10. März 2010 09:01
Die meisten Menschen wählen einen Partner, der ihnen relativ ähnlich sieht.
Stress scheint dieses Muster umzukehren: Gestresste Männer bevorzugen
Partnerinnen, die ihnen äußerlich gar nicht gleichen. Das berichten Forscher
um Johanna Lass- Hennemann, damals von der Universität Trier, in den
"Proceedings B" der britischen Royal Society.
Entspannt oder nicht?
Gründe dafür sehen die Wissenschafter in
urtümlichen Prozessen. Stresshormone lassen die höheren kognitiven
Fähigkeiten herunterfahren, so dass der Mensch eher instinktiv urteilt.
"Unter Stresseinfluss ist der Druck größer, genetisch gut gerüstete
Nachkommen zu zeugen", vermutet Lass-Hennemann. Das geht besser mit einem
Partner, der aus einem anderen Genpool stammt. Ähnliche Partner haben
hingegen aus evolutionärer Sicht einen anderen Vorteil: "Sie werden als
loyaler und vertrauenswürdiger wahrgenommen", erklärt Lass-Hennemann. Für
sie entscheidet sich der Mensch unter entspannten Bedingungen.
Die Untersuchung
Für die Studie beurteilten 50 heterosexuelle
Männer Fotos nackter Frauen, die entweder ihnen selbst ähnlich sahen oder
einem anderen Probanden. Mithilfe eines Grafikprogramms hatten die Forscher
zuvor Fotos ihrer Gesichter mit dem einer Frau gekreuzt.
Unter Stress
Die Hälfte der Männer wurden unter Stress gestellt,
indem sie vor der Untersuchung für drei Minuten eine Hand in eiskaltes
Wasser halten mussten. Nachweislich steigerte das Herzfrequenz, Blutdruck
und die Werte des Stresshormons Cortisol. Diese Männer beurteilten Frauen,
die keine Ähnlichkeit mit ihnen aufwiesen, als signifikant attraktiver.
Männer, die im Voraus nicht unter Stress gesetzt wurden, fanden Fotos von
Frauen mit ähnlichen Gesichtszügen anziehender. In der Studie seien zwar nur
Männer getestet worden, sagte Lass-Hennemann, es sei aber anzunehmen, dass
Frauen genauso reagieren.
Die Resultate der Forscher entsprechen denen anderer Studien: Bei Tieren
vermindert Stress die Präferenz für Partner, die unter normalen Umständen
hoch im Kurs stehen.