15. März 2010 08:11
Der Winter lässt sich einfach nicht vertreiben und bringt vor allem die
Outdoor-Sportler zur Verzweiflung. Besonders jene, die für den Vienna City
Marathon am 18. April trainieren, kämpfen mit Schnee auf den Laufstrecken,
kalten Temperaturen und eisigen Wegen. Wer innerhalb der nächsten Woche mit
dem Lauftraining noch nicht einmal begonnen hat, sollte schön die Finger von
der 42,195-km-Distanz lassen. Auch zuviel Hüftspeck ist für die Hobbyläufer
gefährlich. "Da zählt jedes Kilo", sind sich Sportmediziner einig.
Lauftraining
Wenn bis jetzt noch kein Lauftraining gemacht worden
ist, kann ein Marathon, auch bereits die plötzliche Vorbereitung darauf,
gefährlich und schädlich sein, sagte Christian Gäbler von der
Sportordination, der auch Rennarzt des Wien-Marathons ist. "Es macht gar
keinen Sinn und noch weniger Spaß", so Gäbler fünf Wochen vor dem VCM.
Ermüdungsbrüche können auftreten, und Überlastungsschäden an Sehnen und
Gelenken. "Der Körper muss einfach langsam darauf eingestimmt werden, dass
diese enorme Belastung auf ihn zukommt."
So kann jedes Kilo zuviel auf den Hüften den Marathon zum Horrorlauf machen.
"Man muss sich vorstellen, dass bei jedem Laufsprung Belastungen bis zum
dreifachen Körpergewicht auf Knie- und Sprunggelenke auftreten", sagte
Gäbler. Wichtig seien vor allem gut gedämpfte Laufschuhe, die viel von der
Gewichtsbelastung übernehmen können.
Ausgewogene Ernährung
Für Ernährungsmediziner Christian
Matthai vom Wiener Woman & Health-Zentrum ist der Gewichtsverlust vor dem
Wettkampf das um und auf. "Umso leichter, desto besser. Jedes Kilogramm
weniger ist ein wertvolles", sagte Matthai. Er rät zu ausgewogener Ernährung
mit Kohlenhydraten und Eiweiß, wobei der Fettanteil reduziert wird. Um
überschüssige Kilos noch schneller loszuwerden, sollte der Kohlehydratanteil
am Abend ausgelassen werden. Einzige Ausnahme: Wenn man zwei
Trainingseinheiten am Tag absolviert, wird der Kohlehydratspeicher durch den
Sport sonst zu schnell geleert. "Wobei eine vitalstoffreiche Obstplatte als
kohlehydratreiche Kost in der Früh genauso gut ist wie Müsli oder Brot."
Besser noch: "Durch die Bewegung hat man eine vermehrte Vitalstoffzufuhr
notwendig", so Mattai.
Drei Monate Training
"Ein Marathonlauf ist nicht für jeden
gesund, aber der Weg dorthin", so Gäbler. Um die 42,195-km-Distanz zu
schaffen, muss der Sportler mindestens zweieinhalb Stunden durchgehend
laufen können. Drei Monate Training müssen da schon hinter einem liegen. Das
Laufpensum sollte in der Woche - aufgeteilt auf mehrere Einheiten -
zumindest bei 40 bis 45 Kilometer liegen. Für jemanden, der die Strecke
unter 3:30 schaffen will, gilt konsequentes Wettkampftraining: fünf Mal pro
Woche mit einer Strecke von 75 bis 100 Kilometer.
"Das Problem ist nicht die Kraft, sondern die Länge des Marathons", so
Gäbler. Deshalb sind die langsamen und ruhigen Läufe die wichtigste
Vorbereitung. "Es hat auch keinen Sinn jeden Tag zu trainieren. Der Körper
braucht Ruhepausen. Ein Übertraining kann jemanden beim Marathon ebenso aus
dem Rennen werfen als hätte er zu wenig trainiert."
Um die Strecke von über 42 Kilometer besser durchzuhalten, startet man vor
dem Wettkampf ein Superkompensationsprogramm. "Drei Tage lang ernährt man
sich kohlehydratfrei, um die Speicher komplett zu leeren", erklärte Mattai.
Danach folgen drei Tage mit kohlehydratreichem Essen. "Studien haben
bewiesen, dass dann der Körper mehr Kohlehydrate speichert", so Matthai. Der
Läufer wird leistungsfähiger und spätestens ab der Hälfte des Marathons sind
diese Speicher komplett leer, die Mithilfe von Bananen wieder aufgefüllt
werden können. Sportmediziner Gäbler kennt noch einen anderen Trick: "Profis
nehmen das Pastagericht am Tag vor dem Marathon mit einem kleinen Glas
verdünntem Essig zu sich, da offensichtlich die Essigsäure den Körper beim
Einbau des Glykogens unterstützt und die Speichermenge etwas zunehmen kann."
Hören Sie auf Ihren Körper!
Und während des Laufs:
"Hören Sie auf Ihren Körper, wenn etwas wehtut. Machen Sie eine Pause, wenn
ein Muskel beleidigt ist", so Gäbler. "Wenn Sie noch keinen Marathon
gelaufen sind und Sie es schaffen wollen, dann machen Sie alle zwei
Kilometer Gehpausen. Das kostet gerade einmal 20 Minuten, dafür kommt man
aber sicher ans Ziel."
Sowohl Gäbler als auch Matthai haben bereits zwei Marathons absolviert.
Mehr Infos: www.vienna-marathon.com