09. März 2010 07:52
Mittwoch startet der Serien-Hit „Lie to me“ im TV. Ein Psychologe überführt
Kriminelle – indem er ihnen in die Augen schaut. Das können Sie auch.
Pinocchio
Das erleben Sie Dutzende Male pro Tag im Büro. In der
Kantine, beim Meeting, im Gespräch mit dem Boss. Ihr Gegenüber reibt sich
die Nase, schaut nach links, lächelt steif, blickt Sie dann geradewegs an.
Was die wenigsten wissen: Diese einfachen Gesten verraten alles über ihren
Gesprächspartner. Vor allem: Ob er im Moment die Wahrheit sagt. Oder lügt,
dass sich die Balken biegen.
Facial Action Coding System, kurz FACS, nennt sich die Wissenschaft, die
unser Gesicht (aber auch Gesten, Körpersprache) enttarnt. In jahrelanger
Arbeit erstellte US-Psychologe Paul Ekman eine Methode, die einen Lügner
anhand seiner Mimik aufdeckt. Dazu hat er jede mögliche Muskelbewegung im
Gesicht und damit jeden Gesichtsausdruck katalogisiert.
Jetzt macht die Entdeckung im Fernsehen Furore. Denn Mittwoch startet der
Serien-Hit „Lie to me“ im TV. Ein Psychologenteam um Dr. Cal Lightman
(gespielt vom Tim Roth) legt Lügner aufs Kreuz – mit einem simplen Blick in
deren Gesicht. Was schon bei „The Mentalist“ funktionierte, entwickelte sich
in den USA zum Serien-Hit. Denn: Als Berater der Krimireihe fungierte – Paul
Ekman.
Gesichtsausdruck
Seine Idee: Menschen können nur einen Teil ihrer
Muskelbewegungen bewusst steuern, viele, vor allem emotionale, Regungen
beeinflussen unbewusst unseren Gesichtsausdruck. Wenn eine Person ihre
wahren Gefühle unterdrückt, zum Beispiel weil sie lügt, so werden sich –
zumindest kurzzeitig – ihre Empfindungen im Gesicht widerspiegeln. Diese
sogenannten Mikrobewegungen sind – für Profis – sichtbar.
So sehen Sie etwa aus, wenn Sie flunkern:
- Sie lecken ihre Lippen
-
Sie verschränken die Arme
- Pupillen vergrößern sich
-
Sie lachen laut und unmotiviert
- Sie blinzeln dauernd
- Sie blicken
nach rechts oben (aus Ihrer Sicht)
- Sie blicken nach vorne rechts
-
Sie verbergen Hände und Beine
- Lächeln ohne Augenfalten
-
Spielen mit den Haaren
- Sie berühren sich an Ohr und oder Nase.
Experten nennen das den Pinocchio-Effekt. Unsere Nase wird stärker
durchblutet, wenn wir lügen. Dann müssen wir uns kratzen.
200 Mal am Tag lügen wir, errechneten Experten. Um uns das Leben leichter zu
machen, lästigen Nachfragen zu entgehen, auch um anderen nicht wehzutun.
Alle 8 Minuten werden wir selbst beschwindelt.
Wann sagen wir die Wahrheit?
Doch unser Gesicht verrät auch, wenn
wir die Wahrheit sagen. Ein ehrliches, lockeres Lächeln, ein Blick nach
vorne links oder oben links (auch aus der Sicht des Redners), offene
Handflächen sind Indizien – da hält es jemand mit der Wahrheit. Dazu: Den
Kopf schräg halten, gerader Blick, offene Sitzhaltung signalisieren: Ich bin
aufmerksam, will nicht flunkern.
Achten Sie morgen im Büro einmal darauf.