Claudio Abbado: Jugendliches Feuer

Konzertkritik

Claudio Abbado: Jugendliches Feuer

Dass ein ganzes Orchester Belcanto spielen kann, beweist Claudio Abbado mit seinem Bologneser Kollektiv. Das Orchestra Mozart ist ein homogenes Ensemble, dessen technische Perfektion, klangliches Raffinement und extreme dynamische Nuancen bei zwei Rossini-Ouverturen und Mendelssohns Italienischer Symphonie exemplarische Wiedergaben ermöglichen.

Die Bläsersoli sind von einer Schönheit, Eleganz, Brillanz, die man jedem Sänger wünschte. Sie sind beispielhaft für die Spielkultur und Virtuosität dieses 2004 gegründeten Orchesters, das teils aus erfahrenen, teils jungen hoch qualifizierten Musikern besteht. Dass die Italianità, mit der die Haffner-Symphonie exekutiert wurde, Mozart zu einem Vorläufer Rossinis machte, hat nur Puristen gestört.

Abbado beweist, dass mit 78 Jahren sein jugendliches Feuer nicht erloschen ist. Wer dabei war, als er 1965 in Salzburg mit einer intensiven Mahler-Aufführung entdeckt wurde, erlebt jetzt im Musikverein die gleiche Spannung wie damals. Ein großer Maestro vermittelt Freude an Musik.

Autor: Karl Löbl
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