28. Juni 2010 09:47
Die Lustpille für Frauen hat einen weiteren Rückschlag erlitten: Ein
Expertenkomitee in den USA hat von der Zulassung eines auch als "Rosa
Viagra" bekannten Medikaments abgeraten. "Die Wirksamkeit ist zu gering, um
die Risiken zu rechtfertigen", erklärte die Ausschussvorsitzende Julia
Johnson. Der Beschluss in dem mit sieben Frauen und vier Männern besetzten
Komitee fiel demnach einstimmig.
Keine Zulassung
Das vom deutschen Pharmakonzern Boehringer
Ingelheim entwickelte Medikament Flibanserin soll unter dem Namen Girosa auf
den Markt kommen. Bisher wurde es allerdings noch nirgends zugelassen. Die
für die Zulassung von Arzneimitteln in den USA zuständige Behörde FDA ist an
die nun getroffene Entscheidung des Expertenrates nicht gebunden; sie folgt
den Voten der Experten allerdings in den meisten Fällen.
Glückshormone
Flibanserin ist ursprünglich ein
Antidepressivum, das den Spiegel des lusthemmenden Hormons Serotonin
absenken soll. Im Gegenzug hebt es die Konzentration des Glückshormons
Dopamin und von Noradrenalin im Blut an; beide können die weibliche Libido
steigern. Als Nebenwirkungen können allerdings Depressionen und
Schwindelanfälle auftreten. Die Psychologin Leonore Tiefer, die ebenfalls im
Expertenausschuss saß, erklärte, die emotionale Komplexität weiblicher
Sexualität und die Probleme in dem Zusammenhang seien oft nicht
medizinischer Natur.
Sexuelle Lust
Studien zufolge klagen mindestens 40 Prozent der
Frauen über mangelnde sexuelle Lust. Pharmahersteller weltweit haben diesen
Markt daher schon seit Jahren im Blick, bisher ist aber noch keine einzige
Lustpille für Frauen erhältlich. Die Konzerne hoffen bei einer Zulassung auf
einen ähnlichen Erfolg wie beim Potenzmittel Viagra für Männer, das 1998
zugelassen wurde und sich seither zu einem Kassenschlager entwickelt hat.