11. Dezember 2009 10:06
Immer mehr Menschen reagieren allergisch auf Pilzsporen, die mit der Luft
tief in die Atemwege eindringen können. Messungen in rund 2.500 heimischen
Wohnungen haben gezeigt, dass der Schimmel nur so blüht: Mehr als die Hälfte
der Haushalte sind von Schimmelbildung betroffen. Jede vierte Probe zeigte
sogar starke Belastungen an. Das sagten Ärzte und der Geschäftsführer der
Firma AQA, die Testkits für Privathaushalte entwickelt hat.
Enorme Belastungen
Die teils enormen Belastungen seien keine
Einzelfälle. "Diese Daten entsprechen internationalen Vergleichsstudien, die
auf ähnlich hohe Werte kommen", sagte AQA-Chef Thomas Schlatte. "Sind wir
über einen längeren Zeitraum nennenswerten Schimmelpilzkonzentrationen
ausgesetzt, kann dies zu einer gesundheitsschädigenden, bleibenden
Atemwegserkrankung führen", sagte Beatrix Tichatschek vom Allergiezentrum
Wien West.
Bronchitis und Asthma
"Die Sporen gelangen leicht in die tieferen
Atemwege und lösen dort Husten, Bronchitis und Asthma aus. Schimmelpilze
zählen bereits zu den wichtigsten Verursachern von Asthma. Wir haben in den
vergangenen drei bis fünf Jahren eine massive Zunahme von
Schimmelpilzallergikern registriert. In Zukunft ist das Gesundheitsrisiko
durch Schimmelsporen höher einzustufen als durch Hausstaubmilben", warnte
Tichatschek. "Wir sehen im Spitalsbereich eine Zunahme der allergischen
Beschwerden und der Folgeerkrankungen, wie zum Beispiel COPD (chronische
obstruktive Lungenerkrankung, Anm.)", bestätigte der Internist Marcus Franz,
Vorstand des Wiener Hartmannspitals.
Bisher waren die Hauptbelastungen von November bis März nachzuweisen. "Das
ändert sich und die Belastungszeiträume dehnen sich aufs ganz Jahr aus",
sagte Joseph Strauss, führender Pilzgenetiker des AIT Austrian Institute of
Technology.
Schlecht gebaut
Wohnungen mit feuchtem Raumklima, das für
Schimmelpilzwachstum hauptsächlich verantwortlich ist, hat es immer gegeben.
Der Anstieg der Belastung hängt laut den Experten mit der modernen Bauweise
und den gut isolierende Materialien zusammen, die eine Feuchtigkeitsabgabe
nach außen praktisch verhindern. Außerdem wird immer schneller gebaut und
bezogen, die Räume sind häufig noch nicht ausgetrocknet. Auch Baumängel wie
Kältebrücken und Undichtheiten sowie Wassereintritt, und falsche Möblierung
(keine Luftzirkulation zwischen Wand und Möbeln) begünstigen Schimmelbildung.
Eine wichtige Maßnahme gegen Schimmel ist ausreichendes, schockartiges
Lüften. Oft hilft aber nur, die schuldtragenden Baumängel beseitigen zu
lassen.
Service: Der "SchimmelCheck" ist in allen Postfilialen und im
Drogeriefachhandel erhältlich. Die Analyse erfolgt in den Labors des AIT.