30. Jänner 2008 10:00
Eine Migräne-Attacke ist nicht einfach nur ein Kopfschmerz, sondern eine
Erkrankung, die den gesamten Körper in Mitleidenschaft zieht. Und das Leben
der davon Betroffenen stark einschränken kann. Trotzdem, so zeigen aktuelle
internationale Studien, wird die Diagnose Migräne vom Arzt gar nicht oder zu
spät gestellt. Alle Studien kommen zu dem Ergebnis: Patienten sollten über
das Krankheitsbild und auch über die Möglichkeiten der Migräne-Therapie
besser informiert werden.
Unterschätzt
In Österreich leiden rund 800.000 Menschen an
den wiederkehrenden Attacken im Kopf. Fast 60 Prozent der Migräne-Patienten
nehmen rezeptfreie Kopfschmerzmittel ein – und verzichten auf ärztliche
Diagnose. Zum Facharzt für Neurologie, dem Experten für Kopfschmerz und
Migräne, gehen nur 20 bis 30 Prozent der Migräniker. „Ein Patient kann
sowohl Spannungskopfschmerz als auch Migräne haben. Und braucht dafür
unterschiedliche Medikamente“, erklärt Neurologe Ulf Baumhackl, Präsident
der Österreichischen Kopfschmerzgesellschaft.
Entzündung
Der eigentliche Migräne-Generator sitzt im
Hirnstamm. Springt er an, dann verändern sich die Gefäßwände und es kommt zu
einer so genannten „sterilen“ Entzündung. In der Folge werden die Blutgefäße
im Gehirn weit gestellt. Und wenn die Pulswelle dort anklopft, beginnt die
Attacke. Ein Migräne-Anfall kann leicht, mittelschwer oder schwer sein. Die
pulsierenden meist halbseitigen Kopfschmerzen können von Übelkeit,
Erbrechen, Durchfall begleitet sein. Ausgeprägte Licht- und
Lärmempfindlichkeit sind weitere Migräne-Symptome. Bei körperlicher
Anstrengung verschlechtern sich die Beschwerden. 15 Prozent der Patienten
haben zusätzlich neurologische Ausfälle wie Sprech- oder Sehstörungen.
Auslöser
Wann und wieso die Aktivierungswelle im Gehirn
startet, ist letztlich nicht geklärt. Mediziner gehen von einer genetischen
Disposition aus. Dazu kommen noch die bekannten Auslösefaktoren wie Stress,
Schlafentzug, Hunger, Überstimulierung durch optische Reize oder intensive
Gerüche sowie Hormonschwankungen. Was genau die Migräne-Attacke triggert,
ist individuell unterschiedlich. Daher raten Experten, ein
„Schmerz-Tagebuch“ zu führen.
Triptane
Was viele Migräne-Leidende nicht wissen: Gegen die
Attacken gibt es heute spezielle Medikamente. Präparate aus der
Wirkstoffgruppe der sogenannten „Triptane“ stoppen im Gehirn die Dehnung der
Gefäßwände und damit die Schmerzen. Triptane der neuen Generation sind
besonders effektiv: Relpax (mit dem Wirkstoff Eletriptan) etwa ist besonders
fettlöslich. Und gelangt dadurch äußerst gut ins Zentralnervensystem.
Test: Wie erkenne ich Migräne?
Hatten Sie in den letzten
drei Monaten bei Kopfschemrzen auch folgende Beschwerden?
1. War Ihnen
übel, oder mussten Sie erbrechen?
2. Waren Sie licht- oder
geräuschempfindlich
3. Waren Sie einen Tag weniger leistungsfähig?
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"Laut WHO ist Migräne eine der schwersten Erkrankungen" Ulf
Baumhackl ist Präsident der Österreichischen Kopfschmerzgesellschaft. Das Interview: ÖSTERREICH: Was unterscheidet Migräne von
anderen Kopfschmerzformen? Ulf Baumhackl: Migräne ist
viel heftiger und viel intensiver als Kopfschmerz. Die Attacken werden
von der WHO zu den schwersten medizinischen Zuständen gezählt. ÖSTERREICH:
Wie erkenne ich, wann ich an Migräne leide? Baumhackl: Migräne
läuft in typischen Stadien ab. Sie beginnt mit einer kurzen Vorphase,
die von Sehstörungen begleitet sein kann. Die eigentliche
Kopfschmerzphase kann bis zu drei Tagen dauern und ist eine
eingreifende Erkrankung. Darauf folgt eine Nachphase mit
eingeschränkter Leistungsfähigkeit. ÖSTERREICH: Was
sollen Menschen bei regelmäßigen und heftigen Kopfschmerzen tun? Baumhackl:
Auf jeden Fall zum Arzt gehen. Denn wahlloser
Schmerzmittel-Überkonsum führt zu Dauerattacken. Neurologen haben eine
„Migräne-Sprechstunde“. Da lernen Patienten, Migräne vom
Spannungskopfschmerz zu unterscheiden. ÖSTERREICH: Wie
unterscheidet sich die Therapie der Migräne? Baumhackl:
Bei Migräne sind Triptane Mittel der Wahl. Sie führen zu einer
Verengung der Blutgefäße im Gehirn. Daher wirken sie auch nicht bei
anderen Kopfschmerzformen. Sie müssen vom Arzt verordnet werden, da
sie den Blutdruck erhöhen und nicht mit bestimmten Medikamenten
kombiniert werden dürfen.
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