16. Juni 2009 15:40
Wie hat es der mittlerweile weltberühmte Briten-Brachialkomiker Sacha Baron
Cohen (37) geschafft, bei seiner Parodie “Brüno” (ab 10. Juli im Kino)
unerkannt zu bleiben? Der britische „Telegraph“ veröffentlichte nun
Gerichtsakten, die den ersten Einblick in das geheime „System Brüno“ geben:
30 Scheinfirmen hatte Cohen zur Täuschung eingerichtet. Die brisanten
Dokumente stammen, so der Telegraph, aus der Millionen-Klage der
Kalifornierin Richelle Olson: Die behauptet, wegen Gehirnverletzungen durch
Tumulte beim Dreh im Rollstuhl zu sitzen (ÖSTERREICH berichtete).
Tarnen & Täuschen
Olson gab in ihrer Aussage zu
Protokoll, wie sie in die Brüno-Falle tappte: „Ein Vertreter einer Filmfirma
rief mich an, ob eine Berühmtheit die Zahlen meines für wohltätige Zecke
abgehaltenen Bingo-Spieles verlesen könne”. Die Szene sollte vom Discovery
Channel gefilmt werden. Doch es erschien Cohen in kurzen Hosen, der rasch
vulgär wurde. Als sie ihm das Mikro entreißen wollte, hätte sie sich am Kopf
verletzt. Die Filmfirma NBC Universal bestreitet den Vorfall.
Cohens Trickfirmen erhielten oft deutsche Namen wie “Deutsches
Modefernsehen”. Websites wurden angefertigt, Briefpapier gedruckt, Personal
angeheuert. Sein Stab trat an potentielle Opfer stets mit ähnlichen
Märchengeschichten heran: Europäische Doku-Filmer wollten “amerikanische
Kultur” festhalten. Lange wurde die Opferliste: Die Nationalgarde in Alabama
ließ den Blödler sogar eine Grundausbildung beginnen. Der
Kongress-Abgeordnete Ron Paul gab ihm ein Interview. Ein Gemeindezentrum
ließ sich überreden, dass eine deutsche TV-Station Seniorentanzstunden
filmen könne. Dort tanzte dann Brüno mit Plattformschuhen mit seinem
“Boyfriend” Tango, Zungenkuss inklusive.
42 Millionen-Dollar-Projekt
Doch klar ersichtlich ist: Beim
Provozieren der US-Bürger zu oft extrem schwulenfeindlichen Reaktionen
wurden keine Kosten gescheut: Mit 42 Millionen Dollar hatte die Komödie
Brüno – wo Cohen nach Amerika zieht, um der “berühmteste Österreicher seit
Adolf Hitler” zu werden – ein Budget wie ein Hollywood-Blockbuster. Drohende
Klagen könnten das Budget noch nachträglich erhöhen.
Trotz allem Aufwand konnte die Filmcrew die teils explosiven Reaktionen
nicht immer kontrollieren: Als er mit Milizen campte und plötzlich nackt ums
Lagerfeuer tanzte, starrte er rasch in den Lauf von Pistolen.