04. Mai 2009 09:12
Wie reagieren Sie auf Stress? Greifen Sie zum Schoko-Ripperl oder vergeht
Ihnen in belastenden Situationen der Appetit?
Tipps
„Die sogenannten Stresshungerer nehmen in hektischen
Zeiten ab. Stressesser jedoch sehen in kalorienreichen Lebensmitteln ein
Trostpflaster und nehmen zu“, weiß Ernährungswissenschafterin und
Gesundheitspsychologin Ingrid Kiefer von der AGES (Österreichische Agentur
für Gesundheit und Ernährungssicherheit). Beide Ernährungsmuster sind jedoch
ungesund. Tipp für Stresshungerer: Essen Sie immer wieder über den Tag
verteilt kleine Portionen und stärken Sie sich mit Milchgetränken
zwischendurch. Auch Nüsse und Trockenfrüchte sind gute Energiespender. Für
Stressesser wiederum heißt es: Versuchen Sie, sich mehr zu bewegen, anstatt
zu essen und nehmen Sie sich für Ihre Mahlzeiten Zeit (nicht nebenbei
arbeiten, fernsehen oder telefonieren!). In jedem Fall hilfreich: Die
Nahrungsmittel so auswählen, dass Stress-Symptome gar nicht erst entstehen.
Informativ
Wie das funktioniert, verrät Ernährungsexpertin
Ingrid Kiefer gemeinsam mit dem Wiener Neurologen Wolfgang Lalouschek im
soeben erschienenen Ratgeber Stressfood (Kneipp Verlag, 14,90 Euro). „Stress
ist heutzutage unser ständiger Begleiter. Und nicht selten endet die
Belastung im Burn-out. Mit der richtigen Ernährung reagiert man nicht nur
gelassener, sondern beugt Stress-Attacken vor und verbessert die Stimmung“,
so Autorin Kiefer. Und so sieht natürliches Anti-Stress-Doping aus:
1. Frühstück
Untersuchungen weisen darauf hin, dass
ein ballaststoffreiches Frühstück glücklicher und geistig fitter macht. Es
verhindert Ermüdungserscheinungen und macht stressresistenter. Ideal:
Ungezuckertes Müsli, Getreidebrei, Vollkornbrot mit fettarmem Belag
(Hüttenkäse, Topfenaufstrich, Putenschinken) sowie Magermilchprodukte und
Obst.
2. Hauptmahlzeiten
Sowohl mittags wie auch am Abend sind Reis-
oder andere Getreidesorten kombiniert mit Gemüse, kleinen Mengen an Fisch,
fettarmem Fleisch oder Käse und Soja ideal. Gute Anti-Stress-Gerichte sind
auch Salate (etwa mit gegrillten Hühnerbruststreifen), Risotto oder
Vollkornspaghetti mit Gemüsesugo. Abends sollte die Mahlzeit kleiner
ausfallen als mittags. Schlechtes Anti-Stress-Food sind fetthaltige Gerichte
(wie Frittiertes, große Fleischportionen, Cremesuppen oder Mehlspeisen).
Ernährungsprofi Ingrid Kiefer: „Es gibt sogar Untersuchungen, wonach fettes
Essen wie Leberkäsesemmeln oder Pommes den Stress noch verstärken.“
3. Snacks
Schokolade als Stress-Killer? Nun: Kleine Portionen
beeinflussen die Stimmung tatsächlich positiv. Der beste Anti-Stress-Snack
ist jedoch Obst – insbesondere Bananen und Beerenfrüchte. Aber auch fettarme
Milkshakes oder ein Stück Vollkorngebäck beugt Leistungs-Tiefs zwischen den
Hauptmahlzeiten vor. Untersuchungen zeigten: Wer am Arbeitsplatz statt
Pommes, Sandwiches und Kaffee auf Obst, Nüsse, Joghurt und Wasser umsteigt,
fühlt sich wohler und hat mehr Energie zur Verfügung.
Hitliste der Nahrungsmittel gegen Stress
Müsli
Liefert die richtigen Kohlenhydrate. In Kombination
mit fettarmen Milchprodukten (Eiweiß erhöht die Aufmerksamkeit!) ist es ein
Top-Starter.
Brombeeren
Der violette Farbstoff ist besonders wirksam gegen
oxidativen Stress. Ebenfalls gut: Rote Rüben, Marillen oder Heidelbeeren.
Bananen
Enthalten Eiweiß und Kohlenhydrate in einer Mischung,
die das Wohlbefinden fördert und die Stimmung positiv beeinflusst.
Käse
Enthält den Eiweißbaustein Tryptophan, der die
Konzentrationsfähigkeit steigert und die Denk- und Merkfähigkeit erhöht.
Hafer
Ist ein klassisches gehirn- und nervenstärkendes
Getreide. Es lässt uns dank B-Vitaminen, Magnesium und Cholin entspannter
auf Stressreize reagieren. Haferflocken sollten daher täglich auf den
Speiseplan (etwa als Porridge zum Frühstück oder mitgekocht in Suppen).
Lachs
Enthält einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren, die vor
Gehirnkrankheiten und Demenz schützen und die Stimmung positiv beeinflussen.
Weitere Top-Quellen: Thunfisch, Hering, Raps- oder Walnussöl.
Hülsenfrüchte
Linsen und Bohnen enthalten neben
pflanzlichem Eiweiß und komplexen Kohlenhydraten auch reichlich B-Vitamine
und Folsäure für ein stabiles und starkes Nervenkorsett.
Dinkel
Das im Keimling enthaltene Fett kräftigt die
Myelinscheiben der Nerven – dadurch bleibt die Stimmungslage schön
ausgeglichen. Tipp: Teigwaren und Brot aus Dinkelmehl einkaufen!
Milch
Enthält – ebenso wie Joghurt oder Sauermilch – die
Eiweißbausteine Phenylalanin und Tyrosin, die die Aufmerksamkeit steigern
und munter machen.
Nüsse
Gelten als „Nervenfutter“. Sie enthalten neben
B-Vitaminen Methionin, das wichtig für die Steuerung von Stressreaktionen
ist. Ideal als Snack!
Melisse
Das Kraut (als Tee getrunken) wirkt beruhigend und
hilft auch bei Einschlafschwierigkeiten. Weitere Anti-Stress-Kräuter:
Hopfen, Lavendel und Kamille.
Buchtipp: Ingrid Kiefer, Wolfgang Lalouschek: Stressfood. Mit
Ernährung und Stressmanagement aus der Burnout-Falle. Kneipp, 14,90 Euro.