02. September 2010 09:13

Eltern schuld 

Leistungsdruck führt oft zu Schulangst

Angst vor der Schule ist in den heimischen Klassenzimmern weit verbreitet.

Leistungsdruck führt oft zu Schulangst
© sxc

Die Ferien neigen sich dem Ende zu und viele Kinder bangen bereits wieder. Denn der erhöhte Leistungsdruck durch Eltern, zu strenge Lehrer oder auch die Angst keine Freunde zu finden, machen viele krank. Schulangst ist in den heimischen Klassenzimmern verbreitet, auch wenn es kaum möglich ist zu sagen, wie viele Kinder und Jugendliche wirklich betroffen sind, erklärte der Wiener Psychologe Gerald Kral gegenüber der APA. "Eltern erreichen mit der besten Absicht oft genau das Gegenteil."

"Ernst des Lebens"
"Ab morgen beginnt der Ernst des Lebens", das Motto, das seit Jahrzehnten für tausende Taferlklassler gilt, bezeichnete Kral als die grundsätzlich falsche Einstellung. Die Kinder würden sich dadurch vor etwas fürchten, das sie gar nicht kennen. Denn die Meinung der Kleinsten sei oft davon abhängig, was sie von den Eltern vermittelt bekämen. Der Druck und die Erwartungshaltung der Eltern bereits im Vorfeld der Einschulung seien oftmals kontraproduktiv. Vielmehr sollte die Freude und der Spaß am Lernen gefördert werden.

Vorher lernen bringt nichts
Der Psychologe erzählte von einem Beispiel aus seiner Praxis: Eine Mutter begann bereits mit ihrem fünf Jahre alten Sohn die Buchstaben zu lernen. "Sie wollte, dass er es in der Schule dann leichter hat. Doch genau das Gegenteil ist der Fall", so Kral im APA-Gespräch. Aufgrund des Entwicklungsstandes sei der Bub noch gar nicht in der Lage gewesen alles aufzunehmen und fühlte sich überfordert. Einen Zusammenhang ortete Kral diesbezüglich auch mit der schwierigen Arbeitsmarktsituation: Denn die am schlechtesten Ausgebildeten, haben es später am schwersten und Eltern wollen bereits früh dagegen vorgehen.

Bauchweh, Übelkeit, Erbrechen
Das Erkennen von zu großer Überforderung ist schwierig, da die Symptome sehr unterschiedlich sind. Die Palette reicht von Bauchweh über Übelkeit bis hin zu Erbrechen, aber auch Kopfschmerzen und anderen psychosomatischen Leiden. "Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es weniger", erklärte Kral. Es seien vor allem individuelle Zeichen, die zu beachten seien. Mit fortschreitendem Alter haben Jugendliche dann auch andere Möglichkeiten ihre Probleme auszudrücken: Bei sehr hohem Leistungsdruck komme es vermehrt zu Misserfolgserlebnissen. In Summe könne dies zu depressiven Verstimmungen führen.

Unlust oder Schulangst?
Bei Volksschülern könnten Lehrer oft sehr gut einschätzen, ob die Kinder überfordert sind. "Es kann insgesamt einen Aufholbedarf geben, weil das Kind zu früh in die Schule gekommen ist, oder auch nur in Teilbereichen", erklärte Kral. Bei Älteren sollte die generelle Unlust in die Schule zu gehen, nicht mit echter Schulangst verwechselt werden. "Es ist ein Unterschied, ob Kindern zum Beispiel einfach ungern das Zimmer zusammenräumen oder jeden Sonntag am Abend körperliche Beschwerden bekommen", betonte Kral.

Psychologische Hilfe
Besonders gefährdet sind Kinder, die sich bereits im Kindergarten in sozialen Situationen schlecht zurecht finden. Wenn es bereits dort Probleme gibt, sich in eine Gruppe einzufügen, sollten Eltern das erkennen und versuchen einzugreifen. Wenn nötig auch mit psychologischer Hilfe. Denn die "Umstellung des gesamten Lebens in der Schule ist wahnsinnig groß".

In der Praxis hat Kral viel mit Kindern zu tun, die Angst davor haben, die Schule zu besuchen. Zwar würden in jüngster Zeit mehr Familien Hilfe aufsuchen, was aber nicht bedeute, dass es früher weniger Probleme gab."Die Sensibilisierung ist größer geworden", so der Psychologe.


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