Aufregung um den 
kranken

Opern-Kritik

Aufregung um den 
kranken "Rigoletto"

Der englische Starbariton Simon Keenlyside zählt nicht nur zu den größten Sängern der Welt, er ist auch ein hinreißender Schauspieler. Mit seiner unverwechselbaren Stimme, deren Klangfarbe von tenoraler Helligkeit bis in satte Tiefen reicht, vermag der Operngigant zu erzählen, zu leiden oder zu spaßen.

Am Samstag sang er in der Staatsoper die Titelrolle in Verdis Rigoletto. Der bucklige Hofnarr des lüsternen Herzogs von Mantua ist eine tolle Rolle, wie für Keenlyside geschrieben. Nur: Der Sänger war krank. Er hatte die Generalprobe wegen einer Laryngitis abgesagt, und man zitterte, ob er die Premiere singen würde.

Keenlyside trat auf
Die schöne Stimme klang ein wenig angeschlagen, aber mit seiner expressiven Spielweise machte er alles wett. Sein Rigoletto ist ein Außenseiter, der mit frechen Sprüchen und obszönen Gesten seinem Menschenhass Ausdruck verleiht. Unter den Höflingen macht er, hinkend und schief, seine derben Späße mit Halskrause und nacktem Oberkörper.

Keenlyside konnte nur noch markieren
In der „Cortigiani“-Szene im zweiten Akt, in der Rigoletto weinend und fluchend seine von den Höflingen geraubte Tochter Gilda sucht, lieferte Keenlyside die Performance seines Lebens. Wie ein sterbender Löwe bäumte er sich mit letzter Kraft gegen das dröhnend aufspielende Orchester auf und wurde mit Bravo-Geschrei belohnt. Doch: Beim finalen Duett mit Gilda ging er zweimal von der Bühne; Gilda stand verloren da, Keenlyside konnte nur markieren.

Unter Buhrufen teilte Direktor Dominique Meyer mit, dass nun das Ensemblemitglied Paolo Rumetz den 3. Akt singen würde. Rumetz allerdings kann den Rigoletto weder spielen noch singen. Dass die Staatsoper nicht in der Lage ist, einen akzeptablen Rigoletto-Sänger aufzustellen, der von Keenlyside im Notfall übernimmt, ist unglaublich.

Bei der ORF-Übertragung war im 1. Akt Keenlyside zu erleben, ab dem 2. Akt spielte man den Mitschnitt der Generalprobe mit Rumetz. Am Anfang waren 146.000 Zuschauer dabei, am Ende 19.000. Tenor Piotr Beczala war ein bis zum hohen Des strahlender Duca.

Autor: Elisabeth Hirschmann
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