13. März 2009 09:58
Mit stürmischem Applaus hat das Wiener Opernpublikum am Samstag die Rückkehr
eines Stars gefeiert: Anna Netrebko hat bei ihrem ersten Auftritt nach ihrer
Babypause in der Wiener Staatsoper eine hinreißende "Lucia di Lammermoor"
gegeben und dabei keinen Zweifel daran gelassen: Sollte sich ihre Stimme in
ihrer Auszeit verändert haben, dann keinesfalls ins Schlechtere. Die
Aufführung wurde zur Feierstunde für diejenigen Opernfans, die tiefgehende
Emotion mehr zu schätzen wissen als pure Stimmakrobatik.
Keine "Netrebko-Show"
Verdienten Jubel gab es auch für
George Petean als Enrico und Giuseppe Filianoti als Edgardo sowie Marco
Armiliato am Pult. Denn der Abend war keineswegs "nur" eine "Netrebko-Show":
Insbesondere Filianoti entwickelte einen starken eigenen Glanz, und auch aus
dem Graben kam Frische im Klang und Schwung in der Interpretation.
Für den zauberhaftesten Moment des Abends sorgten die sphärischen Klänge der
Glasharmonika, die erstmals die Wahnsinns-Arie der Donizetti-Oper in der
Staatsoper begleiteten. Netrebko hauchte ebenso zart wie der ephemere Klang
des schwingenden Glases das Leben der Lucia aus - da machte auch die
trist-verstaubte Inszenierung nichts mehr.
Stimme entfaltete sich
Klang Netrebko auch anfangs etwas rau in
den extremen Höhen, so entfaltete sich im Laufe des Abends wieder jene
faszinierende, volle, perfekt kontrollierte Stimme, mit der die
Austro-Russin hinzureißen vermag. Und vor allem auch jene Überzeugungskraft
im darstellerischen Ausdruck, die man so auf Opernbühnen selten sieht.
Die Rückkehr der Wahlösterreicherin auf die heimische Bühne wurde nach drei
Stunden bejubelt wie ein Popkonzert: Zahlreiche Digitalkameras hielten den
Schlussapplaus für die privaten Fotoalben der Opernfans fest, wer die Hände
frei hatte, spendete Standing Ovations. Netrebko, die nach der Babypause
bereits u.a. an der Met in New York auf der Bühne stand, strahlte sichtlich
erfreut ins Publikum zurück. Und wie zuvor schon in den (langen) Umbaupausen
wird es für das Publikum wohl auch nach der Vorstellung genug Gesprächsstoff
gegeben haben - nicht zuletzt über die ungewohnt hellen Haare der Sängerin.