Berlinale

"Wilde Maus": Lustigster Film

Als vergnüglichen Ausflug zwischen nachdenklichen und politischen Filmen im Wettbewerb hat Berlinale-Direktor Dieter Kosslick Josef Haders "Wilde Maus" angekündigt. Und als ebensolcher wurde die österreichische Tragikomödie von Kritikern am Wochenende auch gerne angenommen, zeigt eine Rundschau der APA. Mit Preisen oder Erfolg außerhalb des deutschsprachigen Raums wird aber eher nicht gerechnet.

Im Folgenden eine Auswahl an US-amerikanischen und deutschen Reaktionen

"Hollywood Reporter": Die liebenswürdige Farce behandelt einen bekannten und mitunter oberflächlichen Stoff, mischt dem aber selbstironischen Humor bei. Es ist nicht der originellste oder anspruchsvollste Film der Berlinale, aber es ist der vielleicht mühelos lustigste.
 
"Variety": Ein reizbarer Musikkritiker verliert seinen renommierten Zeitungsjob und sinnt auf Rache gegen seinen Chef in Josef Haders visuell versiertem, aber nicht erinnerungswürdigen Regiedebüt, "Wilde Maus". Mit einem tragikomischen Zugang zur altbekannten Geschichte der Mittelschicht und Midlife-Crisis will Hader - ein Schauspieler und Kabarettist, der auch das Drehbuch schrieb und die Hauptrolle spielt - die Verzweiflung seiner Figur sowohl ernst nehmen als auch lächerlich machen, wobei der Schwerpunkt auf letzterem liegt. Mit Charakteren, die nie tiefer gehen, als man es in einem lauen Comedy-Sketch erwarten würde, (...) hat der Film wenig Chancen außerhalb deutschsprachiger Territorien.
 
"Screen": Obwohl seine Interpretation von typischer österreichischer Anständigkeit stets sarkastisch ist und jede andere soziale Schicht des Landes den einen oder anderen verdienten Stich erhält, hat Hader ein ernsthaftes Problem damit, seinen zynischen Blick auf seine Figuren innerhalb eines funktionierenden Skripts zusammenzuhalten. Nach dem vielversprechenden ersten Akt löst sich die Handlung zunehmend in eine Reihe von Sketchen auf, deren Pointen wegen dünner Figuren oder fehlendem dramatischen Zusammenhang nicht aufgehen. Haders Ruf mag den Film durch deutschsprachige Länder bringen, aber sobald Untertitel hinzugefügt werden, geht der Großteil der Ironie wahrscheinlich verloren.
 
"Die Welt": Während Georg, diese typisch in sich verschlossene Hadersche Untergeherfigur, auseinanderbricht, sich geistig und moralisch beständig abwärts randaliert, zerfällt draußen die Welt. "Wilde Maus" ist die elegante, konsequente, perfekt genrevermixende Gesellschaftsgroteske. Hilft brutal gegen Selbstüberschätzung. Lässt einen lachen über den eigenen Narzissmus. Warnt vor dem Aufweichen der Grenzen von Leben und Arbeit. Tolles Ding. Böse und lustig.
 
 "Berliner Morgenpost": Eine echte Bären-Chance hat "Wilde Maus" wohl nicht. Dafür ist er viel zu unterhaltend und rasend komisch. Aber mit seinem Regiedebüt setzt Hader der Berlinale ein erstes echtes Highlight.
 
 "Deutsche Welle": Der Schauspieler, der jüngst noch als Stefan Zweig in "Vor der Morgenröte" glänzte, ist auch in seinem eigenen Filmdebüt als Darsteller großartig. Die Geschichte, die "Wilde Maus" anfangs so konzentriert erzählt, zerfasert allerdings im Laufe des Films, die Charaktere erreichen kaum Tiefe, die Spitzen gegen den Wandel in der Medienlandschaft werden durch ein paar Albernheiten um ihre Wirkung gebracht. Und doch ist "Wilde Maus" ein vergnüglicher Film. Auch das muss es ja geben bei einem Wettbewerb eines großen Filmfestivals. Neben all den verrätselten Kunstfilmen, den gut gemachten oder nur gut gemeinten Polit-Dramen und Gesellschaftsstücken.
 
"Tagesspiegel": Vor dem Eingang zu "Wilde Maus" von und mit Josef Hader kam es fast zu Prügeleien, weil nicht alle hineinkamen. Es gibt ungefähr ein Dutzend Szenen, die mir diesen Film unvergesslich machen, unter anderem einen Ehestreit, der dadurch unterbrochen wird, dass die Putzfrau erscheint. Ein alter Wiener Großkritiker wird von seiner Zeitung entlassen und startet gegen den Chef, genannt "die deutsche Sau", einen tragikomischen Rachefeldzug, der von der Chefsau mit ähnlichen Mitteln erwidert wird. Ein sauguter Film.
 
"Berliner Zeitung": Der Film erzählt von der Einsamkeit um die fünfzig, der Leere neben dem Beruf, von den Verlockungen eines Lebens im Verdruss. Dabei gelingt es Hader, seinen Georg, so armselig er mitunter wirkt, niemals lächerlich zu machen. Das Komische gründet stets im Tragischen, das Satirische im Erlebten. Am Ende sitzt Georg als das da, was er nicht zuletzt in den Augen seiner Frau schon länger ist. Ein schrulliger, alter Mann.
 
"rbb Rundfunk Berlin-Brandenburg": "Wilde Maus" ist aber nicht gerade eine Empfehlung für weitere Filmprojekte mit Josef Hader als alleinigen Regisseur und Drehbuchautor. Der Film hat visuell - von der hübsch von oben gefilmten zentralen Szene im Schnee und einigen kurzen Einblicken in den heruntergekommenen Charme des Wiener Praters abgesehen - nicht viel zu bieten. Der fahrige Plot macht zudem mehr Nebenstränge auf, als er sinnvollerweise zusammenführen kann. Da ist das absurd abrupte Ende dann schon fast wieder folgerichtig, weil jeder Versuch einer Abrundung der Geschichte hätte scheitern müssen.
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