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Jetzt ist es fix

Bogdan Roscic wird Staatsopern-Direktor

 Es wurde eine handfeste Weihnachtsüberraschung, die Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) den Opernfreunden unter den Baum gelegt hat: Plattenboss Bogdan Roscic wird mit 1. September 2020 die Wiener Staatsoper übernehmen - und keiner aus der im Vorfeld kolportierten, renommierten Intendantenriege. Der 52-jährige Präsident der Sony-Klassiksparte in New York soll die "Staatsoper 4.0" gestalten.

Gute Ausgangslage

Die Lage der Staatsoper derzeit sei gut, was nicht zuletzt ein Verdienst des amtierenden Direktors Dominique Meyer sei, unterstrich Drozda bei der Präsentation. Aber es gehe jetzt um die Zukunft: "Ich möchte diese Weichenstellung deswegen vornehmen, weil meine Erwartungen an die Staatsoper in zehn Jahren andere sind, als der Status quo von 2016." Die Stoßrichtung sei dabei klar: "Wenn Sie so wollen, geht es auch darum, eine Staatsoper 4.0 zu kreieren."

Bedeutungsverlust

Dass da durchaus Arbeit auf ihn warte, wollte Roscic selbst nicht verhehlen. Zwar sei das Totsagen des Genres seit Jahrzehnten nicht eingetreten, aber es habe einen Bedeutungsverlust gegeben: "Die Oper steht in Konkurrenz wie es sie noch nie gegeben hat - um die Zeit und das Geld ihres Publikums." Diesem Umstand könne man nur mit Erlebnissen in einer anderen Tiefe begegnen, als sie die Theaterroutine manchmal zu bieten habe. Seine Definition von Opernbetrieb fällt dabei prosaisch aus: "Einer Maschine Kunst abpressen - und das Werkzeug dafür sind Ideen."

Thinktank

Dabei stünde die Breite des Repertoirebetriebs an der Staatsoper außer Frage - was auch für den Bedarf nach einem Generalmusikdirektor gelte. Hier müsse ein Spitzenmusiker gefunden werden, der Teil des Thinktanks sei und sich voll und ganz dieser Aufgabe widme. "Vorwärts zu Mahler" stehe dabei als Titel über seinem Konzept: "Mahler war alles zutiefst verhasst, was routiniert, selbstzufrieden war."

Der Tragweite seines persönlichen Karriereschwenks an die Staatsoper ist sich der Neo-Musiktheaterdirektor durchaus bewusst: "Es ist die wichtigste Entscheidung, die ich in meinem Leben getroffen habe." Zugleich befinde er sich als designierter Opernchef ohne bisherige Theatererfahrung durchaus in guter Gesellschaft, wenn man an seinen Vor-Vorgänger Ioan Holender oder den derzeitigen Met-Chef Peter Gelb denke, der einst ebenfalls Chef der Klassiksparte von Sony war. Und auch in Berlin wagte sich mit dem mittlerweile wieder demissionierten Tim Renner ein einstiger Plattenboss als Kultursenator in neue Gefilde.

Wandlungen

Nicht zuletzt war auch schon bisher das Berufsleben des am 14. April 1964 in Belgrad geborenen und ab 1974 in Österreich lebenden Roscic von steten Wandlungen gekennzeichnet. So begann er als Journalist bei "Presse" und "Kurier", bevor er zum ORF wechselte, wo er 1996 zum Senderchef von Ö3 aufstieg und dieses im Zuge der Marktliberalisierung zum erfolgreichen Formatradio umgestaltete - was dem umtriebigen Jungmanager auch Kritik einbrachte. 2002 wechselte er mit Amtsantritt von Monika Lindner als ORF-Generaldirektorin in die Musikindustrie, wo er über Positionen bei Universal Music Austria, beim Renommierlabel Deutsche Grammophon und Decca schließlich 2009 zur Klassiksparte von Sony Music nach New York weiterzog.

Der amtierende Staatsoperndirektor Dominique Meyer, der sich erfolglos um eine dritte Amtszeit beworben hatte, stellte klar, seine Aufgabe bis 2020 mit demselben Enthusiasmus erfüllen zu wollen. Er wünsche dann seinem Nachfolger viel Glück. "Ich meinerseits werde neue Wege beschreiten."

Gemischte Reaktionen

Durchaus positiv und teils etwas verhalten fielen die Reaktionen auf die Personalentscheidung in der übrigen Klassikszene aus. Ex-Staatsoperndirektor Ioan Holender lobte einen "sehr guten und unösterreichischen Weg", Theater-an-der-Wien-Intendant Roland Geyer sprach von einer "beinahe amerikanischen Lösung im Sinne von 'alles ist möglich'." Die Wiener Philharmoniker kündigten an, "im Sinne des Hauses" positiv an die Sache heranzugehen, so Vorstand Andreas Großbauer - auch wenn man von der Entscheidung überrascht worden sei. Volksopern-Direktor Robert Meyer freute sich "auf eine gute Zusammenarbeit", während Kollege Nikolaus Bachler von der Bayerischen Staatsoper gar von einer "ausgezeichneten Entscheidung" sprach. Und der bis 2014 amtierende Generalmusikdirektor der Staatsoper, Franz Welser-Möst, zeigte sich vom designierten Opernchef beeindruckt: "Das ist ein echter Macher."

Widerspruch kam indes von FPÖ-Kultursprecher Walter Rosenkranz, der von einer "Skandal-Bestellung" und "Entwürdigung der Wiener Staatsoper" durch eine Person ohne berufliche Erfahrung mit dem Musiktheater sprach. Der Grünen-Kultursprecher Wolfgang Zinggl konstatierte hingegen die "außergewöhnliche Wahl eines kreativen Kopfs", während Wiens SPÖ-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny aus dem Rathaus "ein herzliches toi, toi, toi" sendete.

 

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