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Lesefestwoche

"Buch Wien" im Rathaus eröffnet

Mit einer pointierten Rede des deutschen Autors und Strafverteidigers Ferdinand von Schirach sowie einer Lesung aus seinem jüngsten Roman "Tabu" ist heute, Montag, Abend im Wiener Rathaus die Lesefestwoche der sechsten internationalen Buchmesse "Buch Wien" eröffnet worden. Bis 24. November werden in diesem Rahmen an 43 Orten über 280 Veranstaltungen für Erwachsene und 125 für Kinder angeboten.

Gerald Schantin, der Präsident des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels, freute sich in seinem Einleitungs-Statement über einen voraussichtlichen neuen Teilnahme-Rekord von Schülerinnen und Schülern, den der Stand der Voranmeldungen erwarten lasse. Schantin kündigte auch an, so rasch wie möglich mit den politisch Verantwortlichen in der nächsten Bundesregierung das Gespräch zu suchen: "Wir wollen aufzeigen, wie wichtig eine wesentlich aktivere Buchpolitik sein wird."

Ferdinand von Schirach, 1964 in München geboren und mit seinen Büchern "Verbrechen", "Schuld" und "Der Fall Collini" erfolgreich, bot einen überaus unterhaltsamen Einstieg in den literarischen Veranstaltungsmarathon der kommenden Tage und schaffte es spielend, dabei von Thomas Mann zu Michel Houellebecq, von Franz Kafka zu Tomaso di Lampedusa und von Johann Wolfgang von Goethe zu Philipp Roth zu wechseln. So erzählte er über einen Starauftritt des von ihm verehrten französischen Enfant terribles Houellebecq, der mit seiner Forderung, bei einer Literatursendung rauchen zu dürfen, deutsche Theaterbehörden in hellste Aufregung versetzt habe und schließlich nicht nur die Zigarette in seinem Mund unangezündet, sondern auch alle Fragen der Moderatorin unbeantwortet lassen habe.

Von Schirach selbst verhielt sich da wesentlich gesitteter, versuchte in seiner Rede die ihm am häufigsten gestellte Frage ("Warum schreiben Sie?") ernsthaft zu beantworten und stand nach einer kurzen Lesung aus "Tabu" auch dem Publikum Rede und Antwort. Dass dabei immer wieder auch die Frage vom Verhältnis zwischen dem Autor und dem Verteidiger interessierte, trug er mit Fassung und führte anhand einiger Fallbeispiele vor, warum Wahrheit und Wirklichkeit gerade im Gerichtssaal mitunter weit auseinanderfielen. Auch Ratschläge für werdende Autoren hatte er parat: "Nicht Teil des Literaturbetriebs werden!" und "Sich nicht zu ernst nehmen!" Im übrigen versicherte er: "Der Platz zwischen den Stühlen ist am bequemsten."

Die in der Halle D der Messe Wien stattfindende "Buch Wien" (21. bis 24. November) wird am Mittwochabend mit einer Rede von Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff eröffnet.


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