Apps: Die neuen Könige der Mobilfunkwelt

Boom der Mini-Programme

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Apps: Die neuen Könige der Mobilfunkwelt

Es ist eine verrückte Vorstellung, dass der mächtige Handy-Weltmarktführer Nokia von aggressiven Cartoon-Vögeln, simplen Zeitvertreib-Spielen und Furz-Programmen in die Knie gezwungen wurde - und doch trifft dies letztlich zu. Nokia baute unverändert solide Telefone, verpasste es aber, Software-Entwickler für seine Plattform Symbian zu begeistern. Ohne populäre Apps blieben die Nutzer weg. Jetzt sucht Nokia das Heil in einer Allianz mit Microsoft - bisher einem weiteren Verlierer der neuen Mobilfunk-Welt.

Bei den Diskussionen um Nokias Kehrtwende geht es auf dem Mobile World Congress in Barcelona dementsprechend meist nur um eine Frage: Schaffen die beiden es, genug Entwickler für den neuen Hoffnungsträger Windows Phone 7 zu gewinnen oder nicht? Das Modewort ist "Ökosystem" - die Kombination aus einer starken Plattform und Entwicklern, die Geld verdienen.

Goldgrube
Apps befeuern eine Goldgräber-Stimmung und sind für manchen auch eine Goldgrube. Wer in der deutschen Startup-Metropole Berlin einige Erfahrung im Programmieren von Apps hat, sollte sich keinen festen Job suchen, sagt ein Firmengründer. Die Sätze für freie Software-Entwickler lägen bei 600 bis 1.200 Euro - pro Tag! Es herrsche ein regelrechter "Krieg um Talente".

Diese neue Welt entstand schwindelerregend schnell. Die beiden aufstrebenden Handy-Plattformen - Googles Android und Apples iOS - waren vor vier Jahren noch nicht einmal auf dem Markt. Mehr noch: Apple startete seinen App Store erst im Sommer 2008 und knackte, wie berichtet, vor kurzem die Marke von zehn Milliarden Apps.

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Atemberaubend? Das ist nichts dagegen, was kommt: 17 Milliarden Downloads allein in diesem Jahr, ein 15,9 Mrd. Dollar (11,83 Mrd. Euro) schweres Geschäft, schätzen die Marktforscher von Gartner. Bis Ende 2014 sollen dann schon insgesamt 185 Milliarden Apps auf mobilen Geräten gelandet sein. Eine andere Prognose von 25 Mrd. Dollar Umsatz 2015 erscheint da schon zurückhaltend.

Der unglaubliche Boom aus dem Nichts
Wie konnte es zu diesem Boom kommen? Und - viel wichtiger - wo führt das alles hin? Die erste Frage ist schnell beantwortet: Mit der Idee, die Telefone zu einer mehr oder weniger offenen Spielwiese für Programmierer zu machen. Auf die zweite antworten viele Experten ehrlich: "Man weiß es nicht."

Klar ist: Das Geschäft hat sich für immer verändert. Klar ist aber auch: Es ist kein Paradies. Von einem "brutalen Wettbewerb" spricht in Barcelona selbst der Entwickler eines der populärsten Smartphone-Spiele "Angry Birds". Die finnische Firma Rovio landete 50 Flops, bevor die "Bösen Vögel" abhoben. Ein "Geheimrezept" für den Erfolg gebe es nicht, sagt Rovio-Mann Mikael Hed.

Und selbst wenn man es auf die Telefone der Nutzer geschafft hat, ist man noch nicht lange nicht reich. "Der Standard-Preis ist: kostenlos", hakt Hed ab. "Der Premium-Preis: 0,79 Euro." Wer mehr verlange, riskiere, in der Masse Hunderttausender anderer Programme unterzugehen. Vier von fünf heruntergeladenen Apps seien kostenlos, wissen Marktforscher. Deren Entwickler versuchen dann, durch Werbung oder Verkäufe in Apps Geld zu verdienen. Letzteres funktioniert bei Spielen besonders gut und erklärt auch die auf den ersten Blick wahnwitzige Bewertung von bis zu neun Mrd. Dollar für die virtuellen Farmen und Kornfelder des "FarmVille"-Entwicklers Zynga.

Mobilfunker machen mit
Auch die Mobilfunkbetreiber, die der App-Boom massiv Einfluss gekostet hat, versuchen verstärkt, auf den Zug aufzuspringen. Dabei wollen sie von aktuellen Schwächen des Modells wie Fragmentierung und Unübersichtlichkeit profitieren. So startete Telefonica O2 in Barcelona die Entwickler-Plattform BlueVia, über die "weltweit mehr als 264 Millionen Kunden" erreicht werden könnten. Vodafone-Managerin Lee Epting sagt, man wolle den Kunden als Dienstleistung anbieten, die vielen Apps für sie vorzufiltern.

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