22. März 2010 11:21

Allergiker 

Vom Heuschnupfen zu Asthma

Allergiker mit Behandlung zu nachlässig. Diagnose oft erst nach Jahren.

Vom Heuschnupfen zu Asthma
© Getty Images

Allergiker sind mit ihrer Erkrankung viel zu nachlässig und riskieren dadurch chronische Beschwerden. 45 Prozent der Betroffenen haben ihren Heuschnupfen noch nie vom Arzt beurteilen lassen, im Durchschnitt vergehen sechs bis neun Jahre bis bei einer Allergie eine endgültige Diagnose gestellt wird, kritisierte Waltraud Emminger, ärztliche Leiterin des Wiener Allergie-Ambulatoriums Rennweg. Eine rasche und richtige Behandlung sei aber notwendig, damit aus Heuschnupfen langfristig kein Asthma werde.

Jeder 4. hat Allergie
Jeder vierte Österreicher leidet unter mindestens einer Allergie, bis zu 20 Prozent der Bevölkerung kämpfen zusätzlich mit Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten. Pollen sind die häufigsten Allergie-Auslöser, die bei mehr als einer Million Menschen für laufende Nasen und gerötete Augen sorgen. Unbehandelt können sich Entzündungen auf die unteren Atemwege ausbreiten und zu chronischem Asthma führen, warnte Emminger. Allergien verursachen außerdem ein höheres Risiko einen anaphylaktischen Schock zu erleiden, ergänzte Reinhart Jarisch, Leiter des Floridsdorfer Allergiezentrums. Bei einem von tausend Allergikern sorgen verschiedene Auslöser diesbezüglich für eine erhöhte Wahrscheinlichkeit.

Symptome nicht erkannt
Symptome werden laut Emminger häufig mit einer Verkühlung verwechselt. Wer länger als vier Wochen unter Atembeschwerden, einer verstopften Nase oder Augenjucken leidet, sollte sich auf Allergien testen lassen. Einen ersten Anhaltspunkt für Kinder und Erwachsene liefert ein Online-Fragebogen unter www.allergiefragebogen.at.

Immuntherapie
Bei einer Behandlung ist die Vermeidung des Kontakts mit Allergenen die wichtigste Maßnahme. Symptome lassen sich mit Antihistaminika bekämpfen, ein geeignetes Mittel sollte man sich vom Arzt verschreiben lassen. Entzündungshemmende Medikamente und Nasensprays helfen ebenfalls. Besonders wirksam ist laut Studien eine spezifische Immuntherapie (SIT), die den Körper langsam an den Allergieauslöser gewöhnt und dagegen langfristig tolerant macht, erklärte Emminger. Symptome werden dadurch abgemildert oder bleiben im besten Fall bis zu 15 Jahre ganz aus. Laut Emminger bekommen diese Therapie derzeit nur 13 Prozent der geeigneten Zielgruppe. Punkto Gräserpollen kann die Behandlung heuer nur mehr bei einem Start in den nächsten Tagen erfolgen, da der Beginn zwei bis vier Monate vor dem Pollenflug liegen muss.

Pollen-Tagebuch
Eine Hilfe für Allergiker stellt auch das Pollen-Tagebuch des Österreichischen Pollenwarndienst (http://www.pollentagebuch.at) dar, das im Vorjahr initiiert wurde und 4.000 Nutzer fand. Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Pollen, ihrer Konzentration und Beschwerden werden dort erfasst, ausgewertet und beurteilt. Die Daten können zu Untersuchungen mitgenommen werden. Ab Spätsommer soll an der Wiener HNO-Klinik anhand des Tagebuchs in einem eigenen Kompetenzzentrum eine persönliche Beratung angeboten werden. Solche Stellen sind in ganz Europa geplant, mehrere Länder beteiligen sich seit diesem Jahr an dem Online-Tagebuch.


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