Brüste, HIV & Co: Zehn Jahre Big Brother

Phänomen

Brüste, HIV & Co: Zehn Jahre Big Brother

Deutlich mehr als 250 Kandidaten haben im vergangenen Jahrzehnt den deutschen "Big Brother"-Container bewohnt, doch nur wenige sind den Fernsehzuschauern im Gedächtnis geblieben. Dazu gehören sicherlich die beiden Freunde Zlatko Trpkovski und Jürgen Milski, die in Staffel eins Party machten, ebenso Staffel-zwei-Siegerin Alida Kurras, die heute noch als Fernsehmoderatorin bei Sendern der dritten Reihe präsent ist. Alle anderen Gewinner und Teilnehmer sind weitgehend vergessen - so dürfte es auch dem Sieger der zehnten Staffel ergehen, der am Montag (9.8.) ab 21.15 Uhr auf RTL II gekürt wird.

Massenphänomen
Zum Start im März 2000 war "Big Brother" ein Massenphänomen: Auch wer nicht zuschaute, redete darüber. In zahlreichen Staaten starteten später Ableger der Show, in Österreich hieß das adaptierte Format "Taxi Orange".

Menschenzoo
Gegen "Big Brother" hagelte es bald Proteste und Forderungen, ein solcher Menschen-Zoo müsse verboten werden. Die Boulevardmedien begleiteten jede Sinnesregung der Bewohner, Kuscheleien und Streit wurden genüsslich ausgeweidet, der Voyeurismus via TV erklomm neue Höhen. Doch am Ende war alles undramatischer als befürchtet. Schnell setzte sich die Erkenntnis durch: Der Alltag der Containerbewohner ist mindestens genauso langweilig wie der eigene.

Rentabel für Sender
Mittlerweile ist "Big Brother" Nischenfernsehen - für einen Sender wie RTL II allerdings eine komfortable Nische mit einer festen Fangemeinde. 1,18 Millionen Zuschauer schauten im Schnitt zu, der Marktanteil betrug 4,8 Prozent - die beste Staffel seit fünf Jahren. Bei den Zuschauern von 14 bis 49 Jahren, die für die Werbung besonders interessant sind, waren es 8,6 Prozent - ein überdurchschnittlicher Wert.

Brüste, HIV & Jugendwahn
Dafür wurden Skandälchen und Kuriosa öffentlichkeitswirksam gestreut - mal mehr, mal weniger gezielt. Gleich am ersten Tag der Jubiläumsstaffel stieg Kandidat Horst aus, weil auch ein schwules, HIV-infiziertes Paar mit im Haus wohnte. Dann schockierte das Kölner Finanzgericht mit der Entscheidung, dass die hart erarbeiteten Gewinne aus der "Big Brother"-Show versteuert werden müssen. Die Medienwächter wiederum bescheinigten einer Folge, sie sei jugendgefährdend, weil sie zwei Frauen unter der Dusche zeigte und die Kamera "ausschließlich auf deren Brüste" gerichtet gewesen sei. Kurz vor Beginn der Fußball-WM im Juni verstieß RTL II gegen die eigene Jugendfixiertheit und ließ mit der 65-jährigen Anne die bisher älteste Kandidatin in das kameraüberwachte Haus in Köln einziehen. Und schließlich warf der Sender den Kandidaten René hochkant aus der Show - Grund: mangelndes Taktgefühl.

Finalshow
Zum Abschluss gibt es am Montag, 2.8. nochmals eine Tageszusammenfassung des Geschehens im Container - so wie jeden Tag zuvor, allerdings erst um 20.15 Uhr und nicht wie üblich um 19.00 Uhr. Ab 21.15 Uhr feiern sich RTL II, die Produktionsfirma Endemol sowie die Fan-Gemeinde selbst: Zur dreistündigen Finalshow werden rund ums Haus 5.000 Fans erwartet. Es gibt Musikeinlagen, B-Promis wie Monica Ivancan oder Ross Antony plaudern mit "BB"-Moderatorin Aleks Bechtel über das Geschehene, und "BB"-Veteranin Alida gibt die Außenreporterin. Und natürlich wird am Ende der auf 211 Tage verlängerten Show ein Gewinner gekürt: Anne, Manuela, Natascha, Marc oder Timo dürfen auf das Preisgeld von 250.000 Euro hoffen - und auf Kurzzeit-Ruhm.

Staffel 2011 noch ungewiss
Der Quotenerfolg spricht dafür, dass es im kommenden Jahr eine elfte Staffel geben wird, doch bei RTL II ist man zurückhaltend. Dazu gebe es derzeit keine Informationen, heißt es.

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