22. März 2010 09:56
So quälend der Schmerz für Betroffene oft ist, stößt er dennoch bei vielen
Menschen auf wenig Verständnis: „Eingebildet“ seien Kopfschmerzen
oder eine „bequeme Ausrede“, sich vor unangenehmen Situationen zu drücken.
Die Ursachen
Die Realität beweist freilich das Gegenteil:
Weltweit werden keine anderen Schmerzmittel so oft verkauft wie Medikamente
gegen das „Gewitter im Kopf.“
Die Ursachen für Kopfschmerzen oder Migräne
(Unterschied siehe Blitz-Check ganz rechts) sind höchst vielfältig: „Sie
können von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Infektionskrankheiten oder
Stress ebenso ausgelöst werden wie etwa durch Wetterumschwünge,
Fehlhaltungen am Arbeitsplatz oder Schlafmangel“, weiß die Wiener
Allgemeinmedizinerin Doris Gapp.
So vielfältig die Ursachen, so vielfältig auch die Therapieansätze: Wir
baten daher eine Medizinerin, eine Homöopathin und einen Psychotherapeuten
(siehe Experten-Kasten unten) um Tipps gegen das lästige Volksleiden.
Die Hausärztin rät:
„Bei einem Migräneanfall verengen
sich die Blutgefäße im Gehirn. Als eigentliche Auslöser kommen Alkohol,
Käse, Schokolade, Nikotin, hormonelle Veränderungen oder Stress infrage.
Diese Auslöser sollte man, wenn möglich, meiden“, erklärt Ärztin Gapp. Es
sei hilfreich, ein Migräne-Tagebuch zu führen: „Dann weiß man, was die
Attacken individuell auslöst.“ Zu Anfällen komme es oft am Wochenende oder
zu Urlaubsbeginn: „Migränepatienten sind oft in Zeitnot. Auch
Entspannungsmethoden wie Yoga oder Autogenes Training sind hier langfristig
wirksam.“ Im Akutfall hilft Ruhe und Liegen in einem abgedunkelten Raum; bei
besonders starken Fällen wird der Arzt Schmerzmittel und Mittel gegen
Übelkeit verschreiben.
Beim Spannungskopfschmerz dürfen Schmerzhemmer nur sehr sparsam eingesetzt
werden: „Sonst kann es zu Medikamenten-Kopfschmerz kommen“, warnt Gapp. Die
besten SOS-Maßnahmen: Frische Luft, die Schläfen mit Pfefferminz- oder
Majoranöl einmassieren, eine heiße Dusche (warmes Wasser auf den Nacken
prasseln lassen!) oder eine heiße Nacken-Kompresse: Das entspannt die
Nackenmuskulatur und das Blut kann wieder Sauerstoff ins Gehirn
transportieren.
Wichtig sei zudem, auf regelmäßige Ernährung zu achten: „Unregelmäßige
Mahlzeiten können den Blutzucker durcheinander bringen, wodurch Kopfschmerz
entstehen kann. Gesunde Snacks wie ein Stück Obst können das verhindern“,
weiß die Medizinerin.
Die Homöopathin rät:
In der Homöopathie gilt der
Grundsatz: „Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz. Man muss sich ganz
genau ansehen, was die Schmerzen auslöst und welche psychischen und
körperlichen Begleiterscheinungen auftreten, um das richtige Mittel zu
finden“, weiß Ärztin und Homöopathin Birgit Kapfinger-Bruckner. Fühlen Sie
sich ausgelaugt und breiten sich die Schmerzen vom Hinterkopf aus, ist
Acidum phosphoricum D6 eine gute Wahl; bei bohrenden (häufig einseitigen)
Schmerzen, eventuell auch mit Übelkeit und Erbrechen, kann Argentum nitricum
D12 helfen. Fühlt sich der Kopf an, als wolle er zerspringen, und sind Sie
generell eher gereizt, passt Chamomilla D12. Sind die Schmerzen pochender,
klopfender Art und Sie leiden zudem unter Stimmungsschwankungen, ist Ignatia
D12 angezeigt. Treten die Schmerzen etwa als Folgen von Durchnässung,
Unterkühlung oder bei Erkältungsgrippe auf, kann das Mittel Rhus
toxicodendron D12 helfen. Bereitet Ihnen warme, stickige Luft Kopfweh, kann
Pulsatilla D12 helfen. Die Expertin: „Nehmen Sie zunächst fünf Globuli jenes
Mittels (erhältlich in der Apotheke), das zu Ihnen passt. Dann sollten Sie
die Wirkung abwarten. Hat das Mittel zunächst geholfen und die gleichen
Beschwerden kommen wieder, so ist es Zeit für einen neuen Impuls: Sie nehmen
wieder fünf Globuli. Das tun Sie so lange, bis es Ihnen besser geht“, so
Kapfinger-Bruckner. Wichtig: Bessern sich die Beschwerden innerhalb der
ersten Stunden nach der Einnahme nicht, haben Sie das falsche Mittel
gewählt. Bei chronischen, immer wiederkehrenden Schmerzen hilft ein
erfahrener Therapeut, das für Sie passende Konstitutionsmittel zu finden.
Der Psychotherapeut rät:
„Spannungskopfschmerzen treten
typischerweise in Lebenssituationen auf, in denen der Mensch unter starkem
Leistungsdruck steht. Ehrgeiz und Überforderung steigen ihm zu Kopf“,
analysiert Therapeut Ruediger Dahlke (genau nachzulesen in seinem
bahnbrechenden Werk Krankheit als Weg, Orbis Verlag). Die halbseitigen
Migräne-Schmerzen wiederum weisen auf eine einseitige Denkweise hin. Oft
haben Menschen auch mit (verdrängter) Sexualität ein Problem. Dahlke: „Der
Migräneanfall ist ein Orgasmus im Kopf.“ Helfende Fragestellungen sind:
Versuche ich, durch das Denken das Handeln zu ersetzen? Will ich mit dem
Kopf durch die Wand? Oder: Worüber zerbreche ich mir den Kopf?
Sie leiden unter Migräne, wenn Folgendes zutrifft:
- Der
Schmerz tritt anfallsweise
auf.
- Er ist einseitig.
- Die
Schmerzen haben pulsierenden oder pochenden Charakter.
- Sie werden
stärker bei körperlichen Tätigkeiten wie
Treppensteigen.
-
Sie leiden zusätzlich unter
Übelkeit oder Erbrechen.
-
Sind sind empfindlich gegen
Licht und Lärm.
Sie haben Spannungskopfschmerzen, wenn Folgendes auf Sie zutrifft:
-
Der Schmerz dauert Stunden
bis Tage.
- Er ist beidseitig.
-
Er hat einen dumpfen,
drückenden oder ziehenden
Charakter.
-
Er verstärkt sich nicht durch
körperliche Tätigkeiten wie
etwa
Treppensteigen.
- Sie verspüren keine Übelkeit.