Cent pro Minute plus Mehrwertsteuer. Eingehende Anrufe verbilligen sich um 28,5 Prozent von 7 auf 5 Cent pro Minute und der SMS-Versand sinkt um 25 Prozent von 8 auf 6 Cent.
Was ist neu beim Internet-Surfen im Ausland? Die Anbieter dürfen maximal 20 Cent vor Steuern (statt 45 Cent) pro Megabyte Datenvolumen verlangen. Erst seit Sommer 2012 gibt es solche Grenzen, vorher zahlte ein Nutzer oft bis zu 4 Euro. Ein Megabyte entspricht 100 Mails ohne Anhang, knapp einer Stunde Internet-Surfen oder einer Minute Musik-Download im MP3-Format.
 
Was bekommt der Verbraucher ab 1. Juli für 10 Euro? Die EU-Kommission rechnet vor: Wer 10 Euro an Roaming-Kosten zahlt, kann auch im Urlaub den Kontakt mit Freunden und Familie halten und sich etwa über die Fußball-WM informieren. Für diesen Betrag kann ein Verbraucher zum Beispiel drei Fotos hochladen, 10 Minuten Nachrichten lesen, eine halbe Stunde auf Facebook verbringen, einen Blick auf den Wetterbericht per App werfen, eine Weltmeisterschafts-App herunterladen und auf YouTube ein Video mit den besten Toren sehen.
Wann soll ganz Schluss sein mit den Auslandsgebühren? Am 15. Dezember 2015. EU-Kommissarin Neelie Kroes sagt: "Ich bin zuversichtlich, dass diese Gebühren vor Weihnachten 2015 für immer wegfallen werden." Sie hatte zunächst Sommer 2016 vorgeschlagen, doch das Europaparlament forderte den früheren Termin. Nun müssen sich die EU-Staaten noch einigen - was Kroes bis zum Jahresende erwartet.
Und wie sieht es aus beim Telefonieren außerhalb der EU? Für Übersee oder Asien gelten die Regeln nicht. Die EU kann ihre Gesetzgebung nämlich nicht auf außereuropäische Länder anwenden. Gleiches gilt auch für Länder wie die Schweiz oder die Türkei.
 

EU-Kommissarin Neelie Kroes hat dabei ein festes Ziel vor Augen: Die mobile Kommunikation in einem EU-Land soll nicht teurer sein als im Heimatland. So werden sich die Tarife in der EU in wenigen Jahren den Inlandstarifen annähern, meinen Experten - das wäre dann Binnenmarkt pur. Ende kommenden Jahres, so die Pläne der Kommission, die inzwischen auch vom EU-Parlament abgesegnet wurden, sollen die Extrakosten gänzlich entfallen.

Keine Schockrechnungen mehr
Für die Fans der digitalen Kommunikation sind sinkende Roamingpreise eine gute Nachricht. Viele Jahre scheffelten die Netzbetreiber aus den EU-Tarifen Erlöse in Milliardenhöhe. Die Intransparenz und das Tarifwirrwarr brachte so manchem Urlauber am Ende der Ferien ein böses Erwachen. "Diese Schockrechnungen gibt es aber nicht mehr", sagt Thomas Bradler von der NRW-Verbraucherzentrale. In Europa seien die Verbraucher inzwischen gut geschützt. Vor ein paar Jahren deckelte die EU die Kosten bei 60 Euro. Wird das Limit erreicht, muss der Betreiber den Kunden per SMS informieren.

Außerhalb der EU bleibt es teuer
Doch in andere beliebte Reiseländer wie Schweiz, Türkei oder Südostasien gelten andere Bedingungen. Langes Telefonieren und ausgiebiges Surfen können hier Löcher in die Geldbörse schlagen. Verbraucherschützer wie Bradler empfehlen ohnehin jedem Reisenden, sich vor einem Urlaubsantritt beim Betreiber zu informieren, welche Telefon- und Internetkosten die Nutzung eines Handys gegebenenfalls verursachen kann.

Eine der größten Kostenfallen ist das Smartphone selbst: Die Geräte aktualisieren nämlich im Hintergrund und ohne Wissen des Nutzers oft Anwendungen oder führen Updates durch. Und das frisst Megabytes. Aber auch da weiß Bradler eine Antwort: In der Option Einstellungen der Geräte die mobile Datenoption deaktivieren und E-Mail, Internet, Whatsapp & Co nur in WLAN-Netzen nutzen.

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