16. März 2010 09:44
Der Frühling schickt einen ersten Boten: In warmen Tälern schießt der
Bärlauch bereits aus dem Boden, dank Sonne und Temperaturen weit über zehn
Grad wird das grüne Blattgewächs bald das Gros feuchter Waldwiesen erobert
haben. In der Volksmedizin wird der "wilde Knoblauch" als Mittel gegen
Arteriosklerose und hohen Blutdruck verwendet, auch als
Entschlackungs-Pflanze und kulinarische Gaumenfreunde hat das gesunde Kraut
seine Fans. Beim Sammeln ist allerdings Vorsicht geboten: Äußerlich sieht
das Gewächs Maiglöckchen und Herbstzeitlosen zum Verwechseln ähnlich.
Knoblauchduft
Während der stechende Knoblauchduft einmalig und
meterweit wahrnehmbar ist, kann das äußere Erscheinungsbild täuschen.
Wichtigstes Charakteristikum des Bärlauch: Seine Blätter treiben einzeln aus
dem Boden und sind deutlich in eine lanzettähnliche Blattfläche und einen
dünnen Blattstiel gegliedert. Beim Zerreißen riecht der Saft stark nach
Knoblauch.
Tödlich giftige Herbstzeitlose
Bärlauch tritt oft zeitgleich
mit der tödlich giftigen Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) auf. Deren
Blätter sind schmal-länglich, sitzen ohne Stiel am im Boden steckenden
Stängel und treiben in Büscheln aus dem Boden. Die jüngeren werden von den
älteren Trieben umgriffen. Der Saft der Herbstzeitlose ist geruchlos. Doch
wenn man zuvor schon Bärlauch gesammelt hat, kann der auf den Händen
klebende Saft bei einer Überprüfung einen Knoblauch-Duft vortäuschen.
Bereits drei bis vier Blätter der Herbstzeitlose können tödlich sein. Dabei
wirkt das in der Pflanze enthaltene Zellgift - Colchicin - erst nach
mehreren Stunden. Erste Vergiftungserscheinungen treten in Form von Übelkeit
und Erbrechen auf. Es folgen Durchfälle, Darm-, Blut- und Knochenmarkzellen
werden zerstört, was nach etwa zwei Tagen zum Tod führen kann.
Maiglöckchen als Doppelgänger
Verwechslungen mit
Maiglöckchen (Convallaria majalis) haben meist nicht so gravierende Folgen:
Giftig sind für den Menschen herzwirksame Glykoside, die
Herzrhythmusstörungen verursachen können. Diese werden vom Darm jedoch nur
schlecht aufgenommen und von der Niere rasch ausgeschieden.
Lebensgefährliche Vergiftungen sind selten. Zu tun hat das vermutlich auch
damit, dass Maiglöckchen etwas später austreiben. Die Pflanze wächst meist
paarweise, wobei ältere die jüngeren Blätter umgreifen.
Giftige Garten-Tulpen
Auch die Blätter der giftigen Garten-Tulpe
(Tulipa-Hybriden), die gelegentlich verwildert, können für eine tödliche
Verwechslung sorgen. Das Blumengewächs bildet, wenn es nicht zur Blüte
kommt, nur ein einzelnes Blatt aus, das dem Bärlauch ähnelt. Darin befindet
sich Tulipin, das eine ähnliche Wirkung wie das Colchicin der Herbstzeitlose
besitzt. Schon 15 Minuten nach dem Verzehr kann es zu Übelkeit, Erbrechen,
Bauchschmerzen und Durchfall kommen. Starke Vergiftungen führen schließlich
zu Schock, Apathie und durch Atemstillstand im schlimmsten Fall zum Tode.
So gesund ist Bärlauch
Bärlauch wächst laut dem Verband der
Land- und Forstbetriebe Österreich in schattigen, humusreichen Auen und
Flusswäldern mit besonders vielen Nährstoffen. In den Alpen findet man die
15 bis 30 cm langen Blätter und Stängel bis in Höhen von 1.700 Meter. In der
Küche werden nur junge Blätter vor der Blüte (April bis Juni) verwendet. Da
der "wilde Knoblauch" nur örtlich in großen Mengen wächst, sollten nur ein
bis zwei Blätter abgezupft werden und die Zwiebel eingegraben bleiben.
Der knoblauchähnliche Geschmack des Bärlauchs ist milder als
Garten-Knoblauch und verursacht, in mäßigen Mengen genossen, keinen lästigen
Geruch. Zum Würzen verwendet man die Blätter am besten frisch, da sie beim
Trocknen viel von der Wirkung verlieren können. Das Kraut sollte generell
nicht gekocht, sondern roh unter heiße Speisen - wie Suppen, Soßen und
Gemüse - gemischt oder als Salat verwendet werden. Gesund ist die Pflanze
nicht nur für Menschen: Auch Bären suchen das Kraut angeblich nach dem
Winterschlaf, um Magen, Darm und Blut zu reinigen.