Alcina: Sensationserfolg mit Liebe

Karl-Löbl-Kritik

Alcina: Sensationserfolg mit Liebe

Vier Stunden Händel. 26 Arien, dazwischen nur Rezitative, ein bisschen Tanz. Kaum Aktionen. Trotzdem ein spannender Theaterabend. Er gilt jenem Thema, das die Welt bewegt, das Wunder Liebe. Deren Keimen und Scheitern, Macht und Ohnmacht, Vergeblichkeit und Entflammen. Händels Musik spiegelt all diese Situationen, die seine Sänger erleben. „Alcina“, 1735 in London erfolgreich uraufgeführt, handelt zwar von einer Zauberin, die ihre Liebhaber in Tiere, Felsen, Wellen verwandelt, wenn sie ihrer überdrüssig ist. Doch solch ein Barockspektakel wäre heute museal. Daher lässt Regisseur Adrian Noble das Stück als Festivität in einem noblen Haus ablaufen und verlässt sich auf die Kraft der musikalischen Intensität.

Mark Minkowski, sein Orchester und ein gutes Ensemble beweisen, wie vital, gefühlvoll, stark Händels Musik ist. Das Wunder des Abends ist jedoch Anja Harteros in der Titelrolle. Eine Sängerin, die jede Empfindung von Zärtlichkeit bis Wut glaubhaft ausdrücken kann, die fabelhaft spielt, kunstvolle Verzierungen völlig natürlich klingen lässt. Sie und alle anderen erzielten einen Sensationserfolg.

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