Tippi Hedren bei Viennale gefeiert

"Schöne Bestätigung"

Tippi Hedren bei Viennale gefeiert

"Ein Filmstar zu werden", sagt Tippi Hedren, "war mir eben nicht vorbestimmt." Im Wiener Gartenbaukino aber wurde die 85-Jährige am Donnerstagabend nichtsdestotrotz als solcher gefeiert. Die Viennale lud zu Ehren der US-Schauspielerin zu einer Galavorstellung von "Marnie" - der zweiten und letzten Zusammenarbeit Hedrens mit Alfred Hitchcock, der ihr eine Karriere danach verunmöglichen sollte.

Hitchcock zentrales Thema
Was zwischen dem früheren Model und ihrem Entdecker einst ablief, gehöre zwar mittlerweile schon zum "Allgemeinwissen", wie Hedren fast spitz auf eine Publikumsfrage im Anschluss an den Film entgegnete. Vor einem fast voll besetzten Saal ließ sich Hedren aber nur zu gerne zu Anekdoten über Hitchcock, Charlie Chaplin oder Marlon Brando hinreißen, präsentierte sich knapp eine Stunde lang bei Themen von Hollywood über Tierrechte bis US-Waffengesetze als jene "lebendige, wache und ungewöhnliche Dame", die Festivaldirektor Hans Hurch zuvor angekündigt hatte.

Der Konflikt mit Meisterregisseur Hitchcock, der besessen von seiner Muse war und diese nach ihrer Ablehnung nicht aus ihrem Vertrag entließ, war vorherrschendes Thema an dem launigen Abend, wenn Hedren auch mittlerweile versöhnlich gestimmt ist: Hitchcock sei ein Scheusal, aber ein "brillanter Regisseur" mit einem "einzigartigen Gespür für Filme" gewesen. "Es ist schön zu sehen, wie seine Filme weiterleben", meinte Hedren, die die Viennale-Gala auch als "Tribut an Hitchcock" verstanden wissen wollte. "Er hat es verdient!"

Genauso wie "Marnie" selbst: Der Thriller mit Hedren als geheimnisvolle, traumatisierte Titelfigur an der Seite von Sean Connery sei bei seiner Veröffentlichung 1964 verkannt und wegen des mangelnden Werbeaufwands ein Flop gewesen. "Sie alle heute hier zu sehen, ist eine schöne Bestätigung, dass es ein guter Film ist", dankte Hedren ihrem stets genau lauschenden und teils euphorisch jubelnden Publikum.

Erster Wien-Besuch
Für Hedren bedeutete die Einladung zur Viennale nicht zuletzt die Chance für einen ersten Wien-Besuch. "Bei all den vielen Reisen, die ich seit den 50ern unternommen habe, hatte ich nie die Gelegenheit, hierherzukommen", erzählte die nunmehrige Tierrechtsaktivistin, die sich beim Ausblick aus ihrem Hotelzimmer auf den Wiener Eislaufverein sogleich an ihre Jugend erinnert fühlte. "Mein erstes Ziel als Teenager war es damals, Eiskunstläuferin zu werden und an Shows in den USA teilzunehmen." Weil ihre Eltern sich den Unterricht nicht leisten konnten, übte die junge Nathalie Kay Hedren, so ihr gebürtiger Name, auf zugefrorenen Seen in ihrer Heimat Minnesota. "Da habe ich mich immer gefühlt, als würde ich fliegen." Gereicht habe es aber nicht, "also bin ich stattdessen eben Schauspielerin geworden".

Die Filmkarriere sei für die damals alleinerziehende Mutter von Melanie Griffith überraschend gekommen. "Wann immer sich mir eine Tür geöffnet hat und ich etwas Faszinierendes auf der anderen Seite gesehen habe, bin ich durch gegangen", erzählte Hedren stolz. "Das hat mein Leben sehr interessant gemacht." Da wundert es nicht, dass sie aktuell an ihren Memoiren arbeitet - wenn ihr die Aufgabe auch ein wenig Angst einjage. "Ich hatte ein so erfülltes Leben, da wird es schwer, alles in ein Buch zu packen", lachte Hedren. "Vielleicht gibt es Teil 1, Teil 2 und Teil 3." Nach diesem Abend, suggerierte Moderatorin und Filmkritikerin Lisa Nesselson, seien Hedren jedenfalls mindestens 700 Käufer der Bücher sicher. "Das wäre ganz wundervoll", sagte Hedren, und dürfte bereits heute und morgen noch mehr Interessenten finden: Im Filmmuseum wohnt sie im Rahmen der "Animals"-Retrospektive zwei Vorführungen ihres Kinodebüts, dem Hitchcock-Klassiker "Die Vögel" (1963), bei.

 

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