23. Mai 2010 08:29
Um 21 Uhr war das Chaos vergessen. Der bombastische Rock'N’Roll Train von
AC/DC als musikalisches Allheilmittel gegen den unglaublichen Anreisefrust.
82.000 Fans pilgerten am Samstag zum Flugplatz Wels. Ein Wahnsinnstrip von
Woodstock-Format – einstündige Wegzeiten inklusive. Das größte Konzert des
Jahres. Ein Event für die Ewigkeit.
19 Welthits im Bühnenbombast
Nicht nur wegen des Chaos rund
um das für Massenaufläufe völlig ungeeignete Konzertgelände. Sondern weil
die Hardrock-Opas trotz Stimmproblemen alle Erwartungen erfüllten: 19
Welthits in zwei Stunden – dazu ein opulenter Bühnenbombast mit
überdimensionaler DampfLok, gigantischer Höllenglocke (Hells Bells) und
ohrenbetäubenden Kanonensalven (For Those About To Rock) zum Finale.
Wels Bells
Wie erwartet unterschied sich der weltweit bereits
liebevoll als Wels Bells geführte Austro-Auftritt nur um Nuancen vom
Vorjahreskonzert in Wien. Einzige Änderung: Der 1975er-Klassiker High
Voltage ersetzte die Füllnummern Dog Eat Dog und Anything Goes. Somit gab es
in Wels „nur“ 19 statt 20 Songs. Auch ein Eingeständnis an Sänger Brian
Johnson (62), der tontechnisch zwar deutlich über Whitney Houston und
Kiss-Stanley lag, trotzdem mehrmals patzte – vor allem der Welthit
Thunderstruck wackelte extrem dissonant daher.
Entengang, Höllenfratze und Strip
Sonst gab’s Business as
usual – dieselben Greatest Hits wie immer – von Back In Black bis Highway To
Hell. Und eine seit Jahren einstudierte Aneinanderreihung der legendärsten
Posen: der unrhythmische Entengang, die vom euphorisierten Publikum
tausendfach kopierte Höllenfratze und – zu The Jack – der Strip bis zur
Unterhose. Dabei zeigte Angus Young am Po nicht die Österreich-Flagge,
sondern das AC/DC-Logo.
Letzte Konstante
Beeindruckend, wie sich Brian Johnson am
Glockenseil schwang (Hells Bells) oder Angus Young, einem trotzigen Kind
gleich, am Boden rotierend zu Let There Be Rock seine Gitarre würgte. Erwies
sich der Welser Flughafen als Konzertgelände völlig ungeeignet, so bewiesen
sich AC/DC einmal mehr als letzte große Konstante des Musik-Business.