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Brutaler Mord am Würstelstand

Der neue Aigner

Brutaler Mord am Würstelstand

 Unter den vielen Protagonisten der österreichischen Krimilandschaft zählen der Ex-Journalist und nunmehrige Provinz-Totengräber Max Broll und sein Spezi, der Ex-Fußballprofi Johann Baroni, zu den eigentümlichsten und liebenswertesten. Eigentlich wollen die beiden nichts lieber, als bei ein paar Bieren friedlich auf der Terrasse zu sitzen und über den Friedhof zu schauen. Doch dauernd passiert etwas.

In Interview mit einem Mörder zum Beispiel wird Broll, vom frischen Eigenanbau-Stoff seines afrikanischen Pfarrers noch ganz high, dazu genötigt, an der Eröffnung von Baronis neuem Würstelstand teilzunehmen und wird dabei Zeuge eines Schussattentats auf seinen Freund. Als einziger sieht er den Täter. Dieser entpuppt sich jedoch als scheinbar harmloser deutscher Tourist, und die Tatsache, dass der Totengräber zum Zeitpunkt der Tat eingeraucht war, erhöht die Glaubwürdigkeit seiner Anschuldigungen nicht. Broll weiß es besser, und muss angesichts der Tatenlosigkeit der Behörden auf eigene Faust versuchen, Beweise oder ein Geständnis heranzuschaffen. Mehr als vage Indizien und Verdachtsmomente kommen die längste Zeit jedoch nicht zusammen.

Internationaler Star 
mit US-Verfilmung

Der Tiroler Schriftsteller und Fotograf Bernhard Aichner, der mit stilsicheren, rasanten Romanen auf sich aufmerksam gemacht hatte, hat seit einigen Jahren als Krimiautor großen Erfolg. Aus den Abenteuern der Bestatterin Brünhilde Blum wurde eine Totenfrau-Trilogie, und auch der Totengräber Max Broll, der 2010 mit Die Schöne und der Tod das Licht der literarischen Welt erblickte, absolviert in Interview mit einem Mörder bereits sein viertes Abenteuer.

Marketing. Die Bestseller werden von einer Marketingstrategie begleitet, die den „Starautor“ als internationalen Durchstarter mit baldiger US-Verfilmung pusht. Auch das neue Buch „garantiert atemlos-spannende Lesestunden“, wird versichert.

Aichner hat auch diesmal einen tragfähigen Grundeinfall, dass nämlich zu einem Täter gemeinhin ein Motiv gehört, und er baut auch wieder lange Dialogpassagen ein, die der Geschichte ebenso Schwung verleihen wie die extreme Kürze der Kapitel. Der Haupthandlung jedoch, der intellektuellen Auseinandersetzung zwischen dem eher grob gestrickten, doch hartnäckigen Totengräber und dem feinsinnigen, sich betont offenherzig-naiv gebenden Verdächtigen Konrad Maria Fink, mangelt es bisweilen an Glaubwürdigkeit.

Auf Kreuzfahrt mit dem Tat-Verdächtigen

Auch mit einer Reihe farbenprächtiger Schauplätze wartet Aichner auf. Fink lädt den Do-it-yourself-Ermittler ein, ihn auf seiner Urlaubsreise zu begleiten. Das ungleiche Paar begibt sich auf eine Kreuzfahrt, die bis nach Tunis führt. Eine Reihe mysteriöser Todesfälle mehrt Brolls Verdacht, mit Fink den Richtigen im Visier zu haben. Schließlich schlägt sich eine attraktive, doch zunächst kratzbürstige deutsche Journalistin publikumsfreundlich auf die Seite Brolls, der den Variantenreichtum und die Böswilligkeit seines Gegners sträflich unterschätzt.

Showdown. Auf die klassische „Warum“-Frage liefert das Interview mit einem Mörder am Ende keine Antwort. Doch bei einem Thriller-Profi wie Bernhard Aichner gibt es zum Schluss wenigstens einen handfesten Showdown.

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