06. Oktober 2009 08:51
Der menschliche Körper ist fähig, geschädigte Zellbausteine selbst
abzubauen. Der Körper entledigt sich dieses "zellulären Mülls"
mittels der sogenannten Autophagie ("sich selbst fressen"). Grazer
Biowissenschafter fanden nun heraus, dass von außen hinzugefügtes Spermidin
diesen Prozess ankurbeln kann. Die Ergebnisse ihrer Studie wurden in der
jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsjournal "Nature Cell Biology"
veröffentlicht.
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Spermidin auch in Grapefruits und Weizenkeimen
Spermidin ist
eine Substanz, die sich in allen menschlichen Körperzellen findet, u.a.
reichlich im Sperma, wo es erstmals gefunden wurde. Hohe Konzentrationen
dieses natürlichen Polyamins finden sich auch in Grapefruits, Weizenkeimen
und Sojabohnen. Die Substanz hilft wachsenden Zellen bei der Produktion von
Nukleinsäure und Protein. Die Menge von Spermidin im Körper erhöht sich bei
einer Beschleunigung des Stoffwechsels, bei verlangsamtem Stoffwechsel und
im Alter nimmt die Konzentration ab.
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"Maschinerie läuft nach Spermidinzugabe auf Hochtouren"
Ebenso
verringert sich die Fähigkeit des Körpers, geschädigte Proteine über den
Prozess der Autophagie zu entsorgen. Von außen hinzugefügtes Spermidin kann
diesen Vorgang - die Grazer Forscher sprechen vom "wichtigsten Faktor
für Langlebigkeit" - in Gang halten: "Die Maschinerie läuft
nach Spermidinzugabe auf Hochtouren", so Frank Madeo und Tobias
Eisenberg vom Institut für Molekulare Biowissenschaften an der Karl-Franzens
Universität Graz. Die Ergebnisse könnten für die klinische Forschung
relevant werden, zum Beispiel bei Alterserkrankungen wie Alzheimer
und Parkinson: Diese entstehen durch Ablagerung von verklumpten Proteinen,
also Zellenabfall in Nervenzellen. "Es könnte sein, dass wir den
heiligen Gral der Altersforschung gefunden haben", meint Eisenberg,
Erstautor der Studie.
"Menschliche Immunzellen, Fliegen, Würmer und Hefe, die in der
Forschung ein beliebtes Alterungsmodell darstellt, werden durch
Spermidinzugabe verjüngt und leben länger", fassten Madeo und
Eisenberg das Ergebnis der von Graz aus koordinierten Studie zusammen, an
der rund 30 Forscher von elf Universitäten beteiligt waren. Demnach leben
Hefezellen, die in einem spermidinreichen Medium kultiviert wurden, viermal
länger als ohne Spermidin, menschliche Immunzellen überlebten dreimal
länger, Fruchtfliegen und Nematoden hatten eine um 30 Prozent verlängerte
Lebenszeit, wenn sie eine entsprechende Spermidin-Diät bekamen. Bei Mäusen
konnten die durch freie Radikale hervorgerufenen Schäden an Proteinen, die
ein besonders wichtiger Alterungsmarker sind, deutlich reduziert werden.