Viennale 2017 ehrt Hans Hurch

Filmfestival

Viennale 2017 ehrt Hans Hurch

Auch und gerade weil er nicht mehr ist, steht die heurige Viennale ganz im Zeichen ihres langjährigen Aushängeschilds Hans Hurch. Bei dem am 19. Oktober startenden Filmfestival wird dem Ende Juli überraschend verstorbenen Direktor eine eigene Schiene in memoriam gewidmet, kündigte der interimistische Leiter Franz Schwartz am Freitag bei einer ersten Vorausschau an.

Film zu Ehren

14 künstlerische Weggefährten Hurchs wurden gebeten, je einen Film zu benennen, den sie dem Verstorbenen widmen möchten. Ed Lachmann hat sich dabei für Wong Kar-wais Klassiker "In the Mood for Love" entschieden, während etwa Tilda Swinton Robert Bressons "Au Hasard Balthazar" ausgewählt hat. "Es ist dies die letzte Viennale von Hans Hurch - und es wird eine Viennale sein von ihm und für ihn", so Schwartz, ehemaliger Leiter des Stadtkinos am Schwarzenbergplatz. Gut 70 Prozent der Werke sind demnach noch von Hurch selbst ausgewählt worden.

Persönlich

Dabei lässt man mit rund 200 Filmen gewohnt den Blick in andere Regionen des Weltkinos schweifen. Eine gewisse Splittung thematischer Natur lässt sich dabei bereits ausmachen. Viele der Spielfilme sind eher persönlich gehalten, behandeln individuelle oder familiäre Themen. Im Dokumentarfilmbereich hingegen fokussiert man vermehrt auf globale, (gesellschafts-)politische Fragestellungen. Im Spielfilmbereich erstreckt sich das Spektrum von Valerie Massadians Coming-of-Age-Liebesgeschichte "Milla" über Alain Gomis' Frauenporträt "Felicite" bis zu dem südkoreanischen Beitrag "Hong Sangsoo" von Geu-Hu. In der Doku-Sparte kehrt Amos Gitai mit "A l'ouest du Jourdain" zurück, und Romuald Karmakars "Denk ich an Deutschland in der Nacht" ist ebenso zu sehen wie Peter Nicks Porträt des Oakland Police Departments, "The Force".

Venedig-Filme

Nicht zuletzt hat die Viennale auch wieder einige Werke im Tableau, die heuer bei den Filmfestspielen von Venedig ihre Weltpremiere feiern, darunter Frederick Wisemans "Ex Libris - New York Public Library" oder Koreeda Hirokazus Thriller "Sandome no Satsujin". Auch Barbara Alberts neues Werk "Licht" wird nach der Weltpremiere in Toronto und der Projektion am Lido in Wien zu sehen sein. Weitere Vertreter des heimischen Filmschaffens sind Johann Lurfs Experimentalfilm "Star" sowie Astrid Johanna Ofners Debüt "Abschied von den Eltern", das heuer bereits in Locarno zu sehen war. Im Programm ist auch Ali Soozandehs Animationsfilm "Teheran Tabu" über den Alltag im Iran und Thomas Arslans "Helle Nächte" mit Georg Friedrich in der Hauptrolle, der dafür bei der Berlinale als bester Darsteller gewürdigt wurde.

Werkschau

Unter dem Titel "Neues neapolitanisches Kino" versammeln sich in einem eigenen Schwerpunkt Werke vom Ende des vergangenen Jahrhunderts, als Regisseure wie Antonio Capuano, Pappi Corsicato oder Mario Martone die Stadt am Vesuv aus ästhetischer und stilistischer Perspektive neu entdeckten. Der heuer mit ihrem österreichisch koproduzierten Werk "Western" in Cannes vertretenen deutschen Regisseurin Valeska Grisebach ist eine Personale gewidmet, in deren Rahmen nicht nur ihre eigenen Spielfilme, sondern auch mittels Carte blanche von ihr bestimmte, prägende Werke von Kollegen gezeigt werden. Eine frühe Akteurin vor der Kamera war hingegen die österreichische Pionierin Carmen Cartellieri, die zu den heimischen Starschauspielerinnen der Zwischenkriegszeit zählte, danach jedoch vergessen wurde. Das Filmarchiv zeigt nun im Rahmen der Viennale eine umfassende Werkschau der 1953 verstorbenen Künstlerin. Die traditionelle Retrospektive im Filmmuseum hingegen widmet sich unter dem Titel "Utopie und Korrektur" im Oktober und November dem sowjetischen Kino der Zwischenkriegszeit respektive der Post-Stalin-Zeit.

 Viennale-Sujet

Ein gewisses Enigma ist hingegen wie alljährlich das Viennale-Sujet. Diesesmal diente eine harlekinartige Figur, eine Einritzung aus einer südfranzösischen Kirche, als Vorlage. "Denken Sie sich dazu, was Sie wollen - es wird das Richtige sein", so Schwartz. Die formelle Ausschreibung für die neue, fixe Direktion der Viennale startet dann am 5. November. Mitte bis Ende Jänner soll dann feststehen, wer das Filmfestival ab der Ausgabe 2018 übernimmt.
 
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