28. Jänner 2010 11:52
Das
iPad ist mehr als ein neues schickes Spielzeug für die Fans des
angebissenen Apfels. Mit dem flachen Tablett-Computer steigt Apple in das
Geschäft mit E-Books ein, das nach langer Anlaufzeit jetzt langsam in Fahrt
kommt.
Bisher sind die "E-Book-Reader" hoch spezialisierte kleine Geräte,
die ihre Texte auf einem besonderen Bildschirm anzeigen. Dabei kommt meist
eine als E-Ink ("elektronische Tinte") bezeichnete Technik zum
Einsatz, die kaum Strom verbraucht. Für die Darstellung von Fotos oder gar
Videos ist dieses Display weniger gut oder gar nicht geeignet, zumal es
bisher nur Graustufen anzeigen kann.
Jobs würdigt Pionierarbeit von Amazon
Apple-Vorstandschef
Steve Jobs würdigte zwar die "großartige Pionierleistung"
von Amazon mit seinem vor allem in den USA erfolgreichen E-Book-Reader
Kindle. Das für Ende März angekündigte iPad geht aber einen anderen Weg. Es
ist mit einer Bildschirm-Diagonalen von 9,7 Zoll ebenso groß wie der Kindle
DX von Amazon, übernimmt jedoch vom iPhone das "kapazitive
Multi-Touch Display" mit der vollen farbigen Darstellung.
Ein weiterer Vorteil könnte der schnelle 1-GHz-Prozessor (namens A4) sein,
eine neuartige Eigenentwicklung mit der Bezeichnung Apple A4. Dieser
verspricht ein deutlich schnelleres Umblättern von Buchseiten als mit den
bisherigen Geräten etwa des Amazon-Konkurrenten Sony. Ein Nachteil gegenüber
den bisherigen E-Book-Readern ist die kürzere Batterielaufzeit - Apple nennt
eine Betriebszeit von zehn Stunden und verspricht "eine typische
Lebensdauer" des fest eingebauten Akkus von fünf Jahren. Die
Konkurrenten wie Barnes
& Noble, txtr
und Sony
können sich auf jeden Fall schon einmal "warm anziehen"
Zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten
Das iPad ist nicht auf
E-Books beschränkt, sondern beherrscht nahezu alle weiteren Funktionen eines
Computers. Bei Auslieferung sind zwölf iPad-Anwendungen auf dem Gerät
installiert, die unter anderem das Internet und die E-Mail auf das 1,3
Zentimeter flache Gerät bringen. Für Textbearbeitung, Tabellen und
Präsentationen hat Apple eine angepasste Version seines Office-Pakets iWork
entwickelt. Und dann laufen auf dem iPad auch fast alle der mehr als 140.000 "Apps",
die für das iPhone entwickelt wurden.
Diese liegen im "App Store" bereit, dem zweiten ungewöhnlich
erfolgreichen Online-Shop von Apple nach dem iTunes-Store für Musik und
Videos. Jetzt kommt ein dritter Download-Shop hinzu, der iBook Store. Dort
stellen zunächst fünf Verlagsgruppen ihr Angebot an E-Books bereit: Penguin,
Simon & Schuster, HarperCollins, die Hachette Book Group und Macmillan.
Das werden zunächst vor allem englischsprachige Titel sein. Doch ist damit
zu rechnen, dass schon bald auch deutsche Verlage ihre Titel in dem neuen
Apple-Shop bereitstellen werden.
ePub vom Start weg verfügbar
Begünstigt wird dies dadurch,
dass sich Apple im Unterschied zu Amazon für das verbreitete ePub-Format
entschieden hat. Dieses XML-Format ist ein offener Standard, der auch einen
DRM-Kopierschutz ermöglicht, so dass die Bücher nur auf einer begrenzten
Zahl von Geräten gelesen werden und nicht frei kopiert werden können.
Die Vorstandschefin von Simon & Schuster, Carolyn Reidy, bezeichnete das
iPad als ein "grandioses Gerät". Der Leser könne mit dem
Finger die Schriftart ändern und intuitiv umblättern.
Zeitungsverlage optimistisch
E-Book-Reader werden auch von
Zeitungsverlagen mit großem Interesse beobachtet. Der regelmäßige Download
der aktuellen Tageszeitung eröffnet eine dritte Schiene zwischen der
zunehmend unter Druck geratenden Print-Ausgabe und dem zumeist kostenlosen
Angebot von Online-Ausgaben. Bei der Präsentation in San Francisco zeigte
Martin Nisenholtz von der "New York Times", wie seine Zeitung auf
dem iPad gelesen werden kann. "Wir denken, wir haben das Wesen der
Zeitungslektüre eingefangen", sagte Nisenholtz. So entspricht das
Bildschirm-Layout weitgehend dem der gedruckten Ausgabe, ergänzt um
interaktive Möglichkeiten. Dazu gehört auch die Einbindung von Videos in
einen Zeitungsartikel.
Bücher und Zeitungen können mit dem iPad heruntergeladen werden, wenn sich
das Gerät in einem WLAN-Netz befindet. Sie werden auf einem robusten
Flash-Speicher abgelegt, der je nach Ausführung 16, 32 oder 64 Gigabyte
umfasst. Modelle, die wie der Kindle auch den Download im Mobilfunknetz
ermöglichen, sind in den USA für April angekündigt. Für Europa steht noch
nicht fest, ob es dort ebenfalls die Mobilfunk-iPads geben wird.