Aribert Reimann:

"Medea"-Uraufführung

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Aribert Reimann: "Feuer verfolgt mich"

„Vier meiner neun Opern enden im Feuer“, sagt Aribert Reimann, dessen Medea am Sonntag in der Staatsoper uraufgeführt wird. Der wichtigste lebende Opernkomponist, der 1978 mit Lear berühmt wurde, hatte als Neunjähriger in Berlin das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebt. Sein 14-jähriger Bruder war bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen: „Drei Wochen vor Kriegsende flohen meine Eltern mit mir nach Potsdam, und am 15. April 1945 wurde auch Potsdam bombardiert. Als ich am nächsten Morgen mit meiner Mutter auf die Straße trat, brannte die Stadt. Wir standen im Feuer.“

Erlösung. Am Schluss seiner neuen Oper zündet Medea, die verstoßene Zauberin aus Kolchis, den Palast von Korinth an, nachdem Jason sie für die Königstochter Krëusa verlassen hat. „Feuer verfolgt mich, es ist ein Trauma“, erzählt Reimann. „Ich sehe das brennende Potsdam vor mir, als wäre es gestern gewesen. Als ich zu der Szene kam, in der Medea die Stadt anzündet, war das wie ein Albtraum, ich war wie gelähmt. Ich muss das Feuer komponieren oder sterben, dachte ich. Als ich fertig war, war ich erlöst.“ Auch das Libretto für Medea hat Reimann „im Feuer“ geschrieben: auf der Vulkaninsel Lanzarote. „Ich denke, das hört man in der Musik“, so Reimann. „Das Feuer kommt aus Medeas Kopf, wie der Sturm aus Lears Kopf kommt.“

Farben. „Ich schreibe immer für Stimmen“, sagt der gefeierte Vokalkomponist. „Den Lear habe ich für Fischer-Dieskau geschrieben, die Medea für Marlis Petersen. Sie ist eine tolle Sängerin, ein lyrischer Sopran mit dramatischen Koloraturen und vielen Farben.“

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